Aktuelle Veranstaltungen

Donnerstag, 06. Oktober 2016, 19.00 Uhr

Parlamentswahlen in Belarus
Kommentare und Analysen


Der belarussische Weg von der Demokratie zum Autoritarismus

mit Olga Aleszko, Bonn, Politologin - Internationale Beziehungen

Gesprächsführung: Prof. Gerhard Simon

Eine Veranstaltung in russischer und deutscher Sprache. Übersetzung:

Nadja Simon

Das Parlament dient im heutigen Belarus nur als Dekoration für das nichtdemokratische System.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde Belarus als eine unabhängige Republik gegründet. Im Jahr 1994 fand die erste und letzte demokratische Präsidentschaftswahl statt. Warum waren demokratische Institutionen nach westlichem Muster in Belarus untätig, als sie diskreditiert und zerstört wurden und die belarussische Gesellschaft, die für Demokratie nicht reif genug war, unweigerlich den Autoritarismus gewählt hat?

Im Gespräch mit Prof. Gerhard Simon wird Olga Aleszko versuchen, auf diese und andere Fragen Antworten oder Erklärungen zu geben.

Olga Aleszko ist eine im belarussischen Wolkowysk (in der Nähe von Grodno) geborene unabhängige Analytikerin und Bloggerin, die über osteuropäische Themen schreibt. Zu ihrem Spezialgebiet gehören: Demokratisierungsprozesse, Anti-Korruption, Reformen und sozioökonomische Entwicklungen in Mittel-Osteuropäischen Ländern. Sie hat Artikeln bei International Centre for Trade and Sustainable Development (ICTSD) in Genf und im VoxUkraine veröffentlicht. Ihr eigener Blog trägt den Titel: „Letters from Eastern Europe - 100 words about politics“; regelmäßig nimmt sie an verschiedenen Seminaren und Workshops zu Problemen in der Region teil. Z.Z. ist sie Autorin bei „Eastbook“ – einer Medienplattform für Mittelosteuropa-Themen, sowie eine von zwei Initiatorinnen des Projektes „Der Bialowieza-Urwald – das Naturerbe Europas“. Olga Aleszko hat zwei Mastertitel erworben: in Internationalen Beziehungen und Europäistik an der Adam Mickiewicz Universität in Posen/Polen und am Centre international de formation européenne – CIFE - in Nizza/Frankreich.

UKB: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger


Dienstag, 11. Oktober,2016, 19.00 Uhr


25 Jahre ukrainische Unabhängigkeit


Wie kann die Ukraine als Staat überleben und worin besteht ihre Bedeutung für ganz Europa?

Dr. Andreas Umland, Kiew, im Gespräch mit Prof. Gerhard Simon, Köln

Im August 2016 wurde die unabhängige Ukraine 25 Jahre alt. Kein Zweifel, Staat und Nation sind heute fester gefügt als 1991, auch wenn die fortbestehenden Krisenerscheinungen mit Händen zu greifen sind. Seit April 2016 ist eine neue Regierung unter Ministerpräsident Wolodymyr Hrojsman im Amt, die mit dem Versprechen antrat, den Reformen neuen Schwung zu verleihen. Die etablierten Eliten bieten hinhaltenden Widerstand. Die regierenden Seilschaften mit Präsident Poroschenko an der Spitze sitzen fest im Sattel.

Zwei Faktoren beherrschen die Außenpolitik: die inzwischen entschiedene Westorientierung der Ukraine und die Aggression Russlands im Donbas sowie auf der Krim. Vor dem Hintergrund des 1994er Budapester Memorandums unterwandert die russische Intervention das weltweite Atomwaffensperrregime. Das Minsker Abkommen hat weder einen verlässlichen Waffenstillstand gebracht noch ist eine politische Lösung mit der Wiederherstellung der ukrainischen Staatsgrenze in Sicht. Auch die Verbindung der noch vor Minsk verhängten EU-Sanktionen mit dem Abkommen hat bisher wenig geholfen. Wie kann die Ukraine sicherheitspolitisch stabilisiert und der Zufluss ausländischer Direktinvestitionen in den Osten und Süden des Landes gewährleistet werden? Gibt es eine Nato-Mitgliedschaftsperspektive oder bietet eine Sicherheitsallianz der Staaten von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer („Intermarium“) einen Ausweg? Die Ukraine fordert eine bewaffnete UN-Friedensmission für das Donezkbecken. Ansonsten, so die Befürchtung, wird der Krieg im Donbas mit begrenzter Intensität fortdauern und die notwendigen Reformen im Inneren bremsen.

Andreas Umland, Dr. phil., Ph. D., ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Euro-Atlantische Kooperation Kiew und Herausgeber der Buchreihe „Soviet and Post-Soviet Politics and Society” beim ibidem-Verlag Stuttgart.

UKB: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger


Donnerstag, 13. Oktober 2016, 19.00 Uhr


Buchvorstellung mit dem Autor


Boris Schumatzky


Der neue Untertan

Populismus, Postmoderne, Putin;

2016 Residenz Verlag, Salzburg - Wien

Moderation: Robert Baag, politischer Redakteur, Deutschlandradio

Boris Schumatsky, Jg. 1965, ist ein russisch-deutscher Schriftsteller und Publizist. Bücher: Roman „Silvester bei Stalin“, Essayband: „Der neue Untertan“; Roman „Die Trotzigen“.

