Aktuelle Veranstaltungen

Samstag, 17. Februar 2018, 17.00 Uhr

Filmabend und Diskussion


Die verstörende Realität

Bulgarische Geheimdienstfilme von gestern und ihre Rolle in der Gesellschaft heute

Filmabend und Diskussion mit

Diana Ivanova




Moderation: Tobias Flessenkemper,

Leiter Zweigstelle Köln der Südosteuropa-Gesellschaft
Mitveranstalter: Südosteuropa-Gesellschaft e.V. Zweigstelle Köln

Im Jahr 2012 stieß die bulgarische Journalistin, Filmregisseurin und gesellschaftliche Aktivistin Diana Ivanova zusammen mit ihrem Team während ihrer Archivrecherchen zur Bulgarischen Staatssicherheit DS (Darzhavna Sigurnost) erstmals auf Filmbestände dieses Geheimdienstes. Mehr als 4000 Filme, die vom bulgarischen Innenministerium für eigene Zwecke produziert wurden, warten seitdem auf ihre vollständige Erforschung und Aufarbeitung: Spielfilme, Dokumentationen, Beobachtungen, Verhöre. Bislang wurden viele dieser Filme zusammen mit der Kuratorin Vessela Nozharova in Workshops und auf Veranstaltungen in Bulgarien gezeigt. Dadurch wurde ein starkes öffentliches Echo ausgelöst, das spürbar ein Nachdenken über die eigene Vergangenheit in Bewegung setzte. Diana Ivanova arbeitet darüber hinaus mit dem Berliner Filmwissenschaftler Claus Löser zusammen. Gemeinsam haben sie mehrere Programme kuratiert, wie z.B. beim Filmfest Dresden 2016.

Diese Filmbestände sind ein äußerst spannendes, aber auch widersprüchliches und bisher noch weitgehend unerforschtes Gebiet. Das liegt vor allem an der besonderen Situation der Geheimdienstakten in Bulgarien nach 1989. 1990 wurden schätzungsweise 40 Prozent der Staatssicherheitsakten zerstört. Zum ersten Mal wurden die erhaltenen Aktenbestände durch ein Gesetz im Jahr 1997 geöffnet, 2002 wurden die Möglichkeiten zur Akten-Einsicht allerdings schon wieder beendet. Erst mit einem neuerlichen Gesetz im Jahr 2006 – kurz vor dem Beitritt Bulgariens zur Europäischen Union am 1.01.2007 – begann eine kontinuierliche Aufarbeitung der DS-Vergangenheit.

Was aber nahmen die Geheimdienstmitarbeiter filmisch überhaupt ins Visier? Welche konkrete Bedeutung hatten die Aufnahmen für die Arbeit des bulgarischen Geheimdienstes? Welchen Stellenwert hat das filmische Archivgut für die Aufarbeitung heute?

Die Ausschnitte aus Verhören des DS-Archivs lösen bis heute starke Emotionen aus. Durch ihre visuelle Sprache ermöglichen die Filme einen neuartigen Zugang zu einem Teil der bulgarischen Geschichte, der sich bislang – gerade bei jüngeren Menschen – sehr selten erschließen lässt.

Über diese und andere, teilweise sehr komplexe und den großen Kreisen oft unbekannte Aspekte, die in allen postsowjetischen Ländern ähnlich anzutreffen sind, wird Frau Iwanowa anhand der fünf gezeigten Filmbespiele sehr kenntnisreich und ungeheuer spannend erzählen.

Eins der Beispiele: Семейство Попов, разпит със скрита камера (Familie Popov, ein Verhör mit versteckter Kamera); 1982, 20 min, Ministerium des Inneren, schwarz-weiß, gedreht mit versteckter Kamera; Regie, Kamera, Ton: unbekannt. Die ganze Liste der gezeigten Filme wird vorliegen.

