Veranstaltungen 2013
 

Dienstag, 22.01.2013, 19.00 Uhr

 

Ausstellungseröffnung und Buchvorstellung

 

Zum Gedenken an Ludwig Mehlhorn

 

Ausstellung

 

In der Wahrheit leben

Aus der Geschichte von Widerstand und Opposition im 20. Jahrhundert

 

Präsentation des Buches

 

In der Wahrheit leben

Texte von und über Ludwig Mehlhorn

Hrsg. Stephan Bickhardt, in der Schriftenreihe des Sächsischen Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, 2012

 

 

Podiumsgespräch mit

 

Stephan Bickhardt, Pastor, Leipzig

Ole Jantschek, Vorsitzender der Kreisau-Initiative und Studienleiter an der Evangelischen Akademie Arnoldshain

Moderation: Ukrike Kind, stellv. Leiterin des Dezernats für internationale Angelegenheiten, Uni Bonn und

Elisabeth Weber, LKF-Beirat

 

In Zusammenarbeit mit der Konrad-Adenauer-Stiftung Düsseldorf, der Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung und dem Landesbeauftragten Sachsen für Stasi-Unterlagen und der DPG Köln-Bonn e.V.

 

Ludwig Mehlhorn stammte aus Bernsbach im Erzgebirge. An der Freiberger Bergakademie studierte er Mathematik, in der Evangelischen Studentengemeinde - Tillich und Bonhoeffer. Er wurde Programmierer an der Ostberliner Hochschule für Ökonomie. Seine „polnische Erleuchtung“ empfing er 1970 in einem masurischen Sommerlager der Aktion Sühnezeichen. Mehlhorn lernte Polnisch, autodidaktisch und perfekt. Er übersetzte Czesław Miłosz und Sławomir Mrożek. Er veröffentlichte im Samisdat. Als „Grenzgänger“ geriet er alsbald ins Visier der Stasi, die den SED-Staat vor dem Solidarność-Virus zu schützen.

 

Die Wanderausstellung „In der Wahrheit leben. Aus der Geschichte von Widerstand und Opposition gegen die Diktaturen des 20. Jahrhunderts" ist eine 2004 fertiggestellte Variante der gleichnamigen zweisprachigen Dauerausstellung von Katarzyna Madon-Mitzner (Warszau) und Ludwig Mehlhorn (Berlin), die in der Gedenkstätte Krzyżowa-Berghaus 1998 eröffnet wurde. Sie präsentiert Ideen und Wirken des Kreisauer Kreises und dessen Verbindung zu anderen Widerstandsgruppen gegen den Nationalsozialismus sowie Beispiele gesellschaftlicher und politischer Gruppen und Bewegungen in den Ländern des sowjetischen Blocks, die sich gegen den Kommunismus richteten. Die Darstellung konzentriert sich auf Menschen, die sich in diesem Kampf einsetzten - ihre moralische Haltung und politische Überzeugung, ihr Dilemma und ihre Entscheidungen in Bewährungssituationen.
Alle Teile der Ausstellung sind jeweils in drei Blöcke unterteilt: Personen, Gruppen und oppositionelles Handeln – diese Vorgehensweise ermöglicht, beide Systeme sowie das Denken und Handeln der Opposition und der dahinter stehenden individuellen Haltungen in ihren Gemeinsamkeiten und Unterschieden zu erkennen.

 

Eintritt frei

 

Dauer des Ausstellung 22.01. - 17.02.2013, Öffnungszeiten Dienstag bis Freitag 12.00 bis 17.00 Uhr 

 

 

Dienstag, 29. Januar 2013, 20.00 Uhr

 

Literaturhaus Köln, Schönhauser Str. 8

 

Hommage an den russischen Lyriker

 

Alexej Parschtschikow

 

Veranstalter: Literaturhaus, Lew Kopelew Forum, Literarischer Salon

 

Nur 54 Jahre alt, starb 2009 der russische Lyriker Alexej Parschtschikow. Die letzten zehn Jahre seines Lebens lebte er in Köln. Er gilt als einer der wichtigsten russischen Lyriker seiner Generation und war ein bedeutender Vertreter der „Metarealisten“, einer einflussreichen, in den 1980er Jahren entstandenen Strömung russischer Dichtung. Das Werk Alexej Parschtschikows wurde 2011 durch den deutschen Lyriker und Übersetzer Hendrik Jackson (unter anderem Brinkmann-Preisträger der Stadt Köln) in dem Band Erdöl (kookbooks) zugänglich gemacht. Nun stellt Hendrik Jackson im Gespräch mit Guy Helminger mit Lesungen in russischer und deutscher Sprache sowie in Originaltönen Alexej Parschtschikows beeindruckendes Werk vor. Im Nachwort des Bandes charakterisiert er es folgendermaßen: „Parschtschikows Dichtung berauscht den Leser zunächst durch Opulenz und eine Fülle von Bezügen und Vergleichen, die allerdings nicht einem ‚surrealen’, frei assoziierenden Bewusstseinsstrom entspringt, sondern eher einer ‚erdverbundenen’, philosophischen Meditation. Seine Dichtung entfaltet eine Art expressiv-philosophisches, spätmittelalterlich überbordendes Bild- und Gedankenpanorama.“ Die Veranstaltung verdankt sich einer Anregung Michail Schischkins im Literarischen Salon.

Eintritt: 8,00 € / 6,00 € / 4,00 €

 

 

Freitag, 08.02.2013, 19.00 Uhr

 

Vortrag von

 
Prof. Gasan Gusejnov, Moskau


Virtuelle Netzwerke statt Öffentlichkeit. Politische Kultur im alt-neuen Russland


Moderation: Ingo Mannteufel, Leiter der Russischen Redaktion und Hauptabteilungsleiter Osteuropa der Deutschen Welle

Bericht und Diskussion über die Rolle des Internets als Medium, das zwar keine nationalen Grenzen kennt, aber imstande ist, die Entwicklung einer realen politischen Kultur zu behindern. In Russland laufen einige Prozesse parallel – Abbau demokratischer Freiheiten, Zunahme repressiver Tendenzen im Staat, politische Lähmung in weiten Teilen der Bevölkerung, und gleichzeitig werden diese aktuellen Entwicklungen in den sozialen Netzwerken kritisch verfolgt und scharf diskutiert. Auf welche Weise und warum unterläuft die virtuelle Welt die reale Politik? Welches Russland ist es, das sich der Außenwelt zuwendet, und wie sieht das Land sich selber? Welche alt-neuen Komplexe herrschen im heutigen Russland?

Prof. Gasan Gusejnov hält an der Moskauer Hochschule für Wirtschaft Vorlesungen über Geschichte der antiken Literatur; als Gastprofessor an der Universität Basel wird er im Sommersemester 2013 das Seminar „Das russische Internet als Raum für Vergangenheitspolitik, Identitätssuche und Bildungsprojekte“ leiten.
Er war als Journalist in der DW tätig und ist Autor der Bücher sowohl über die Antike als auch über die moderne politische Sprache im heutigen Russland. Z.Z. schreibt er für den Internationalen französischen Hörfunk RFI eine Kolumne über die aktuelle russische politische Sprache.
Am 22.12.2012 sendete DeutschlandRadio ein Feature von Gesine Dornblüth u.d.T.:
„Orthodoxie als Kommunismusersatz. Russland und die Religion“ mit einem Interview mit Gasan Gusejnov: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kulturheute/1958339/


Einige deutschsprachige Publikationen:
Superreiche statt Supermacht. Interview in der Basler Zeitung 11.5.2009;
Sprache und gesellschaftlicher Wandel (kultura 10/2006);
Europa als kritisches Visiotyp. In: Europäische Identität als Projekt. Innen- und Außensicht / Thomas Meyer; Johanna Eisenberg (Hrsg.). Wiesbaden, Verlag für Sozialwissenschaften 2009

 

UKB: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und Inhaber des Köln-Passes

 

 

Samstag, 16. Februar 2013, 17.00 Uhr

 

Abend mit dem russischen Schauspieler, Regisseur und Schriftsteller

 

Weniamin Smechow

I. Teil: Erinnerungen an Lew Kopelew
II. Teil: „Stimmen unserer geliebten Autoren“
Lyrik und Humor in der russischen Dichtung: Puschkin – Brodskij - Wyssozkij

Veranstaltung in russischer Sprache mit deutscher Übersetzung von Nadja Simon
Moderation: Maria Birger, LKF-Beirat

Weniamin Smechow wurde am 10. August 1940 als Sohn eines Professors und einer Therapeutin geboren. Sein Onkel Lew Moissejewitsch Smechow (1908–1978) war ein bekannter Buchillustrator. Nach dem Ende seiner Schulzeit (1947–1957) wurde Smechow an der renommierten Boris-Schtschukin-Theaterschule aufgenommen und machte 1961 seinen Abschluss. 1963 trat er dem neu gegründeten Moskauer Theater für Drama und Komödie bei, aus dem 1964 das Taganka-Theater hervorging. Dort arbeitete Smechow bis 1985. In dieser Zeit spielte er unter anderem die Rolle des dritten Gottes in Brechts „Der gute Mensch von Sezuan“, die Rolle des Claudius in Shakespeares „Hamlet“ und die Rolle des Woland in der Bühnenadaption des Romans „Der Meister und Margarita“ von Michail Bulgakow. Von 1986 bis 1987 spielte er am Sowremennik-Theater und von 1988 bis 1990 wieder am Taganka-Theater.
Dem breiten russischen Publikum wurde Smechow vor allem in der Rolle des Athos im Musikfilm „D'Artagnan und die drei Musketiere (1978)“ bekannt. Insgesamt spielte er in den Jahren 1968–2008 in mehr als 20 Filmen mit.
Als Theater und Opernregisseur arbeitet Wenjamin Smechov in Moskau, St. Petersburg, Omsk und Tallin. Ebenso ist er auf den internationalen Bühnen, wie Berlin, Chicago, Tel Aviv, Haifa, Marseille u.v.a. zuhause. 1993 inszenierte er am Nationaltheater Mannheim die Oper „Don Pasquale“ von Gaetano Donizetti und 1996 die Oper „Il Campiello“ von Ermanno Wolf-Ferrari im Staatstheater München. In den Folgejahren war er auch für Theaterhäuser in Aachen tätig.
Wenjamin Smechov hat zahlreiche Erzählungen und autobiographische Erinnerungen in russischer Sprache publiziert. 2010 erschienen seine dreibändigen Memoiren über das berühmte Taganka-Theater und 2012 ein Buch über das „goldene Zeitalter“ des Kulttheaters.


