„Toleranz, Moral, Menschlichkeit –

die Ideale und Träume  der deutschen und russischen

Aufklärer sind keine wirklichkeitsfremden Utopien.


Sie sind Wegweiser für unsere Gegenwart und Zukunft."


Lew Kopelew





Unsere nächste Veranstaltung

Donnerstag, 04. Mai 2017, 19:00 Uhr

Vortrag und Diskussion


Vortrag von und Diskussion mit


Prof. Dr. Carl Bethke

Migrationen und Zwangsmigrationen aus und in Ost- und Südosteuropa
von den Balkankriegen bis zur Gegenwart

Moderation: Tobias Flessenkämper, Geschäftsführer der Südosteuropagesellschaft, Zweigstelle Köln




Eine Veranstaltung der Südosteuropa-Gesellschaft e.V. Zweigstelle Köln und des Lew Kopelew Forums e.V.

Politische Umwälzungen und Herrschaftswechsel haben im 20. Jahrhundert auch und gerade in Südosteuropa Millionen Menschen zu Flüchtlingen und Vertriebenen gemacht. Durch staatlich geplante „Aus- und Umsiedlungen“, bzw. Ausweisungen und Deportationen, erhielten Städte und ganze Landschaften, wie etwa im Norden Griechenlands, im Osten Bosniens, oder in der Vojvodina ein neues Gesicht. Obwohl die meisten dieser Ereignisse und Prozesse mit erheblicher oder außerordentlicher Gewaltanwendung (auch „von unten“) verbunden waren, erblickte man in der „Entmischung“ gleichwohl ein Mittel zur Entschärfung künftiger ethnischer Konflikte, und suchte diese gar zur sozialen Steuerung und Umverteilung zu nutzen. Erst der Dayton-Vertrag von 1995 setzte sich demgegenüber erstmals das Ziel, eine Rückkehrmöglichkeit für alle Flüchtlinge durchzusetzen.

Der Vortrag bietet einen Überblick über diese Ereignisse und Entwicklungen, einschließlich eines Ausblicks auf Südosteuropa als Flucht-Route ("Balkan-Route").

Carl Bethke ist Junior-Professor für Südosteuropäische Geschichte an der Eberhard-Karls Universität Tübingen. Der Lehrstuhl wird gefördert von der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien (BKM).

UKB: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger


Ausstellung


25.04.2017 – 19.05.2017

Die Deutschen in St. Petersburg

Kultur, Wissenschaft und Politik im Herzen Russlands (17. bis 20. Jh.)

Eröffnung: Fritz Pleitgen

Einführung: Lilia Lawruk, Leiterin der Integrationsagentur in Mettmann beim Integration-Kulturzentrum e.V. im Kreis Mettmannin

Dauer der Ausstellung: 25.04.2017 – 19.05.2017
Öffnungszeiten: di – do.: 12.00 -18.00 Uhr, fr.: 12.00 – 17.00 Uhr sowie während der Veranstaltungen u. nach Vereinbarungen


Die Ausstellung ist eine Gemeinschaftsproduktion des Integration-Kulturzentrum (IZK) e.V. im Kreis Mettmann und des Deutsch-Russischen Begegnungszentrums an der lutherischen Petrikirche Sankt Petersburgs. Die Ausstellung ist 2011 im Auftrag des BMI entstanden. Sie besteht aus 22 Tafeln, ist zweisprachig – deutsch und russisch – und thematisch nach Bereichen geordnet, die von Medizin (Ärzte und Apotheken) über das Bildungswesen, Kirchen, Vereine, Deutsche in Verwaltung und Politik, Deutsche im Militär etc. reichen. Sie ist mit vielen Bilder, Grafiken und Karten versehen.

Die Gründung der lutherischen Gemeinde in Sankt Peterburg fällt beinahe mit der Gründung der Zarenstadt zusammen. Zar Peter II. schenkte der Gemeinde ein Grundstück auf dem heutigen Newskij Prospekt. Im Jahr 1728 begann der Bau der lutherischen Steinkirche. Die Kirche konnte nach nur zweijähriger Bauzeit am 14./25. Juni eingeweiht, der Innenausbau nach 8 Jahren fertiggestellt werden.

1833 wurde das alte Kirchengebäude abgerissen und innerhalb von nur fünf Jahren die neue St. Petrikirche errichtet. Die unmittelbare Bauleitung übernahm der deutsche Architekt Georg Zollikofer. Nach der Einweihung am Reformationstag 1838 fanden 3000 Menschen in der Kirche Platz.

Unter der Regierung der Sowjetmacht wurde die Kirche 1938 geschlossen. Im Jahr 1955 wurde im Stadtrat entschieden, dass die Kirche in ein Schwimmbad umgebaut werden soll, welches 1963 eröffnet wurde.

Nach dem Ende der Sowjetunion wurde das Gebäude wieder an die lutherische Kirche zurückgegeben. Das renovierte Gotteshaus steht seinen Gläubigen nun offen. Das Becken des Schwimmbades kann man sich auch heute noch ansehen. Unter dem Platz, wo ehemals der Sprungturm stand, befindet sich der Chorraum mit einem kleinen Andachtsraum.

Heute ist die 350 Mitglieder umfassende Petrigemeinde wieder lebendig und aktiv. Viele der Gemeindemitglieder sind Deutsche aus anderen Teilen der ehemaligen Sowjetunion: Russlanddeutsche, die nach 1990 vor allem aus Kasachstan und Sibirien nach Sankt Petersburg kamen.

Der Kellerraum der Schwimmbadkirche, zur gleichen Zeit auch der Kathedrale der evangelisch-lutherischen Kirche Russlands (ELK) als Zeuge und Symbol der Enteignung des Gebetshauses, ist ein deutliches Zeichen der Unterdrückung und des Glaubensschicksals in der atheistischen Sowjetzeit im Russland des 20. Jahrhunderts geworden und dient als Gedenkstätte an Opfer der Vertreibung, Repressionen und Kriege.

Eintritt frei


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