Diana Ivanova ist Journalistin, Filmregisseurin, Gruppen-Therapeutin. Sie arbeitet im Bereich des sozialen Traumas und lebt in Bonn und Sofia. 2016 war sie Stipendiatin der „Bundesstiftung Aufarbeitung“ im internationalen Austauschprogramm „MEMORY WORK“ und arbeitet zurzeit an einer Studie über die Spuren, die von den Geheimdiensten in bulgarischen Familien und in der Gesellschaft hinterlassen wurden. Als Journalistin hat sie mehrere Preise bekommen, u.a. den Internationalen Preis der APA (österreichischen Presseagentur) im Jahr 2005 für eine Reihe aus Reportagen über die Melancholie in Osteuropa. Seit einigen Jahren erforscht sie ein besonderes Thema - die Filme der bulgarischen Staatssicherheit, entdeckt zufällig bei Ihrer Arbeit mit anderen Kollegen an einem Konzept über Museum der Verbrechen des bulgarischen Geheimdienstes in Sofia.
Diese Filme hatten letztes Jahr Premiere in Deutschland. Im April 2016 kuratierte Diana Ivanova gemeinsam mit dem Filmhistoriker Claus Löser die Retrospektive “Filme für die Sicherheit” im Rahmen des Dresdener Film-Festivals – auf dem die Filme zum ersten Mal einem internationalen Publikum vorgestellt wurden und ein großes Medien-und Zuschauerinteresse weckten. Im März 2017 wurden einige der bulgarischen Filme auf einer speziellen Veranstaltung der BStU in der Stasi-Zentrale in Berlin gezeigt.

UKB: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger



Donnerstag, 22. Februar 2018, 19.00 Uhr


Buchvorstellung und Diskussion mit der Autorin


Margareta Mommsen


Das Putin-Syndikat

Russland im Griff der Geheimdienstler


Verlag C.H.Beck, erschienen:

19. September 2017

Mitveranstalter: CCCEE | Cologne-Bonn Centre for Central and Eastern Europe

Es diskutieren mit:

Prof. Caroline von Gall, Institut für osteuropäisches Recht und Rechtsvergleichung der Uni Köln

Felix Riefer, Politologe, Promovend an der Uni Köln, Moderation

Putin gilt als der starke Mann Russlands. Aber wie weit reicht seine Macht wirklich? Margareta Mommsen beobachtet seit vielen Jahren den russischen Führungszirkel. In ihrem Buch deckt sie auf, wie fest Putin selbst am Haken der Geheimdienstler und Oligarchen hängt. Nach dem Untergang der Sowjetunion sah es so aus, als würde Russland sich nach Westen orientieren, aber der Westen hat die russischen Avancen abprallen lassen. Seitdem besinnt sich eine gekränkte Großmacht auf eigene Stärken. Die berüchtigte 'Kreml-Familie' hat unter Jelzin die Macht in der 'gelenkten Demokratie' übernommen und sich mit Putin einen willigen Präsidenten maßgeschneidert, der sich dem Volk als athletischer Naturfreund präsentiert und selbst im Westen Bewunderer findet. Margareta Mommsen beschreibt, wie Geheimdienstler, Wirtschaftskapitäne und die Orthodoxe Kirche das Land wieder groß machen wollen. Sie schildert, wie eine geheime Oligarchie Medien, Justiz und Schlüsselindustrien beherrscht, den Führerkult organisiert, militärisch mobil macht und in der Ukraine oder Syrien russische Großmachtinteressen verteidigt. Das Putin-Syndikat hat Russland fest im Griff.

Prof. Margareta Mommsen studierte die Fächer Politikwissenschaft und Osteuropäische Geschichte in Brüssel und Heidelberg, wo sie 1972 promovierte. 1985 erfolgte ihre Habilitation an der Ruhr-Universität Bochum. Von 1989 bis zu ihrer Emeritierung im Jahr 2003 war sie Lehrstuhlinhaberin für Politikwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Derzeit ist sie Dozentin an der Hochschule für Politik München. Ihre Forschungsschwerpunkte sind das politische System in Russland, die politischen Systeme Osteuropas und der Nachfolgestaaten der Sowjetunion sowie der Systemvergleich und der Systemwandel.

UKB: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger


Mittwoch, 28. Februar 2018, 19.00 Uhr


Filmvorführung

an der Universität zu Köln


Dokumentation über Boris Nemzow

Ort: Hörsaal XII im Hauptgebäude der Universität zu Köln, Albertus-Magnus Platz 1, 50931 Köln

Veranstalter: CCCEE | Cologne-Bonn Centre for Central and Eastern Europe und Lew Kopelew Forum e.V.