UKB: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und Inhaber des Köln-Passes

 

 

Donnerstag, 21. Februar 2013, 20.00 Uhr

 

Lesung und Gespräch  

 

Pyotr Magnus Nedov
legt seinen mit dem Brinkmann-Stipendium 2011 ausgezeichneten Roman „Zuckerleben“ vor

Ort der Veranstaltung: HoteLux, Von-Sandt-Platz 10
Veranstalter: Literaturhaus Köln, DuMont Buchverlag, Lew Kopelew Forum


Pyotr Magnus Nedov wurde 1982 in Kischinau, damals Sowjetunion, heute Republik Moldau, geboren. In Wien machte er sein Abitur und studierte daraufhin Anthropologie und Filmwissenschaften an der Sorbonne in Paris, Moskau, Montreal, Wien und an der Kunsthochschule für Medien in Köln, wo er heute auch lebt. Er hat in Philosophie promoviert, bisher aber vorwiegend als Filmemacher gearbeitet.
Mit Witz und einem genauen Blick für Szenen und Figuren erzählt Nedov in „Zuckerleben“ (DuMont Buchverlag) die Geschichte des Moldawiers Tolyan Andreewitsch, der die Asche seiner verstorbenen Freundin nach Island transportiert. Auf der Autofahrt dorthin überfährt er in den nächtlichen Abruzzen beinahe ein junges Paar, das Selbstmord begehen will. Es ist das Jahr 2011. Er nimmt die beiden jungen Leute auf seine Fahrt mit und erzählt ihnen vom Moldawien des Jahres 1991: vom Aufstieg eines Helden der sozialistischen Arbeit, von der Besetzung einer Zuckerfabrik und vom Zusammenbruch der Sowjetunion bis zur gegenwärtigen Finanzkrise Europas.

Die Journalistin Claudia Cosmo spricht mit Pyotr Magnus Nedov über die Krisen der Moderne und über seinen wilden Trip quer durch die Zeit.


Eintritt: 8,00 € / 6,00 € / 4,00 €

 

Montag, 18. März 2013, 19.00 Uhr

 

Buchvorstellung

 

Andreas Petersen
liest aus:

Deine Schnauze wird dir in Sibirien zufrieren

und im Gespräch mit Erwin Jöris (Filmausschnitte, 2002)

Moderation: Prof. Gerhard Simon, Osteuropa-Historiker, Universität zu Köln

Der in Köln lebende Erwin Jöris ist im Herbst 2012 100 Jahre alt geworden. Sein Leben ist Thema dieses beeindruckendes Buches.
Wie liest sich große Geschichte im Leben eines Einzelnen? Was erinnert ein Arbeiter aus Lichtenberg vom vergangenen Jahrhundert? Als Zeitzeuge, Idealist und politischer Akteur schildert Erwin Jöris (geb. 1912) sein Jahrhundert zwischen Weltrevolution, Illegalität, Krieg, Utopie und Enttäuschung.
Ein Leben immer mitten in den politischen Brennpunkten: in den Straßenschlachten der untergehenden Weimarer Republik, im Widerstand gegen Hitler, als Konzentrationslager-Häftling, in der sowjetischen Aufbau-Euphorie und dem Großen Terror Stalins, ausgeliefert von der Lubjanka an die Gestapo, als Wehrmachtssoldat vor Moskau und in russischer Kriegsgefangenschaft, im Ruinen-Berlin mit früher DDR-Hoffnung und einem NKWD-Urteil: 25 Jahre Gulag im ewigen Eis.
Der Schweizer Historiker Dr. Andreas Petersen, Dozent an der Fachhochschule Nordwestschweiz und Betreiber der Geschichtsagentur zeit&zeugen, hat das Leben des hundertjährigen Erwin Jöris in die Zeit eingebettet und die Interviews in den Archiven von Berlin, Moskau bis Swerdlowsk nachrecherchiert.

„Was für ein Jahrhundertpanorama” Der Tagesspiegel
„... ein kompakter Geschichtskurs über die Zeiten von Hitler und Stalin” NZZ am Sonntag

Das Buch dient derzeit als Textgrundlage für drei Theaterinszenierungen.

UKB: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und Inhaber des Köln-Passes



Dienstag, 26. März 2013, 19.00 Uhr


Buchvorstellung und Gespräch

Ungarn. Ein Länderporträt

Ch. Links, Berlin 2012

Buchvorstellung und Gespräch mit dem Autor Reinhold Vetter


Moderation: Helga Kirchner, eh. WDR-Hörfunk-Chefredakteurin und Leiterin des Programmbereichs Politik
und Elisabeth Weber, LKF-Beirat

 

Als Ungarn 1989 die Grenze zu Österreich öffnete und damit Zehntausenden DDR-Bürgern die Flucht in den Westen ermöglichte, beförderte das die Einheit Deutschlands und Europas. Eine Woge der Sympathie schlug den Ungarn entgegen. Doch seit einiger Zeit mehren sich die schlechten Nachrichten: Überfälle auf Roma, ein wiederauflebender Antisemitismus, marode Staatsfinanzen und der Abbau demokratischer Rechte.
Reinhold Vetter, lange Jahre Korrespondent in Budapest, geht den Ursachen für die aktuelle Entwicklung nach. Aber er erzählt auch Geschichten von den kulinarischen Köstlichkeiten, der exotisch klingenden Sprache und der Vielzahl ungarischer Genies. Ein kompaktes Kompendium für alle Ungarn-Reisende.

UKB: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und Inhaber des Köln-Passes

 

 

Mittwoch, 03. April 2013, 19.00 Uhr

 

Geschichtspolitik in Russland und Bulgarien – ein Vergleich
Die kommunistische Vergangenheit in der Gegenwart


Wie setzen sich ehemals kommunistische Länder mit diesem Erbe auseinander? Bedeutet diese Auseinandersetzung eine Spaltung und damit eine Schwächung von Staat und Gesellschaft und sollte deshalb unterbleiben? Oder ist im Gegenteil die Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit die Voraussetzung für eine bessere und zumal demokratische Zukunft?
Bulgarien ist inzwischen Mitglied der EU und der Nato; Russland dagegen lehnt eine solche Integration ab und hält an seinem solitären Großmachtstatus fest.
Das offizielle Russland betont die Kontinuität seiner Geschichte als Großmacht und lehnt eine grundsätzliche Distanzierung von der sowjetischen Periode ab. Welche Rolle spielen kommunistische Kader und Mentalitäten heute im EU-Mitgliedsstaat Bulgarien?
Die Bundesrepublik Deutschland hat eigene Erfahrungen in der Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit. Die normative Distanzierung vom Nationalsozialismus gehört zu den Grundpfeilern im Selbstverständnis der Bundesrepublik. Ist das auf ehemals kommunistische Gesellschaften übertragbar?
Darüber referieren und diskutieren:


Prof. Gerhard Simon, Osteuropa-Historiker, Universität zu Köln
Dr. Klaus Schrameyer, Botschafter a.D., war als Diplomat in zahlreichen Hauptstädten Osteuropas tätig
Yuri Safoklov, Doktorand im Institut für Ostrecht der Uni Köln

UKB: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und Inhaber des Köln-Passes


Donnerstag, 11. April 2013, 19.00 Uhr

 

Die Ukraine: der steinige Weg nach Europa

Podiumsgespräch mit

 
S.E. Pavlo Klimkin, Botschafter der Ukraine in Deutschland

Moderation: Fritz Pleitgen, Vorsitzender des Lew Kopelew Forums

Podiumsteilnehmer:
Viola von Crammon, MdB, Grüne, Sprecherin für EU Außenbeziehungen
Dr. Andriy Portnov, Historiker, Kiew, z. Z. Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin
Prof. Dr. Gerhard Simon, Osteuropa- Historiker, Universität zu Köln


Die Ukraine beteuert stets, sie gehöre nicht nur historisch zu Europa, sondern sie wolle langfristig Mitglied der EU werden. Andererseits: Das fertig ausgehandelte Assoziationsabkommen liegt auf Eis, weil die EU keine konkreten Schritte des Landes auf dem Weg nach Europa im Bereich der Menschenrechte und des Rechtsstaates sieht. Im Gegenteil: Wahlen werden manipuliert, der Zugang der Opposition zu den Medien ist eingeschränkt. Die ehemalige Ministerpräsidentin Tymoschenko ist in einem politischen Prozess zu einer hohen Haftstrafe verurteilt worden.
Kein Zweifel: die Ukraine und die EU sind auf einander angewiesen. Wie kann die gegenwärtige Blockade überwunden werden? Die Länder der EU wollen und können nicht auf die Beachtung ihrer politischen Werte verzichten. Die Ukraine beharrt auf der Souveränität und verbittet sich Einmischung von außen; darin geht sie mit Russland konform.
Im Podiumsgespräch mit dem neuen Botschafter der Ukraine sollen die Probleme erörtert und Lösungswege ausgelotet werden. Auch die Wirtschafts- und Kulturbeziehungen sind auf längere Sicht auf die Verbesserung der politischen Rahmenbedingungen angewiesen. Das Image der Ukraine in Deutschland wird sich ohne Fortschritte bei den politischen Beziehungen nicht verbessern.

UKB: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und Inhaber des Köln-Passes



Mittwoch, 24. April 2013, 19.00 Uhr
 
Dokumentation

 

Im Schatten des Gulag. Als Deutsche unter Stalin geboren

D 2011


Ein Film von Loretta Walz, Buch: Loretta Walz und Annette Leo, Länge: 90 Min.

Das Gespräch mit der Regisseurin und einem der Filmprotagonisten, Thomas Münz,
moderiert Katharina Heinrich, Journalistin, Osteuropa-Historikerin


„Die Erschießung wurde nicht so durchgeführt, dass er feierlich an die Wand gestellt wurde. Er wurde in die Dusche geführt und ihm wurde ins Genick geschossen“ (Walter Nauschütz)


Jüdische Kommunisten aus Deutschland gehen ins sowjetische Exil, um der nationalsozialistischen Verfolgung zu entgehen. Ihre Kinder gehen mit ihnen oder werden im Exil geboren. Während der stalinistischen Säuberungen werden Mütter oder Väter in Moskau verhaftet, in Lager des Gulag verschleppt oder gar erschossen. Einige Kinder kommen in ein Kinderheim, andere werden nach Sibirien oder Kasachstan deportiert. Viele müssen Zwangsarbeit leisten.
Im Film kommen acht Frauen und Männer zu Wort, die eines miteinander verbindet: Sie verbrachten ihre Kindheit und Jugend in der Sowjetunion, ihre Eltern waren Opfer der stalinistischen Säuberungen und wurden von eigenen Genossen verfolgt oder ermordet.
Erst in den 50er Jahren kommen sie nach Deutschland, sind Fremde in dem Land, das ihre Heimat sein soll – sie sprechen die Sprache nicht, sind als „Russen“ auch nicht sonderlich beliebt in der Zeit nach dem Krieg. Der Teil Deutschlands, in dem sie nun leben – die DDR – wird regiert von Männern, die auch aus dem sowjetischen Exil zurückkehrten, ohne verfolgt worden zu sein, und die viele – auch sehr persönliche – Gründe haben, über die Jahre des stalinistischen Terrors zu schweigen und das Schweigen darüber zu verordnen.
Erst nach 1989 sind die „Kinder des Gulag” bereit zu sprechen. Sie erzählen Geschichten vom Verlassensein, von Gefühlen der Fremdheit und Distanz gegenüber den Eltern, oder aber von symbiotischen Beziehungen, durch die sie bis heute in den kommunistischen Idealen ihrer Eltern leben.
Viele wissen bis heute nicht, was mit ihren Eltern (und mit ihnen) damals wirklich geschah.