Adam Soboczynski, ZEIT Nr. 35 vom 18.8.2016: „Mit dem Essayband, sagt Schumatsky, habe er sich großen Ärger eingehandelt. Wenig verwunderlich: Es handelt sich um eine glühende Abrechnung mit dem linken Milieu, das ihm in den ersten Jahren in Deutschland eine Heimat geworden war. Schumatsky berichtet in dem Buch von einer tiefen Entfremdung während des Ukraine-Konflikts. Er habe mit Bestürzung wahrgenommen, mit welcher Skepsis, ja Ablehnung seine Freunde zunächst der prowestlichen Revolution in der Ukraine begegneten und schließlich Putins Feldzug rechtfertigten. Er verspüre seither einen Hauch von Heimatlosigkeit.

Boris Schumatsky begreift den Blick vieler Deutscher auf Putin nicht nur als fatale Abkehr von den Idealen der Aufklärung, sondern als Folge einer Sinnentleerung, die sich im wohlstandsverwöhnten Westen eingenistet hat. Die Revolution hat eine Leidenschaft und einen Wagemut aufblitzen lassen, die man diskreditieren musste, um die eigene Feigheit und Ideenlosigkeit zu kaschieren. Putins Attraktion gründet Schumatsky zufolge nicht nur in gut eingeübten antiamerikanischen Reflexen der Linken, sie ist grundlegender: Sie wurzelt im postmodernen Lebensgefühl, das keine Fakten, sondern nur noch Interpretationen kennt. Der plurale Wahrheitsbegriff der Postmoderne wurde von Putin in die politische Praxis überführt. Sein Verfahren stieß hierzulande aufgrund der vulgären Rezeption von Foucault und Derrida auf Verständnis und Nachsicht. Die selbstkritische Manie, den Westen als eurozentristische, phallozentristische, logozentristische, irgendwie beliebige Konstruktion zu entlarven, verhalf mit einem Mal auch autoritären Gesellschaftsmodellen zu ihrem Recht. /… /"

UKB: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger



Freitag 21. Oktober 2016


Gespräch


ORT: Hörsaal XVIII im Hauptgebäude der Universität zu Köln,

Albertus-Magnus-Platz, 50923 Köln


Yuri Andruchovytsch


und


Serhiy Zhadan


im Gespräch

In Zusammenarbeit mit der ukrainischen Hochschulgruppe der Universität zu Köln und dem Cologne-Bonn Center for Central and Eastern Europe (CCCEE)


















Freitag, 28. Oktober 2016, 19.00 Uhr 


Filmvorführung und Diskussion



Die Macht der Erinnerung


Gulag-Gedenken in Russland (2015, 45 Min.)

Ein Film von Kerstin Nickig über den Umgang Russlands mit seiner totalitären Vergangenheit

Eine Gemeinschaftsproduktion von Time Prints und dem Rundfunk Berlin-Brandenburg

Erstausstrahlung: 3. Mai 2016 im RBB

Im Anschluss folgt ein Gespräch mit Anke Giesen, Memorial Deutschland, über den Film und über die Situation an der Gedenkstätte Perm-36 heute. Anke Giesen arbeitet an einer Dissertation über Perm-36 und hat die Gedenkstätte noch vor ihrer Umgestaltung sowie danach immer wieder besucht, zuletzt in diesen Tagen.

Moderation: Vera Ammer, LKF-Beirat, Vorstandsmitglied Memorial International

Eine gemeinsame Veranstaltung der Gesellschaft „Memorial“ und dem Lew Kopelew Forum

Wie erinnert man sich heute in Russland an den GULAG, das repressive sowjetische Lagersystem, in dem unter Stalin bis zu 18 Millionen Menschen zu Zwangsarbeit gezwungen wurden? Während unter Chruschtschow und dann in den 90er Jahren viele Opfer rehabilitiert wurden und eine Vergangenheitsaufarbeitung langsam begann, dreht sich heute das Rad der Geschichte wieder zurück: In von Putin neu eingeführten Geschichtsbüchern wird Stalin wieder ein „effektiver Manager” genannt und nach Umfragen glauben heute 42% der Russen, die Stalinschen Repressionen seien notwendig für den Aufbau des Landes gewesen. Doch es gibt auch Menschen, die es wagen, politische Verbrechen beim Namen zu nennen, nach Opfern wie nach Tätern zu fragen und die ihre eigenen Wege suchen, deren Erinnerung zu bewahren - fürs Heute.

Das Filmteam von Kerstin Nickig hat die einzige GULAG-Gedenkstätte Russlands, die sich auf dem Gelände eines authentischen Straflagers für politische Gefangene befindet, besucht: Perm-36. Die Gedenkstätte für die Geschichte politischer Verfolgung Perm-36 im Permer Gebiet wurde 1994 von ehemaligen politischen Gefangenen und kritischen Historikern aus dem Umfeld der Bürgerrechtsorganisation Memorial gegründet und ist nun zum Zentrum eines heftigen gesellschaftlichen Konfliktes um die „richtige” Darstellung von Geschichte geworden: Waren die Häftlinge des Lagers Perm-36 zu Recht verurteilte Vaterlandsverräter oder Opfer eines Unrechtsregimes? Seit die Gedenkstätte 2015 seinen Gründern aus der Hand genommen und verstaatlicht wurde, wird sie konzeptionell neu ausgerichtet. Nun kommen auch die Lageraufseher zu Wort. In Gesprächen mit ehemaligen Lageraufsehern, Neostalinisten, Bürgerrechtsaktivisten und dem ehemaligen Häftling und Mitbegründer der Gedenkstätte Sergej Kovaljov spürt der Film den sehr verschiedenen Sichtweisen auf die Geschichte des GULAG und der politischen Verfolgung in Russland nach.

UKB: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger

Kontakt

Lew Kopelew Forum
Neumarkt 18a
50667 Köln


Tel. (0221) 2 57 67 67
Fax. (0221) 2 57 67 68
info@45c34b7bfd804372939c46be9e3923a4kopelew-forum.de  

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