The Man Who Was Too Free

Originaltitel: Слишком свободный человек ; RU, 2016, Dokumentarfilm, 126 min; ersch.: 23. Februar 2017; Russische F.m.engl.Untertiteln; Regie: Vera Krichevskaya; Buch: Michail Fischman; Musik: Andrej Makarevich

Die Lebensgeschichte von Boris Nemzow ist die Geschichte Russlands der letzten 25 Jahre. Im Film beginnt sie in den Neunzigern, als viele in Nemzow den künftigen Präsidenten gesehen haben, und endet mit seiner Ermordung auf der Brücke unter den Mauern des Kremls im Februar 2015. Die gesamte Zeitspanne von Nemzows Aufstieg bis zum tragischen Moment seines Todes, die der Film umfasst, bietet einen detaillierten Einblick nicht nur in Nemzows Leben, sondern auch in die dramatischen Ereignisse, die zu Wendepunkten in der russischen Geschichte wurden und ihn geprägt haben. Besprochen und kommentiert werden sie von seinen Freunden, Kollegen, Familienmitgliedern und anderen Politikern. Zu Wort kommen über 20 Personen: Tatjana und Valentin Jumaschew, Michail Fridman, Michail Prochorow, Oleg Sysuev, Grigori Jawlinski, Viktor Juschtschenko, Sergej Jastschembski, Michail Kasjanow, Alfred Koch, Irina Chakamada, Raisa und Janna Nemzow, Yevgeny Kiselyov, Nina Zvereva, Yevgenia Albats, Dmitry Muratov u.a.

Die Premiere des Films, die in Russland anlässlich des zweiten Todestags von Nemzow im Februar 2017 stattfand, hat für eine enorme Aufregung gesorgt. Die Filmemacher geben zu, dass sie von der Dimension der Resonanz überrascht waren. Das Internet explodierte mit Hunderten von Rezensionen und Tausenden von Kommentaren. Laut Vera Krichevskaya brachte jeder neue Post in sozialen Netzwerken neue Zuschauer in die Kinos.


Das Publikum schätzte den Verzicht auf Voice-over, den hervorragenden Schnitt und die kolossale Arbeit des Teams, die es ihm erlaubte, innerhalb von neun Monaten ein exklusives Material zusammen zu stellen. Zur Zeit ist "The Man Who Was Too Free“ der russische Dokumentarfilm mit den höchsten Kinoeinnahmen.

Eintritt frei



Gedenkveranstaltung


Sonntag, 4. März 2018, 11.00 Uhr


Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstr. 8, 10117 Berlin


Foto: CC SA BY by Stephan Röhl


Gedenk-Matinée für Arsenij Roginskij


Mit

Wolfgang Eichwede, Historiker, Bremen
Elena Zhemkova, Memorial Moskau
Nikita Petrov, Memorial Moskau
Marieluise Beck, Zentrum Liberale Moderne, Berlin
Elisabeth Weber, Lew Kopelew Forum, Köln
Alexandra Polivanova, Memorial Moskau
Irina Sherbakova, Memorial Moskau
Jens Siegert, Moskau
Sergej Parkhomenko, Moskau

Jascha Nemtsov, Pianist, Haifa/Berlin

Moderation:
Thomas Roth, Journalist, Berlin
Manfred Sapper, Deutsche Osteuropa Gesellschaft, Berlin

Am 18. Dezember 2017 ist unser Freund und Partner Arsenij Roginskij gestorben. Auf einer Matinee wollen wir an diesen großartigen Menschen erinnern und ein deutliches Signal der Unterstützung für die von ihm mitgegründete Organisation Memorial senden. In zwei Gesprächsrunden werden wir sein Lebenswerk würdigen und darüber sprechen, wie die Arbeit von Memorial fortgeführt und unterstützt werden kann.

Die Veranstaltung wird mit deutsch-russischer Simultanübersetzung durchgeführt.

Anmeldung:


Bitte melden Sie sich hier an

Veranstaltungsort:
Heinrich-Böll-Stiftung
Schumannstr. 8
10117 Berlin

Kontakt:
Nina Happe
happe@boell.de
+49 (0)30 285 34 384

Eine Kooperation der Heinrich-Böll-Stiftung mit der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde e.V., Memorial Deutschland, Lew Kopelew Forum, Deutsch-Russischer Austausch

Unterstützer der Veranstaltung:
Körber Stiftung, Stiftung Erinnerung Verantwortung und Zukunft, Lagergemeinschaft Workuta/GULag Sowjetunion

Kontakt

Lew Kopelew Forum
Neumarkt 18a
50667 Köln


Tel. (0221) 2 57 67 67
Fax. (0221) 2 57 67 68
info@9de0dddf83514f5892ce322b98df2243kopelew-forum.de  

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