UKB: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und Inhaber des Köln-Passes



Veranstaltungstipp

Wiesbaden, 10. - 16. April 2013

 

„Jetzt schlägt‘s 13!“ - goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films

Nervenkitzel, Nonkonformismus, Emanzipation und Utopie: Die 13. Ausgabe von goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films macht Programm unter dem Motto „Jetzt schlägt‘s 13!“. Vom 10. bis 16. April präsentiert das vom Deutschen Filminstitut veranstaltete Festival in Wiesbaden die gesamte Vielfalt des Kinos aus Mittel- und Osteuropa: Es zeigt neben aktuellen Autorenfilmen im Wettbewerb auch Genrekino, führt auf die Spuren der jugoslawischen Schwarzen Welle sowie zum Filmschaffen des ungarischen Regisseurs Miklós Jancsó und beleuchtet die Geschlechterverhältnisse in Mittel- und Osteuropa.

Deutsches Filminstitut – DIF, goEast-Filmfestival, Schaumainkai 41, Frankfurt am Main, http://www.filmfestival-goeast.de/

 

 

Donnerstag, 02. Mai 2013, 19.00 Uhr

 

Die aktuelle Rechtsentwicklung in Russland
Vortrag von
Dr. Anton Burkov, Jekaterinburg

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Ostrecht der Universität zu Köln


Dr. Anton Burkov, Jg. 1976, ist Rechtsanwalt mit Spezialgebiet Menschenrechte. Er hat vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Fälle gegen Russland vertreten und streitet gegenwärtig vor dem russischen Verfassungsgericht über das Wahlgesetz.
1999 absolvierte er die Staatliche Juristische Hochschule im Ural, 2002 war er Stipendiat an der Columbia University, USA; 2004 an der University of Essex, UK. Promoviert hat er 2005 an der Staatlichen Universität in Tumen/Russland und 2009 an der Universität Cambridge.
Heute ist er Leiter des Instituts für Europäisches und Vergleichendes Recht an der Geisteswissenschatlichen Universität in Jekaterinburg, Direktor des Menschenrechtsprogramms „I’ve Got Rights“, Leiter des Russlandbüros von Management Systems International Inc. USA und juristischer Berater der NGO „Sutajnik“/Jekaterinburg. Dr. Burkov ist Autor von zahlreichen Artikeln und Büchern zum europäischen und russischen Menschenrechtsschutz.

Veranstaltung in russischer Sprache mit der Übersetzung von Nadja Simon
Einführung: Prof. Dr. Caroline von Gall, Institut für Ostrecht der Universität zu Köln

Moderation: Maria Birger, LKF-Beirat

Eintritt frei 

 

 

Dienstag, 14. Mai 2013, 19.30 Uhr

 

Kassenhalle der Kreissparkasse Köln, Neumarkt 18

 

Podiumsgespräch

Erfahrungen der Vergangenheit, Herausforderungen der Zukunft

Joschka Fischer im Gespräch mit Fritz Pleitgen

Begrüßung: Alexander Wüerst
Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Köln, stellv. Vorsitzender des LKF

Musikalische Umrahmung: East Affair
Mirek Pyschny
– Perkussion, Fedor Ruskuc – Bass, Jura Wajda – Cimbal, Vitaly Zolotov - Gitarre


Seine politische Karriere war eine der ungewöhnlichsten der Bundesrepublik. In seiner Jugend „Sponti“ und „Straßenkämpfer“ gegen die „herrschenden Verhältnisse“, wurde Joseph Martin Fischer 1985 in Hessen der erste grüne Minister Deutschlands. Von 1998 bis 2005 bekleidete er das Amt des Bundesaußenministers und war zugleich Stellvertreter des Bundeskanzlers. Vom 1. Januar 1999 bis zum 30. Juni 1999 stand er als Präsident dem Rat der Europäischen Union vor.
Seit dem Ende seiner politischen Karriere ist er als freier Publizist sowie als Unternehmensberater tätig.
Seine Meinung ist in aller Welt gefragt: ob es um die Frage des europäischen Föderalismus und den europäischen Einigungsprozess geht, um das Thema Israel und die Rolle der Deutschen im Nahost-Konflikt, um die beiden Weltkriege oder „die Vertreibungen“.
Dies werden Themen sein, über die sich Fritz Pleitgen mit Joschka Fischer unterhalten wird. Im Mittelpunkt des Gesprächs dürften die Eurokrise und die Zukunft der Europäischen Union im Lichte der bevorstehenden Bundestagswahl stehen.


East Affair. Der Name der Band, die Herkunft der Musiker (ein Pole, ein Serbe, ein Tscheche, ein Ukrainer im Wechsel mit einem Deutschen) und das Cimbal als charakteristisches Instrument lassen erkennen, dass der musikalische Schwerpunkt von East Affair in Osteuropa liegt. In ihrer Musik verschmelzen aber auch Elemente aus vielen Teilen der Erde, wie Afrika, Asien, Amerika. East Affair verstehen sich als musikalische Osterweiterung, als eine kulturelle Affäre des neuen Europa.


Eintritt frei mit gesonderter Einladung

 

 

Dienstag, 28. Mai 2013, 19.30 Uhr

 

Literaturhaus Köln, Schönhauserstr. 8, 50968 Köln

 

Russisches Familienfest: Martynowa-Jurjew-Jurjew-Petrow. Teil I

Die Manon Lescaut von Turdej

vorgestellt von Olga Martynova und Daniel Jurjew

Mit freundlicher Unterstützung des Kulturamts der Stadt Köln
Veranstaltungspartner: Literarische Gesellschaft, Literaturhaus Köln, Lew Kopelew Forum

„Die Manon Lescaut von Turdej“ (Weidle Verlag) ist eine Kriegs- und Liebesgeschichte: In einem Lazarettzug, der im kriegsversehrten Land scheinbar ziellos umherfährt, verliebt sich ein Offizier in eine Krankenschwester, seine „Manon Lescaut“. In der Figur des Offiziers spiegelt sich, was von der vorrevolutionären russischen Kultur übrig geblieben war. Es war eine Sensation, als der schmale Band 2006 in Russland erschien – 60 Jahre nach seiner Entstehung wurde erstmals „einer der glänzendsten, wichtigsten und reichhaltigsten Texte der russischen Literatur des Zwanzigsten Jahrhunderts“ (Oleg Jurjew) zugänglich. Geschrieben wurde er 1948 von Wsewolod Petrow, Kunsthistoriker, Abkömmling einer russischen Adelsfamilie, Offizier der Roten Armee. Es blieb seine einzige literarische Arbeit.

 
Das Erscheinen dieser Novelle auf Deutsch ist ein gemeinsames Unternehmen der Schriftsteller- und Übersetzerfamilie Jurjew/Martynova: Sohn Daniel Jurjew hat die Novelle übersetzt, Olga Martynova schrieb einen Stellenkommentar und Oleg Jurjew das Nachwort zu diesem Text, der „in gewissem Sinne ein, wenn nicht der Schlüssel zu einigen Geheimnissen der russischen Kulturgeschichte“ ist. Daniel Jurjew und Olga Martynova stellen „Die Manon Lescaut von Turdej“ im Gespräch mit Ulrike Janssen, Literaturwissenschaftlerin und Hörfunkautorin, vor.

 
Eintritt: 8,00 €/6,00 €/4,00 €


Weitere Termine:

 
Dienstag, 11. Juni, 20.00 Uhr, Der Andere Buchladen, Weyertal 32: Von Tschwirik und Tschwirka. Die Gedichte der Olga Martynowa. Russisches Familienfest Teil II.
Eintritt: 8,00 €/6,00 €

Dienstag, 25. Juni, 19.00 Uhr, Lew Kopelew Forum: Die russische Fracht: Dichter und Kriminelle. Russisches Familienfest TEIL III.

„Die russische Fracht“ (Suhrkamp) ist der jüngste Roman des Lyrikers, Essayisten, Prosaisten und Übersetzers Oleg Jurjew. Für diesen Abend wird Oleg Jurjew – er beherrscht ein großes Repertoire an russischen Seemanns-, Ganoven- und Gulagliedern, das er auf einer 85-jährigen, 7-saitigen Gitarre begleitet – ein Programm aus Liedern und Texten seiner Romane und Essays zusammenstellen, in denen sich Mythisches und Historisches in eigenwilliger, oft satirischer Tonlage verbinden. Sein Sohn Daniel Jurjew wird die Texte lesen.
Eintritt: 5,00 €/2,50 €



Donnerstag, 06. Juni 2013, 19.00 Uhr


Zwischen Laizismus und Klerikalismus?
Ein Gespräch über Religion und Politik in Europa mit:

Prof. David Capitant, Universität Paris 1 Panthéon-Sorbonne
PhDr. Miroslav Kunštát, Karls-Universität Prag
Prof. Stefan Muckel, Universität zu Köln
Prof. Stanisław Obirek, Universität Warschau


In Zusammenarbeit mit dem Institut für Ostrecht der Universität zu Köln,
dem Polnischem Institut Düsseldorf, der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde (DGO) e.V.


Moderation: Dr. Tomasz Milej,
Institut für Ostrecht der Universität zu Köln


Eintritt frei



Montag, 10. Juni 2013, 19.00 Uhr


Wege von der Diktatur in die Demokratie

Erfahrungen eines Europäers aus Prag


Gespräch mit Milan Horáček

Milan Horáček, geb. 1946 in Velké Losiny in der Tschechoslowakei, arbeitete als Elektromonteur, wurde als „politisch unzuverlässig“ eingestuft und verfolgt. Nach der Niederschlagung des „Prager Frühlings“ Flucht in die Bundesrepublik, vielseitig engagiertess Leben in Frankfurt/Main - Gewerkschaftsarbeit, Unterstützung der demokratischen Opposition in der CSSR, Ausbürgerung; Mitgründer der Grünen, von 1981-1983 Stadtverordneter in Frankfurt. 1983-85 Mitglied des Deutschen Bundestages, dann Mitarbeiter der grünen Fraktion. 1990 wurde die Ausbürgerung von Vaclav Havel zurückgenommen. Zurück in Prag, gehörte er zu den Beratern von Vaclav Havel, baute ein Büro der Böll-Stiftung in Prag auf. 2004-2009 war er Mitglied des Europäischen Parlaments. Milan Horáček lebt heute in Prag und ist unterwegs in Europa. Im Gespräch mit Elisabeth Weber (LKF-Beirat) und Frieder Wolf (Leiter des Europabüros beim Kölner OB) wird Milan Horáček erzählen von seinem politischen Leben in verschiedenen Systemen, seinem Einsatz für Menschenrechte und offenem Umgang mit der Vergangenheit, von Erfolgen und Enttäuschungen auf dem Weg zu einem demokratischen Europa.


UKB: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger 


Dienstag, 11. Juni 2013, 20.00 Uhr


Von Tschwirik und Tschwirka
Die Gedichte der Olga Martynowa


Russisches Familienfest Teil II


Ort: Der Andere Buchladen, Weyertal 32

Mit freundlicher Unterstützung des Kulturamts der Stadt Köln Veranstaltungspartner:
Literarische Gesellschaft
Literaturhaus Köln, Lew Kopelew Forum


Nie habe sie unlogischere Gedichte geschrieben als diese, so Olga Martynova: Das Verfahren heißt „Nervenverknüpfung“. Die Gedichte „Von Tschwirik und Tschwirka“ (Droschl) sind Abkömmlinge von Martynovas Roman „Sogar die Papageien überleben uns“. Die Hauptfigur des Romans ist Expertin für die Literatur der Oberiuten, Vertreter der russischen Moderne der 1930er Jahre, zu denen auch Daniil Charms und Alexander Wwedenskij gehörten. Sie hätten, heißt es im Roman, „den Unsinn als Erkenntnismittel gewählt. Sie wollten die absurde Welt verstehen, in der sie zu leben hatten.“ In diese Tradition stellt sich die Lyrikerin Olga Martynova, die 1991 aus Petersburg nach Deutschland kam: „Es wispert, flüstert, scherzt, erörtert und schwatzt in ihren Versen, als wollte sie Seite für Seite das Wort Leonid Lipawskis, eines ihrer Gewährsmänner aus der Petersburger Moderne, einlösen.“ (Beatrice von Matt, NZZ)
Den Roman schrieb Martynova auf Deutsch, ihre Gedichte auf Russisch – und übersetzte sie anschließend mit ihrer Dichterkollegin Elke Erb.
Olga Martynova stellt ihre Gedichte im Gespräch mit Norbert Wehr vor, Herausgeber der Literaturzeitschrift „Schreibheft“.
Die deutschen Übersetzungen liest Olga Martynovas Sohn Daniel Jurjew.


Eintritt: 8,00/6,00 €


ACHTUNG !!!:
Die heutige Veranstaltung fällt heute leider aus,
sie wird auf einen anderen Termin verschoben.
Der neue Termin wird hier zu gegebener Zeit mitgeteilt.


Mittwoch, 19. Juni 2013, 19.00 Uhr


Swetlana Gannuschkina

im Gespräch mit

Elisabeth Weber und Bernhard Clasen (Übersetzung)


Swetlana Gannuschkina wird die aktuelle Situation der Zivilgesellschaft in Russland, insbesondere nach der Verabschiedung des sog. „Agentengesetzes“, schildern, ihre Beweggründe erläutern, warum sie den sog. Menschenrechtsrat beim Präsidenten Putin 2012 verlassen hat und vieles Andere. Swetlana Gannuschkina vertritt die russischen Menschenrechtsorganisationen „Memorial“ und das Komitee „Bürgerbeteiligung“. Sie arbeitet über Probleme der kriegerischen Konflikte in der ehemaligen Sowjetunion. Als Vorsitzende des „Komitees Bürgerbeteiligung“ gilt sie als eine der wichtigsten russischen Flüchtlingsexpertinnen. Mehrfach hat sie Armenien, Aserbeidschan, Georgien, Tschetschenien, Dagestan, Ossetien, Inguschetien und Nordossetien bereist. Frau Gannuschkina erhielt 2003 den Menschenrechtspreis von Amnesty International (Deutsche Sektion) und 2004 den mit 100.000$ dotierten Nansen-Preis des Flüchtlingshilfswerkes der UNO. Mit einem russlandweiten Beratungsnetzwerk hat sie ein regierungsunabhängiges Netzwerk aufgebaut, das Flüchtlingen in ganz Russland Beratung und Unterstützung anbietet. Sie ist eine von 1000 für den Friedensnobelpreis 2005 vorgeschlagenen Frauen. Im LKF hat sie zuletzt über die Situation der Frauen in den kaukasischen Republiken gesprochen.


UKB: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger



Donnerstag, 20. Juni 2013, 19.00 Uhr


Der Kaukasus in der russischen Literatur


Vortrag von Dr. Dieter Boden


Einführung und Moderation: Fritz Pleitgen, Vorsitzender des LKF


Herr Boden war seit 1968 insgesamt 37 Jahre für das Auswärtige Amt tätig, u.a. als Generalkonsul in St. Petersburg und zuletzt als Botschafter und Ständiger Vertreter Deutschlands bei der OSZE in Wien. Wiederholt war er bei internationalen Organisationen eingesetzt, darunter von 1999 bis 2002 als Sondergesandter des UNO-Generalsekretärs und Leiter der Friedensmission UNOMIG in Georgien. Herr Boden ist promovierter Slawist, hat in diesem Fach vielfach publiziert (u.a. „Die Deutschen in der russischen und sowjetischen Literatur“, 1982), war von 2007 bis 2011 Vorsitzender der Deutschen Puschkin-Gesellschaft und hat gegenwärtig einen Lehrauftrag an der Universität Potsdam. Im LKF hat er im Rahmen eines Literaturgesprächs zuletzt über die aktuelle Bedeutung Puschkins in Russland und Deutschland vorgetragen.


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Dienstag, 25. Juni 2013, 19.30 Uhr


Die russische Fracht
Dichter und Kriminelle
Russisches Familienfest TEIL III


„Die russische Fracht“ (Suhrkamp) ist der jüngste Roman des Lyrikers, Essayisten, Prosaisten und Übersetzers Oleg Jurjew


Vor Kriminellen, die ihm nach dem Leben trachten, flieht Weniamin Jasytschnik im Petersburger Hafen auf ein ukrainisches Frachtschiff. Ein Gespensterschiff, wie sich herausstellt, das u. a. Weniamins buntgescheckte Vergangenheit in Gestalt äußerst lebendiger Leichen an Bord hat. Mit von der Partie: ein singender Kapitän und sein Vielvölkerteam, dazu: ein estnischer Grenzer, eine in Polen verlorene russische Priesterbraut, ein deutscher Spion, der durch einen Oligarchen zu Reichtum gekommen ist …


Die abenteuerliche Reise des Weniamin Jasytschnik beginnt. Wohin führt sie? Nach Vineta vielleicht, in die versunkene, märchenhaft glückliche und reiche Stadt in der Ostsee – eine enge Verwandte Petersburgs, wie sich überraschend erweist.. Zar Peter der Große wirkt mit, als „fliegender Holländer“ und Herkules des Nordens zugleich. Und endlich kann sich der nostalgische Held von den Verstrickungen seiner spätsowjetischen Kindheit und Jugend befreien. Für diesen Abend wird Oleg Jurjew – er beherrscht ein großes Repertoire an russischen Seemanns-, Ganoven- und Gulagliedern, das er auf einer 85-jährigen, 7-saitigen Gitarre begleitet – ein Programm aus Liedern und Texten seiner Romane und Essays zusammenstellen, in denen sich Mythisches und Historisches in eigenwilliger, oft satirischer Tonlage verbinden. Sein Sohn Daniel Jurjew wird die Texte lesen.

Moderation: Ulrike Janssen, Literaturwissenschaftlerin und Hörfunkautorin


„Ein von Fantasie sprühendes, freches, sprachmächtiges Buch ist dem in Frankfurt lebenden Petersburger Autor Oleg Jurjew gelungen. ( ... ) Vielleicht ist überhaupt die Sprache der wahre Held dieser „Russischen Fracht“. Eine Sprache, die knistert und sprüht, die anekdoten- und anspielungsreich zwischen Jargon, Idiomatik, Lied- und andern Zitaten der „untergegangenen sowjetischen Zivilisation“ changiert und sich mitunter zu herrlich schönen Lyrismen aufschwingt. In der bravourösen Übersetzung von Elke Erb und Olga Martynova wird sie auch dem deutschen Leser zum schieren Genuss. Ilma Rakusa, Die Zeit


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Donnerstag, 04. Juli 2013, 19.00 Uhr


Russlands literarischer Erfolg 2006!


Eduard Kotschergin
Sechs Jahre sind die Ewigkeit
Aufbau-Verlag, Berlin, März 2013


Übersetzt von Renate Reschke, Thomas Reschke,
Ganna-Maria Braungardt

(Originaltitel: Крещённые крестами)


Das Gespräch mit dem Autor moderiert Cornelia Rabitz,
DW RADIO/DW-WORLD, eh. Leiterin der Kulturredaktion, Mitarbeiterin der russischen Redaktion a.D.

Vorleser: Bernt Hahn, Schauspieler

Russisch-deutsche Verdolmetschung: Nadja Simon


Mit freundlicher Unterstützung des Polnischen Instituts Düsseldorf



Die Odyssee eines Kindes


Geboren im Jahr des großen Terrors 1937, verliert ein dreijähriger Junge seine Eltern – der Vater wird „wegen Kybernetik“ („bürgerliche Wissenschaft“) erschossen, die Mutter Bronisława, eine Polin, „Matka Bronia“, wie der Junge sie nennt, als Spionin für 10 Jahre ins Lager gesperrt. Der Junge wird in ein NKWD-Waisenhaus im sibirischen Omsk verschleppt. Sobald der Krieg zu Ende ist, flieht er mit knapp 8 Jahren aus dem Kinderheim, um in Leningrad seine Mutter wiederzufinden. Die Flucht über Tausende Kilometer, eine ununterbrochene Kette von Gefahren für Leben und Seele eines Kindes, dauert sechs Jahre. Kotschergin zeichnet ein bestürzendes Bild vom zerstörten Land der Sieger des Zweiten Weltkriegs und zeigt menschliche und behördliche Niedertracht, aber auch immer wieder Momente von großer Herzensgüte.


„Direkt und sprachgewaltig.“ Eulenspiegel
„Ein glänzender Schriftsteller.“ Radio Bremen
„Bei Kotschergin spürt man Wahrhaftigkeit, einen stillen Ernst wie Lebendigkeit an Gefühl und Sprache.“ Junge Welt
„Wahrscheinlich die beste Prosa der letzten Jahre.“ Echo von Moskau


Eduard Kotschergin, geboren 1937, floh als Neunjähriger aus einem sibirischen Kinderheim und erreichte nach sechs Jahren Leningrad. Dort studierte er 1956-1960 Zeichnen und Bühnenbild. Er war Bühnenbildner an verschiedenen Theatern sowie Hochschullehrer und gilt als Künstler von internationalem Rang, ausgezeichnet mit zahlreichen Preisen. 2009 erschien beim persona-verlag sein Roman in Erzählungen „Die Engelspuppe“ auf Deutsch. Im März 2013 erschien im Aufbau Verlag „Sechs Jahre sind die Ewigkeit“.


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Donnerstag, 11. Juli 2013, 19.00 Uhr


Filmforum im Museum Ludwig Dokumentarfilm:


Keine Kameraden; D 2012, 68’


Regie: Beate Lehr-Metzger


Ein Dokumentarfilm über das Massensterben sowjetischer Kriegsgefangener im Winter 1941/1942


Filmvorführung in Anwesenheit der Regisseurin.


Beate Lehr-Metzger widmet sich mit „Keine Kameraden“ dem Schicksal sowjetischer Kriegsgefangener, die zur Zwangsarbeit in das Deutsche Reich verschleppt wurden. Durch die Blitzkriegsstrategie des NS-Regimes machte die Wehrmacht in den ersten Monaten nach dem Überfall auf die Sowjetunion rund 3,5 Millionen Kriegsgefangene. Aufgrund von Unterernährung, Unterkühlung, Typhus, Misshandlungen und gezielten Tötungen waren im Februar 1942 rund zwei Millionen von ihnen bereits tot. Der Film zeichnet am Beispiel zweier Kriegsgefangener diese Geschichte nach. Sein Titel geht auf das gleichnamige Buch des Historikers Christian Streit zurück.
Die Regisseurin steht im Anschluss an die Filmvorführung für eine Diskussion zur Verfügung. Mitveranstalter: Friedensforum Köln; Verein Gegen Vergessen – für Demokratie e.V.; NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln, Verein EL-DE-Haus e.V.; Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten Köln, Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft Köln-Wolgograd e.V.


Eintritt: 7,00 Euro, erm. 5,00 Euro



Dienstag, 16. Juli 2013, 19.00 Uhr


Veranstaltung fällt wegen Krankheit des Autors aus und wird zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.


Stasi konkret: Überwachung und Repression in der DDR


Verlag C.H. Beck, München 2013


Buchvorstellung und Gespräch mit dem Autor:


Dr. Ilko Sascha Kowalczuk


Das Gespräch mit dem Autor moderieren:
Dr. Elisabeth Weber u. Prof. Gerhard Simon


Eine lückenlose Überwachung von Post und Telefon, ein Spitzel in jeder Kneipe, die Verstrahlung von Oppositionellen - es gibt nur wenig, was man der Stasi nicht zutraut. Doch was konnten Mielkes Männer wirklich?
Dass sie alles wussten, mithörten und kontrollierten, vermuteten viele Menschen in der DDR. Die Stasi selbst schürte diesen Mythos, um den Anpassungsdruck zu erhöhen. Nach 1989/90 ist das MfS zudem regelrecht dämonisiert worden. Ließ sich die Verantwortung für die SED-Diktatur auf diese Weise doch bequem auf einer einzigen ihrer Säulen abladen. Ilko-Sascha Kowalczuk erzählt in diesem Buch die Geschichte der Stasi, zeigt, wer ihre Gründer waren und hinterfragt manche der scheinbaren Gewissheiten, die sich mit ihrem Bild verbinden. So liefert er etwa gute Argumente dafür, dass die Zahl der IM nur halb so hoch gelegen haben dürfte, wie gemeinhin angenommen, und dass die Intensität der Postkontrolle und der Einfluss im Westen überschätzt werden. Viel zu lange hat sich die Forschung an den Plänen, Begrifflichkeiten und Kategorien des MfS orientiert. Es wird Zeit für eine Geschichte von unten, die fragt, was die Stasi konkret tat. Die DDR wird nicht Stasi-, sondern vollkommen zutreffend SED-Diktatur genannt. Ilko-Sascha Kowalczuk, geboren 1967, hat Geschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin studiert. Seit 1990 ist er Mitglied des Unabhängigen Historiker-Verbandes, 1995-98 war er Mitglied der Enquete-Kommission „Überwindung der Folgen der SED-Diktatur im Prozess der deutschen Einheit“, 1998-2000 Mitarbeiter der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Seit 2001 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Bundesbehörde für die Stasi-Unterlagen (BStU) in der Abteilung Bildung und Forschung, zudem assoziierter Forscher bei der Robert-Havemann-Gesellschaft Berlin. Kowalczuk hat mehrere Bücher und Aufsätze veröffentlicht. Er lebt in Berlin.


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Sommerpause im Lew Kopelew Forum


Die Sommerpause im Lew Kopelew Forum wird vom 18. Juli bis zum 25. August 2013 dauern.
Der Vorstand, der Beirat und die Geschäftsführerin wünschen Ihnen eine erholsame und vor allem sonnige Sommerzeit!


Wir freuen uns darauf, Sie nach der Sommerpause wieder bei uns begrüßen zu können.



Montag, 09.09.2013, 19.00 Uhr


Ort der Veranstaltung: Käthe Kollwitz Museum, Neumarkt-Passage


Buchvorstellung


Alexander S. Puschkin (1799 – 1837) Stationen eines Dichterlebens


Eine literarische Biographie zum Hören von Heike Mund


Neuausgabe, produziert und vorgestellt aus Anlass des 25-jährigen Bestehens der Deutschen Puschkin-Gesellschaft


Sprecher: Bernt Hahn, Gennadi Vengerov

und Walter Gontermann


Moderation: Heike Mund, Buch und Regie des Hörbuchs


Ehrengast: Prof. Rolf-Dietrich Keil, Übersetzer


Eröffnung: Fritz Pleitgen


Das Hörbuch, das von der Künstlerin Elvira Reith gestaltet wurde, stand auf Platz 1 der hr2-Hörbuch-Bestenliste 1999 und wurde zum Hörbuch des Jahres 2000 nominiert. Ein echtes Hör-Buch, das Auge und Ohr erfreut. Gebunden in hochwertiger bibliophiler Ausgabe mit historischen Fotos, Handschriften und Originalzeichnungen von Alexander S. Puschkin. Mit Lyrik, Briefen und Prosa, dazu Musikeinspielungen.


Aus Anlass ihres 25jährigen Bestehens gibt die Deutsche Puschkin-Gesellschaft diese neu gestaltete, völlig überarbeitete und erweiterte Ausgabe des vergriffenen Hörbuchs von 1999 als Jubiläumsausgabe mit 4 CDs heraus.


Im Eintrittsgeld ist die Besichtigung des Käthe Kollwitz Museums inbegriffen.


Eintritt: 7,00 €, ermäßigt 4,00 €

Begrenzte Zahl der Plätze



Mittwoch, 11.09.2013, 19.00 Uhr


Was war der Kommunismus?


Vorstellung des Heftes  5–6 /Mai–Juni 2013 der Zeitschrift osteuropa u.d.T.:


Durchschaut

Der Kommunismus in seiner Epoche


Mit Beitragsautoren:


Dr. Gerhard Koenen, Russland-Historiker, Kommunismus-Forscher

Dr. Manfred Sing, Leibniz-Institut für Europäische Geschichte (IEG) Mainz

Prof. Gerhard Simon, Osteuropa-Historiker, Uni Bonn


Moderation: Dr. Manfred Sapper, Chefredakteur von osteuropa  


Die Geburt des Kommunismus als politische Ordnung ist vom Krieg nicht zu trennen. Das gilt für die Oktoberrevolution und den Ersten Weltkrieg, das gilt für China am Ausgang des Zweiten Weltkriegs wie auch für die kommunistischen Volksrepubliken in Europa, die auf den Bajonetten der siegreichen Sowjetarmee aufgebaut wurden, und das gilt schließlich auch für die kommunistischen Regimes in Afrika, die aus den Entkolonialisierungskriegen hervorgingen. Natürlich ist die Geschichte des Kommunismus nicht nur eine Geschichte des Kriegs, der Besatzung, des Zwangs und der Gewalt. Sie ist auch eine der säkularisierten Heilserwartung, der Überwindung von Armut und Ausbeutung, Elend und Unterdrückung. Die Verheißung von Gerechtigkeit und Freiheit ließ Millionen Menschen zu glühenden Verfechtern der kommunistischen Idee werden. In der Retrospektive wird es immer schwieriger zu verstehen, woraus die kommunistische Idee in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch ihre Attraktivität schöpfte. Sie war so groß, dass die studentische Jugend von Berlin bis Berkeley noch in den späten 1960er Jahren Heldengesänge auf die Schlächter in China oder Kambodscha anstimmte. Woher diese Blindheit für die apokalyptischen Formen der Gewalt und des Terrors stammt, die Geburtsmale der kommunistischen Herrschaft seit der Machtübernahme der Bolschewiki aus dem Geist des Ersten Weltkriegs und des Bürgerkriegs waren, bleibt ein Rätsel. Kommunistische Herrschaft zielte auf die Gesamtheit aller sozialen Beziehungen. Dazu bediente sie sich der Praktiken des Terrors, der immer auch „autoterroristische“ Züge hatte. Säuberungen, Schauprozesse, Hinrichtungen, Millionen Opfer in den eigenen Reihen ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der kommunistischen Regimes. Zum Verständnis dieser Spezifikation hat die Totalitarismustheorie wenig beigetragen. Wir haben gesagt: Der Kommunismus in Europa ist ein abgeschlossenes Kapitel. Doch er wirft lange Schatten. Die Frage „Was war der Kommunismus?“ gewinnt zur Analyse der autoritären Ordnungen im postsowjetischen Raum eine ungeahnte Aktualität.

(Aus dem Editorial von Manfred Sapper und Volker Weichsel)


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Mittwoch, 18.09.2013, 19.00 Uhr 


Regionalwahlen in Russland


Diskussion mit Andrej Busin aus Moskau, Wahlexperte der russischen NGO „GOLOS“ (die Stimme)


Am 8. September fanden in der Russischen Föderation Regionalwahlen statt. Die Wahlen fanden nach einer entsprechenden Gesetzesänderung zum ersten Mal an einem „einheitlichen Wahltag“ gleichzeitig in Hunderten von Städten und Gemeinden - darunter in so wichtigen Zentren wie Moskau, dem Moskauer Gebiet, Jaroslawl oder Woronezh - statt. Die Wahlbeobachtungsorganisation GOLOS, die bereits die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen 2011 und 2012 mit Hunderten von freiwilligen Beobachtern verfolgt hat, hat auch die kommenden Regionalwahlen beobachtet. Die Wahlbeobachtung fand allerdings unter erheblich erschwerten Bedingungen statt, da GOLOS von der Schließung bedroht und als Folge der repressiven Gesetzgebung gegen Nichtregierungsorganisationen inzwischen von jeglicher internationalen Finanzierung abgeschnitten ist.
Andrej Busin ist Wahlexperte von GOLOS. Er hat in Moskau Mathematik studiert und im Rechenzentrum der Russischen Akademie der Wissenschaften gearbeitet. Er unterrichtet an verschiedenen Moskauer Hochschulen und ist in den letzten Jahren Mitglied in einer Reihe von Wahlkommissionen gewesen. Von 1990 bis 1993 war er Stadtverordneter in einem Bezirk im Süden von Moskau. Er ist Autor zahlreicher Bücher und Veröffentlichungen zu Wahlrecht und Wahlsystemen und Autor eines alternativen Wahlgesetzes für die Russische Föderation  


Das Gespräch moderieren: Dr. Elisabeth Weber u. Prof. Gerhard Simon

Dolmetscher: Bernhard Clasen  


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Donnerstag, 26.09.2013, 19.00 Uhr


Buchvorstellung


Herold Belger

Das Haus des Heimatlosen

Roman

Verlag Hans Schiler, 2010


Vorgestellt von der Übersetzerin, Kristiane Lichtenfeld


Moderation: Katharina Heinrich, Journalistin, Osteuropa-Historikerin


„Das Haus des Heimatlosen“ erzählt von einem wenig bekannten Kapitel in der Geschichte der Russlanddeutschen. Kurz nach dem Überfall der Hitler-Truppen auf die Sowjetunion im Juni 1941 gab Stalin den Befehl zur Aussiedlung der Volksdeutschen nach Kasachstan und nach Sibirien. Im September 1941 mussten mehrere Hunderttausende ihre Heimat unter dramatischen Umständen verlassen. Sie wurden über Nacht zu den Transporten getrieben. Man nahm ihnen Besitz und Papiere ab, schickte sie in Arbeitslager und in entlegene Orte der Verbannung. In einer Art Kollektivschuld mussten die Russlanddeutschen für die Gräuel der Nazis büßen. Selbst nach Stalins Tod 1953  lockerten sich die Gesetze nur langsam. Die Menschen durften nicht zurückkehren in die Regionen, in denen ihre Vorfahren teilweise seit dem 18. Jahrhundert gelebt hatten. Viele von ihnen blieben gezwungenermaßen in Kasachstan oder in Sibirien und bauten sich dort ein neues Leben auf. Auch David Ehrlich tut das – einer der drei Protagonisten im Roman von Herold Belger. Mitte der 50er Jahre entscheidet sich David, ein Haus in Kasachstan zu bauen, und damit eine Rückkehr endgültig auszuschließen. Diese bittere, gleichzeitig aber hoffnungsvolle Entscheidung für eine Zukunft in Kasachstan hat dem Buch seinen Titel gegeben.


Der Roman begleitet David ab dem verhängnisvollen Sommer 1941. Eindringlich, in einer genauen, bildreichen Sprache werden seine Verbannung und die erbärmlichen Anfänge in einem kleinen kasachischen Aul (Weiler) geschildert. Als sogenannter „Feldscher“ - angelernter Arzt und Geburtshelfer - ist David bei den einfachen Bauern in der nordkasachischen Steppe dringend gebraucht. Sie verhindern seinen Transport nach Sibirien. Davids Bruder Christian - ein Lehrer und die zweite Hauptfigur des Romans – landet in einem sibirischen Arbeitslager. Als David ihn Jahre später bei sich aufnimmt, ist der jüngere Bruder körperlich und seelisch entkräftet und stirbt mit Anfang 30. Christians Kenntnisse über die Geschichte, über Bräuche und Traditionen der Russlanddeutschen machen ihn zur Symbolfigur für die verschwundene Kultur der Russlanddeutschen. Ihn löst eine neue Generation ab, die sich assimilieren muss, um zu überleben. Es ist Belgers dritte, autobiographisch gezeichnete Hauptfigur Harry - der Schwager Davids - der diese neuen Zeiten und Menschen  verkörpert. Mitte der 50er Jahre gelingt es Harry nach erbittertem Kampf, einen Studienplatz in der damaligen kasachischen Hauptstadt Almaty zu bekommen. Er ist in Kasachstan aufgewachsen, spricht fließend Russisch wie Kasachisch. Dies verbindet ihn mit seinem Schöpfer Herold Belger, der 1934 in Engels (der Hauptstadt der Wolgadeutschen Republik) geboren wurde und seit seinem siebten Lebensjahr in Kasachstan lebt.


Herold Belger, Mitbegründer des kasachischen PEN-Clubs, hat sich einen Namen gemacht als Übersetzer kasachischer Lyrik ins Russische und als großer Kenner seiner zweiten Heimat Kasachstan. Sein auf Russisch verfasster Roman über das große Leid der Russlanddeutschen ist nicht zuletzt auch ein Buch, das sehr liebevoll und  genau die Kultur und Gastfreundschaft der Kasachen beschreibt. Gerade, weil es keine einfachen Schuldzuweisungen in diesem Buch gibt, ist es so glaubwürdig und authentisch.

(Olga Hochweis, Dradio Kultur)


Kristiane Lichtenfeld, geb. 1944, studierte Slawistik in Berlin und Warschau, war Verlagslektorin und –redakteurin für osteuropäische Literaturen und ist seit 1980 freischaffende Literaturübersetzerin. Übersetzungen, hauptsächlich Prosa, aus dem Russischen und Polnischen, nach autodidaktischem Studium des Georgischen ebenso aus dem Georgischen.


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Samstag, 28.09.2013, 17.30 Uhr


Konzert


Ljavon Volski und Pavel Arakelian

aus Belarus


Mitveranstalter: Humanwissenschaftliche Fakultät, Institut für Europäische Musikethnologie der Uni Köln


Ljavon Volski ist die Ikone der unabhängigen belarussischen Musikszene, der sich seit den Achtzigern mit seinen Liedern für die Freiheit und gegen autokratische Systeme einsetzt. Auf dem Konzert in Köln wird der 1965 geborene Musiker akustische Songs aus verschiedenen Schaffensphasen und -perioden vorstellen. Songs von seinen Bands wie Mroya, N.R.M. oder Krambambulya. Lieder aus Projekten wie Narodny Albom oder Belaya Jablynya Hromu, in denen er klassische belarussische Gedichte für die Rockmusik adaptiert hat. Wie auch Stücke aus dem ironisch-kabarettistischen Programm Sauka di Gryschka, in dem er wöchentlich aktuelle politische und gesellschaftliche Entwicklungen in Belarus für den Radiosender „Svaboda“ kommentierte.


Volski arbeitet unter schwierigen politischen Bedingungen. Die Lage der unabhängigen Musikszene in Belarus ist bedrückend. Seit März 2011 kursieren wieder „Schwarze Listen“ in dem Land des Präsidenten Aleksandr Lukaschenko, auf denen dem Regime unliebsame Künstler stehen. Auch Volski steht auf der Liste und kann in seiner Heimat deswegen öffentlich nicht mehr auftreten. Bei dem Konzert wird Volski von dem bekannten belarussischen Saxofonisten Pavel Arakelian unterstützt.


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Montag, 30.09.2013, 19.00 Uhr


Foto: Eva Hehemann © 2013

45. Jahrestag des Einmarsches in die Tschechoslowakei


Film von und Gespräch mit

Sibylle Plogstedt

Moderation: Helga Kirchner, Ex-Chefredakteurin des WDR-Hörfunks


Prag - Das Trauma danach


Der Prager Frühling – ein Highlight in Osteuropa.  Der Sozialismus hätte sich anders entwickeln können, wenn er in Prag kein gewaltsames Ende gefunden hätte.


Sibylle Plogstedt war als Studentin während des Einmarschs der Truppen des Warschauer Pakts dabei. Sie engagierte sich und schloss sich einer tschechoslowakischen Jugendorganisation an, der Bewegung der Revolutionären Jugend. Je mehr die Besatzer sich durchsetzten, desto mehr zählte das, was Plogstedt und die Gruppe taten, als Widerstand: Informationsbroschüren drucken, Flugblätter verteilen, Versammlungen abhalten. Die Gruppe war ein Vorläufer der Charta 77.


Mit insgesamt 14 tschechischen Jugendlichen geriet sie in Haft. Das war Ende 1969. Damals war sie 23 Jahre alt.  Die Urteile lagen zwischen ein und vier Jahren. Sibylle Plogstedt erhielt 2 ½ Jahre.  Im Mai 1971 wurde sie aus der Tschechoslowakei ausgewiesen. Ihren einstigen Partner Petr Uhl konnte sie erst nach der samtenen Revolution wieder sehen.


Haft in Prag-Ruzyne. Hitze im Sommer und im Winter fielen die Heizungen aus. Haftspaziergänge in Zellen unter Maschendraht, die von oben überwacht wurden. Tag für Tag 24 Stunden Haft mit Prostituierten, Betrügerinnen und Sinti.  Haft mit Zellen-IMs, die jeden Satz der Stasi meldeten.  Mitgefangene, die borderline waren und böse Spiele inszenierten.  Haft ohne jede Chance, dem auszuweichen.


Sibylle Plogstedt hielt durch. Dennoch machten ihr die Haftfolgen noch lange danach zu schaffen. Das Trauma nahm nicht ab, je länger es her war, desto mehr wuchs es.


Jahre später machte sich Sibylle Plogstedt auf den Weg nach Prag, um nach den Mitgefangenen zu suchen, die ihr am meisten zugesetzt hatte. Sie wird hier Marta genannt.


Sibylle Plogstedt hat dazu ein Buch verfasst mit dem Titel: „Im Netz der Gedichte“ (Chr. Links Verlag) und 2003 den Film „Was geschah in der Zelle - Auf den Spuren einer politischen Haft“ für den WDR gedreht.


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Samstag, 12.10.2013, 17.00 Uhr


Abend der ukrainischen Literatur


Maria Matios und Andrej Kurkow


im Gespräch mit Maria Klassen, Programmbeirat des LKF

Lesung auf Deutsch: Bernt Hahn


Maria Matios

Darina, die Süße

Haymon Verlag, Innsbruck-Wien 2013 Originalausgabe:

Солодка Даруся, Ukraine 2004, gewürdigt 2005 mit dem Taras-Schewtschenko-Preis


„Ein Roman mit großer emotionaler Kraft, in dem die Geschichte einer Familie die bewegte Geschichte der Bukowina im

20. Jahrhundert in sich trägt. So viel Liebe und Talent hat Maria Matios investiert, dass ihre Darina den Leser weit über die Lektüre hinaus begleitet.“

(Andrej Kurkow)


„Wie Maria Matios die tragische Geschichte der Bukowina im 20. Jh. am Beispiel eines kleinen Dorfes und seiner Bewohner erzählt, das hat ihr in der Ukraine viel Bewunderung, Preise und Leser, aber auch viele Feinde eingebracht.“ (Uli Hufen, WDR 3)


„Man kann dem Roman nur viele Leser wünschen, denn dieser fokussierte Blick auf das kleine bukowinische Dorf und seine Bewohner vermittelt nicht nur etwas über die zerrissene osteuropäische Geschichte, sondern vor allem auch mit großer Spannung erzählt, über die Menschen, die dieser Geschichte ausgeliefert waren.“ (Saarländischer Rundfunk)



Maria Matios ist ukrainische Schriftstellerin und Politikerin. Seit dem 28.10.2012 vertritt sie die „UDAR“-Partei, die Vitali Klitschko mitgegründet hat, im ukrainischen Parlament, der sog. „Werchowna Rada“.


Andrej Kurkow

Der unbeugsame Papagei

Haymon Verlag, Innsbruck-Wien 2013


Nach dem hoch gelobten Roman „Der wahrhaftige Volkskontrolleur“ widmet sich Andrej Kurkow im zweiten Teil der Trilogie, der auf Deutsch gerade u.d.T. „Der unbeugsame Papagei“ erschienen ist,  vor allem der sowjetischen Mentalität und entwirft wieder ein buntes Panorama alltäglicher Absurditäten in seinem fantastischen Sowjetland: abenteuerlich, berührend, hinreißend. Auf so ironische wie fantastische Weise schildert er das System der Planwirtschaft, wo kaum etwas nach Plan verläuft. Der Volkskontrolleur Pawel Dobrynin verkörpert die russische Seele selbst; das Chaos kann er gar nicht abschaffen, denn das Leben funkt sowieso dazwischen, und alles wird immer verwickelter: Der Gedichte vortragende Papagei Kusma verplappert sich plötzlich, mit fatalen Folgen für die Menschen, und der Schuldirektor glaubt, dass Lenin noch am Leben sei und möchte mit dem Führer der Revolution persönlich reden ....

„Es war einmal ein Schriftsteller, der konnte Geschichten schreiben, so leicht und traurig wie das Leben selbst. Andrej Kurkow ist ein Meister klug komponierter Romane mit viel hintergründiger Komik“ (Kölnische Rundschau)

Andrej Kurkov, Schriftsteller, Drehbuchautor, Kameramann und Zeitungsredakteur lebt als freier Schriftsteller in Kiew und arbeitet auch für Radio und Fernsehen. Sein Roman „Picknick auf dem Eis“ ist ein Welterfolg.  Er ist Mitglied im Ukrainischen PEN-Klub.


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Montag, 14. Oktober 2013, 20.00 Uhr


Ort: Schauspiel im Carlswerk, Schanzenstraße 6-20


Tausend Stimmen


Ein Abend mit Swetlana Alexijewitsch, der Friedenspreisträgerin des Deutschen Buchhandels 2013


„Aus tausend Stimmen, Episoden unseres Alltags und Daseins, aus Worten und aus dem, was sich hinter ihnen und zwischen den Zeilen verbirgt, setzte ich zusammen – nein, nicht eine Realität (denn die Realität ist unerkennbar), sondern eine Vorstellung, ein Bild“, beschreibt Swetlana Alexijewitsch, die diesjährige Friedenspreisträgerin des Deutschen Buchhandels, ihre literarische Arbeit. „Secondhand-Zeit. Leben auf den Trümmern des Sozialismus“ (Hanser Berlin) lautet der Titel ihres neuen Buches. Die aus Belarus stammende Autorin versammelt darin Stimmen von Menschen, die über ihre unerfüllten Hoffnungen auf Freiheit nach dem Auseinanderbrechen der Sowjetunion sprechen. Nach 16 Jahren im Exil lebt sie heute wieder in Belarus, trotz der Repressionen, denen sie ausgesetzt ist. In ihren Reportagen und Essays entwickelt sie ihren ganz eigenen literarischen Stil: Sie führt zahlreiche Interviews und verdichtet diese zu emotionalen Collagen des täglichen Lebens.


Im Gespräch mit Elisabeth von Thadden, Redakteurin der Wochenzeitung DIE ZEIT, gibt Swetlana Alexijewitsch Auskunft über ihr Leben und ihre literarische und journalistische Arbeit.


Veranstaltungspartner: Literaturhaus Köln, Deutsche Bank, WDR3, Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Schauspiel Köln


WDR3 sendet eine Aufzeichnung der Veranstaltung am 17. Oktober 2013 um 23.05


Eintritt: 12,00 € / 7,00 €; VVK Schauspiel Köln ab 5.9.2013 Tel.: 0221-22128400



Die am 16.07. d.J. wegen Krankheit des Autors ausgefallene Veranstaltung findet nun statt am


Donnerstag, 17. Oktober 2013, 19.00 Uhr


Stasi konkret: Überwachung und Repression in der DDR


Verlag C.H. Beck, München 2013


Buchvorstellung und Gespräch mit dem Autor:


Dr. Ilko Sascha Kowalczuk


Das Gespräch mit dem Autor moderieren:
Dr. Elisabeth Weber u. Prof. Gerhard Simon


Eine lückenlose Überwachung von Post und Telefon, ein Spitzel in jeder Kneipe, die Verstrahlung von Oppositionellen - es gibt nur wenig, was man der Stasi nicht zutraut. Doch was konnten Mielkes Männer wirklich?
Dass sie alles wussten, mithörten und kontrollierten, vermuteten viele Menschen in der DDR. Die Stasi selbst schürte diesen Mythos, um den Anpassungsdruck zu erhöhen. Nach 1989/90 ist das MfS zudem regelrecht dämonisiert worden. Ließ sich die Verantwortung für die SED-Diktatur auf diese Weise doch bequem auf einer einzigen ihrer Säulen abladen. Ilko-Sascha Kowalczuk erzählt in diesem Buch die Geschichte der Stasi, zeigt, wer ihre Gründer waren und hinterfragt manche der scheinbaren Gewissheiten, die sich mit ihrem Bild verbinden. So liefert er etwa gute Argumente dafür, dass die Zahl der IM nur halb so hoch gelegen haben dürfte, wie gemeinhin angenommen, und dass die Intensität der Postkontrolle und der Einfluss im Westen überschätzt werden. Viel zu lange hat sich die Forschung an den Plänen, Begrifflichkeiten und Kategorien des MfS orientiert. Es wird Zeit für eine Geschichte von unten, die fragt, was die Stasi konkret tat. Die DDR wird nicht Stasi-, sondern vollkommen zutreffend SED-Diktatur genannt. Ilko-Sascha Kowalczuk, geboren 1967, hat Geschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin studiert. Seit 1990 ist er Mitglied des Unabhängigen Historiker-Verbandes, 1995-98 war er Mitglied der Enquete-Kommission „Überwindung der Folgen der SED-Diktatur im Prozess der deutschen Einheit“, 1998-2000 Mitarbeiter der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Seit 2001 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Bundesbehörde für die Stasi-Unterlagen (BStU) in der Abteilung Bildung und Forschung, zudem assoziierter Forscher bei der Robert-Havemann-Gesellschaft Berlin. Kowalczuk hat mehrere Bücher und Aufsätze veröffentlicht. Er lebt in Berlin.


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Montag, 28. Oktober 2013, 19.00 Uhr


Podiumsgespräch in der Reihe Geschichtspolitik


Holodomor-Denkmal in Kiew

„Die Vergangenheit ist nicht tot,

sie ist noch nicht einmal vergangen.“

(William Faulkner)


Geschichte und Politik in der Ukraine


Die Auseinandersetzung mit der kommunistischen Vergangenheit in der Ukraine – ein Weg zur Demokratie?


Die neue Ukraine ist ein junger Staat. Er sucht seinen Weg nicht nur in die Zukunft, sondern auch in die Vergangenheit. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Konfrontation mit der kommunistischen Vergangenheit. Kann die Distanzierung von der kommunistischen Vergangenheit den Weg in eine demokratische Zukunft erleichtern? Findet eine solche Vergangenheitsbewältigung überhaupt statt?


Einerseits ist die Ukraine ebenso wie Russland mit dem sowjetischen Erbe konfrontiert, andererseits unterscheidet sich die ukrainische Geschichte in sowjetischer Zeit deutlich von der Russlands. Zu den Gemeinsamkeiten gehört die blutige Kriegserfahrung 1941 bis 1945. Aber schon der Name dieses Krieges ist in der Ukraine umstritten: War es der Große Vaterländische Krieg, oder der Zweite Weltkrieg, der für die westliche Ukraine am 1. September 1939 und nicht am 22. Juni 1941 begann? Wurde der Krieg geführt als sowjetischer  Befreiungskrieg von den deutschen Aggressoren oder als ukrainischer Befreiungskrieg sowohl von den deutschen als auch von den sowjetrussischen Okkupanten? Die westliche Ukraine mit Galizien war erst 1939 der Sowjetukraine zugeschlagen worden. Hier war das Zentrum des politischen und militärischen ukrainischen Widerstands. War das eine faschistische Bewegung, wie die sowjetische Tradition bis heute behauptet, oder die Geburtsstätte einer unabhängigen, demokratischen Ukraine, auf die sich die nationalukrainische Tradition heute beruft?


Die Verwüstungen des Stalinismus hatten schon vor dem Krieg tiefe Spuren in der Ukraine hinterlassen. Die Große Hungersnot (Holodomor) 1932/33 forderte 3 bis 4 Millionen Hungertote. Die national orientierte Geschichtspolitik sieht im Holodomor einen Akt des Genozids am ukrainischen Volk. Das Gedenken daran ist zugleich die Distanzierung von der Gewaltherrschaft Stalins. Über diese Fragen des gespaltenen Geschichtsverständnisses in der Ukraine referieren und diskutieren die Historiker


Dr. Andrij Portnov, Historiker, Kiew, z.Z. fellow am Wissenschaftskolleg in Berlin

Prof. Dr. Gerhard Simon, Osteuropa-Historiker, Universität zu Köln

Moderation: Robert Baag, Journalist, Deutschlandfunk-Redaktion „Hintergrund“,

war mehrere Jahre in Moskau für den DLF als Korrespondent tätig.


UKB: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger



Mittwoch, 30. Oktober 2013, 19.00 Uhr


Der Eiserne Vorhang

Die Unterdrückung Osteuropas 1944-1956


Die Autorin, die amerikanische Osteuropa-Historikerin Anne Applebaum

im Gespräch mit Fritz Pleitgen


Veranstaltung in englischer Sprache mit simultaner Übersetzung von Heike Buerschaper, Köln


Anne Applebaum „Der Eiserne Vorhang. Die Unterdrückung Osteuropas 1944-1956“,

Siedler Verlag, München 2013

Erscheinungstag: 15. September 2013 Originalausgabe: Iron Curtain. The Crushing Eastern Europe 1944 - 1956, New York 2012


Veranstaltungspartner: Heinrich Böll Stiftung Köln, Polnisches Institut Düsseldorf


In ihrem neuen, hochgelobten Buch erzählt Anne Applebaum, wie Osteuropa nach 1945 hinter dem Eisernen Vorhang verschwand, wobei sie sich vor allem auf die Fallbeispiele Polen, Ungarn und Ostdeutschland konzentriert. Auf der Basis umfangreicher Archivrecherchen und Gesprächen mit zahlreichen Zeitzeugen zeigt sie eindrucksvoll, wie systematisch und brutal sowjetische Truppen und einheimische Kommunisten in den Ländern Osteuropas stalinistische Diktaturen errichteten und was dies für die Menschen dort bedeutete.


Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs mussten die Bewohner Osteuropas erkennen, dass sie mit der Ankunft sowjetischer Truppen unter eine neue Form totalitärer Herrschaft geraten waren. Hinter der Linie, die bald „Eiserner Vorhang“ hieß, wurden die Staaten Osteuropas gewaltsam in sozialistische Gesellschaften verwandelt. Dabei veränderte der Kommunismus nicht nur die Wirtschaft und die Politik, sondern drang in alle Bereiche des Lebens vor. In ihrem neuen Buch zeigt Anne Applebaum, wie dieser Prozess der Unterdrückung vonstatten ging und wie der Totalitarismus das Alltagsleben von Millionen von Europäern prägte.


Anne Applebaum (* 1964 in Washington, D.C.) ist eine US-amerikanische Historikerin und Journalistin und die Ehefrau des polnischen Außenministers Radosław Sikorski. Ihre Arbeiten über die Geschichte Osteuropas und des Kommunismus wurden mehrfach ausgezeichnet. Sie studierte Geschichte und Literatur an der Yale Universität und Internationale Beziehungen an der London School of Economics. Ihre journalistische Arbeit begann sie 1988 als Korrespondentin des „Economist“ in Warschau. Von 2002 bis 2006 war Anne Applebaum Mitglied des Redaktionsausschusses der Washington Post. Ihr Buch „Gulag“ wurde 2004 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. 2012 stellte sie den Antrag auf die polnische Staatsangehörigkeit.


UKB: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger



Donnerstag, 07. November 2013, 19.00 Uhr


Podiumsgespräch


Foto: Caspari

Die baltischen Staaten - 1989


Erwartungen und Hoffnungen, und was ist daraus geworden…?


Podiumsgespräch mit Andrejs Urdze


2011 hat man in Estland den Euro eingeführt, zum 1. Januar 2014 wird Lettland in den Euro-Raum aufgenommen, 2015 soll schließlich Litauen, das derzeit die Ratspräsidentschaft der EU inne hat, folgen. Damit scheinen die baltischen Staaten endgültig im Westen angekommen zu sein.





Andrejs Urdze war von 1990 bis 1992 bevollmächtigter Vertreter Lettlands in der Bundesrepublik Deutschland und hat als solcher in Deutschland mitgewirkt am Prozess der Wiedererlangung der Unabhängigkeit der baltischen Staaten. Bis 2013 war er Leiter der baltischen Tagungsstätte „Haus Annaberg“ in Bonn und ist Autor vieler Artikel über die Entwicklung in den baltischen Staaten.


Andrejs Urdze wird aus einer persönlichen Sicht berichten über die Anfänge der Demokratie- und Unabhängigkeitsbewegung, die damit verknüpften Erwartungen und Hoffnungen und die reale Entwicklung nach der Loslösung aus der Sowjetunion und der Anbindungan die westlichen Institutionen, über Erfolgsgeschichten und Missstände, über mehr als erfüllte Hoffnungen und große Enttäuschungen sowohl auf gesamtgesellschaftlicher, staatlicher, als auch auf individueller, menschlicher Ebene.


Das Gespräch wird moderiert von Dr. Elisabeth Weber und Prof. Gerhard Simon.


UKB: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger



Samstag, 23. November 2013


Podiumsgespräche anlässlich der Verleihung des Lew Kopelew Preises für Frieden und Menschenrechte 2013 an Vertreter der Zivilgesellschaft in Syrien


Medienpartner: „Kölner Stadtanzeiger“


14.00 Uhr


Der Bürgerkrieg in Syrien und die internationale Politik mit


Kristin Helberg – Publizistin, langjährige Syrien-Korrespondentin

Jörg Armbruster – bis Ende 2012 Korrespondent der ARD für Nahen und Mittleren Osten Daniel Gerlach – Mitherausgeber des Magazins „Zenith – Zeitschrift für den Orient“, Spezialist für Aleviten und Schiiten

Michael Lüders – Nahostexperte mit profunden Kenntnissen der Region

Christoph Reuter– SPIEGEL-Korrespondent im Nahen Osten, erlebt regelmäßig die Realität in den von Rebellen kontrollierten Landesteilen


Moderation: Fritz Pleitgen  


17.00 Uhr


Der Bürgerkrieg in Syrien und die Folgen für die Menschen mit


Ghiath Bilal – 2. Vorsitzender vom Syrien Center for Statistics and Research

Wenzel Michalski – Direktor von „Human Rights Watch“

Rupert Neudeck – Gründer von „Cap Anamur“, Vorsitzender der „Grünhelme“

Christoph Reuter – SPIEGEL-Korrespondent im Nahen Osten, erlebt regelmäßig die Realität in den von Rebellen kontrollierten Landesteilen

Osman al Šaqaqy – Mitbegründer der Hilfsorganisation LIEN e.V., organisiert u.a. Veranstaltungen von „Clowns Ohne Grenzen“ in den Flüchtlingscamps


Moderation: Michael Hesse, politischer Redakteur des Kölner Stadtanzeiger


UKB jeweils: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten undALG-II-Empfänger


ACHTUNG: Um Anmeldung wird gebeten unter: info@kopelew-forum.de oder telefonisch unter 0221 257 67 67. Begrenzte Zahl der Plätze.



Sonntag, 24. November 2013, 11.00 Uhr


Kassenhalle der Kreissparkasse Köln, Neumarkt 18


Verleihung des Lew Kopelew Preises für Frieden und Menschenrechte 2013
an Vertreter der Zivilgesellschaft in Syrien,


eine Friedensaktivistin und zwei Ärzte,


Suaad El Tayeb

Dr. Abdulkader

Dr. Ammar Zakaria


Preisbegründung: Fritz Pleitgen

Laudatio: Jean Asselborn, Außenminister und stellv. Premierminister des Großherzogtums Luxemburg. Luxemburg ist gegenwärtig Mitglied des UN-Weltsicherheitsrates.


Musikalische Umrahmung: Romel Ayoub und sein Ensemble


Die diesjährigen Preisträger stehen wie Lew Kopelew für den „bürgerlichen Humanismus“, für Handeln, Mut und Menschlichkeit unter widrigsten Umständen – auch und speziell in Zeiten des Krieges.


Seit mehr als zwei Jahren leidet die syrische Bevölkerung unter den Schrecken eines brutalen Krieges. Die gewaltsame Niederschlagung der im März 2011 ausgebrochenen friedlichen Proteste durch das Assad-Regime führte zu einer Bewaffnung der Opposition, zu anhaltenden Kämpfen in weiten Teilen des Landes und zu einer Radikalisierung beteiligter Gruppen. Meldungen über Massaker an Frauen und Kindern, Entführungen, Bombardierungen von Wohnvierteln, Angriffe auf Untergrundkliniken und Bäckereien sowie den Einsatz von Streubomben, Scud-Raketen und Giftgas bieten Grund zur Annahme, jegliche Menschlichkeit sei dem Krieg zum Opfer gefallen.


Einzelne Menschen und Gruppierungen organisieren und koordinieren jedoch humanitäre Aufgaben vor Ort. Sie leisten unter widrigsten Umständen medizinische Hilfe, schmuggeln Lebensmittel und Medikamente zu Bedürftigen und tragen Beweise zusammen, um Verbrechen gegen die Menschlichkeit bekannt zu machen und anzuklagen.


Mit dem Lew Kopelew-Preis für Frieden und Menschenrechte 2013 sollen eine Friedensaktivistin der ersten Stunde und zwei Ärzte ausgezeichnet werden, die für all ihre Gleichgesinnten und Mitstreiter stehen und damit an all jene erinnern, die den Kampf für Gerechtigkeit, Demokratie und Menschenrechte in Syrien mit dem Leben bezahlten.


„Heute müsste es bereits allen eindeutig klar sein, dass der Friede auf dieser Welt nur dann wirklich erhalten bleibt, wenn auch die Menschenrechte gesichert werden - die Rechte der kleinsten nationalen und sozialen Minderheiten und die Rechte jedes einzelnen Menschen.“ (Lew Kopelew, Im Willen zur Wahrheit, 1984)

Geschlossene Veranstaltung mit gesonderter Einladung



Donnerstag, 28. November 2013, 19.00 Uhr


Podiumsdiskussion


Russland zwischen Konsens und Krise


Ein Gespräch über die neue Protestkultur mit


Mischa Gabowitsch, Autor des Buches „Putin kaputt !?“


Grigorij Ochotin, Journalist, Mitbegründer der Moskauer NGO „OvdInfo“


Moderation: Maria Birger, Zeithistorikerin, LKF-Beirat

Dolmetscher: Bernhard Clasen


Russlands politische Kultur befindet sich in einem Umbruch. Noch vor zwei Jahren hat niemand damit gerechnet, dass in ganz Russland Menschen auf die Straße gehen, um friedlich gegen Wahlbetrug zu protestieren. Wie verlief die Protestbewegung bis jetzt? Warum ist aus den Demonstrationen keine neue politische Kraft hervorgegangen? Und wie geht es nun weiter, nachdem die Machthaber ein restriktives Gesetzt nach dem Nächsten erlassen? Diese Fragen diskutieren:


Mischa Gabowitsch, Jg. 1977, Soziologe und Autor des zentralen Buches "Putin kaputt!?" zur neuen russischen Protestkultur.


Grigorij Ochotin, Jg. 1982, ist Journalist und Begründer der NGO OvdInfo. Die NGO betreibt seit Beginn der neuen Protestbewegung in Moskau ein Monitoring für Menschenrechts- und Bürgerrechtsverletzungen.


UKB: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger



Montag, 09. Dezember 2013, 19.00 Uhr


Buchvorstellung


Erlebte Weltgeschichte

Prag, Polen,Moskau, Ungarn,

Rumänien 1968-2013

Donat-Verlag, Oktober 2013


Der Autor Christian Schmidt-Häuer

im Gespräch mit Fritz Pleitgen


Christian Schmidt-Häuer, geb. 1938 in Hannover, gehörte über Jahrzehnte zu denführenden Osteuropa-Experten in der Publizistik. Seine erste größere Reportageschrieb er 1961 über den Bau der Berliner Mauer. 1968/69 berichtete er alsSPIEGEL-Korrespondent vom Prager Frühling und der sowjetischen Okkupation.


Aufdem Balkan erlebte er als ARD-Hörfunk-Korrespondent und ZEIT-Autor die letztenJahre unter Jugoslawiens Marschall Tito, in Polen die Geburt der Solidarnoscauf der Danziger Lenin-Werft und die Verhängung des Kriegsrechts. Für sein Porträt des Arbeiterführers Lech Walesa in der ZEIT erhielt er 1983 den Theodor-Wolff-Preis.


Insgesamt zwölf Jahre beschrieb undkommentierte Schmidt-Häuer als Moskau-Korrespondent den Niedergang der UdSSR, die Reformversuche Gorbatschows und den Untergang des Sowjetimperiums. Von den russischen Kriegsfronten in Afghanistan und Tschetschenien berichtete er ebenso wie aus dem Kosovo-Krieg und vom Jugoslawien-Tribunal aus Den Haag. In Peking wurde er 1989 zum Zeugen der Demonstrationen auf dem Platz des Himmlischen Friedens. In den vergangenen Jahren führten den ZEIT-Autor Reportage-Reisen vor allem nach Korea und Lateinamerika. Zu seinen Buch-Veröffentlichungen gehört die seinerzeit weltweit erste Biografie über Michail Gorbatschow, die in mehreren Sprachen und vielen Ländern erschien. 


UKB: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger


Montag, 16. Dezember 2013, 19.00 Uhr


Aktuell - Ukraine


Bild: Reuters

Ukraine - Orange Revolution 2.0 ?


Die plötzliche Absage der ukrainischen Regierung, das seit langem fertige Assoziierungsabkommen mit der EU zu unterschreiben, hat eine Welle des Massenprotestes in der Ukraine ausgelöst, die wieder einmal für alle unerwartet kam.


Am 1. Dezember gingen in Kiew und anderen Städten Hunderttausende auf die Straßen, um für die Integration der Ukraine in die EU zu demonstrieren. Der Euro Maidan war geboren. Wie konnte es dahin kommen? Was folgt aus dem Euro Maidan für die Zukunft der Beziehungen EU - Ukraine? Jetzt richten sich die Proteste der Menschen in der Ukraine gegen die eigene Regierung. Was muss geschehen, damit es nicht zu einer Enttäuschung der Ukrainer von Europa kommt?


Wie immer ist die Ukraine auch diesmal nicht einig mit sich selbst. So hat das Regionalparlament der Krim den Präsidenten aufgefordert, den Ausnahmezustand auszurufen und die Demos zu verbieten. Droht eine Spaltung des Landes, vor der die Politikerin Inna Bogoslovska warnt, die unter Protest aus der Regierungsfraktion im Parlament ausgetreten ist?


Dazu referieren und diskutieren:


Katerina Malygina, wiss. Mitarbeiterin der Forschungsstelle Osteuropa Uni Bremen; Ukraine-Analysen

Prof. Dr. Gerhard Simon, Osteuropa-Historiker, Universität zu Köln

Moderation: Robert Baag, Redakteur, Deutschlandfunk, Abt. „Hintergrund“


UKB: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger

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