Aktuelle Veranstaltungen

Donnerstag, 30. März 2017, 19:00 Uhr

Vortrag


Prof. Dr. Guido Hausmann


Hat Russland eine eigene Zivilisation?


Gesprächsleitung: Dr. Elisabeth Weber und Prof. Dr. Gerhard Simon

Das offizielle Russland versucht sich in den letzten Jahren verstärkt als eigene Zivilisation, bzw. Gegenzivilisation zum Westen zu präsentieren. Ausdruck findet das in einer Reihe neuer Gesetze und auch im neuen Berliner Forschungsinstitut 'Dialog der Zivilisationen', das der putintreue Wladimir Jakunin 2016 gegründet hat.


Der Vortrag fragt nach den Traditionen dieses Denkens, für die einerseits die 1990er Jahre wichtig sind, die aber auch bis zu Intellektuellendebatten des 19. Jahrhunderts zurückreichen, vor allem zu Lev Tichomirov (1852-1923, ein russischer Revolutionär des terroristischen Flügels der Narodniki, gehörte deren Exekutivkomitee an. Nach seiner Trennung von den Vorstellungen einer gewaltsamen Revolution wurde er einer der führenden konservativen Denker in Russland. Er schrieb mehrere Bücher über die russische Monarchie, den orthodoxen Glauben und politische Philosophie in Russland) und Konstantin Leontjev (1831-1891, gilt als bedeutender, wenn auch umstrittener russischer Denker, Religionsphilosoph und Schriftsteller des 19.Jh.).


Prof. Dr. Guido Hausmann, Professor für Geschichte Ost- und Südosteuropas an der Universität Regensburg, Leiter des Arbeitsbereichs Geschichte, Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung. Arbeitsschwerpunkte: Geschichte Ost- und Mitteleuropas, insbesondere Russlands und der Ukraine; Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte; Stadtgeschichte; Imperium und Nationalitäten; Gedächtnisgeschichte und Erinnerungskulturen; Natur und Umweltgeschichte.


UKB: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger



Dienstag, 04. April 2017, 19:00 Uhr


Buchvorstellung und Gespräch mit der Autorin


Susanne Spahn

Das Ukraine-Bild in Deutschland:

Die Rolle der russischen Medien


Wie Russland die deutsche Öffentlichkeit beeinflusst


Verlag Dr. Kovac, Hamburg 2016

Moderation: Prof. Dr. Gerhard Simon, Universität zu Köln

Welches Ukraine-Bild vermitteln die russischen Medien in Deutschland? Russische Staatsmedien werden massiv ausgebaut, gleichzeitig wird ein Netz an deutschen Kooperationspartnern, russischen und deutschen Experten und Unterstützern geschaffen, die russische offizielle Positionen in den deutschen Medien verbreiten und damit das Ukraine-Bild in der Öffentlichkeit prägen. Die zentrale Frage der Studie ist: Wie erfolgreich beeinflusst Russland die öffentliche Meinung in Deutschland zum Ukraine-Konflikt? Welche Akteure, Institutionen und Faktoren spielen dabei die größte Rolle?

Die Verfasserin untersucht diese Frage auf zwei Ebenen, der operativen und der inhaltlichen. Auf der operativen Ebene wird gezeigt, wie das Netzwerk der russischen Auslandsmedien in Deutschland funktioniert. In der Studie werden 50 Akteure des russischen Informationsnetzwerkes in Deutschland analysiert. Im inhaltlichen Teil geht es um das Ukraine-Bild in den russischen Medienbeiträgen und relevanten deutschen Publikationen.

Susanne Spahn, Dr. phil., lebt als freie Journalistin, Historikerin und Politologin in Berlin. Nach dem Studium der osteuropäischen Geschichte, Slawistik und Politikwissenschaft an den Universitäten St. Petersburg und Köln folgte 2011 die Promotion. Ihre Dissertation „Staatliche Unabhängigkeit - das Ende der ostslawischen Gemeinschaft? Die Außenpolitik Russlands gegenüber der Ukraine und Belarus seit 1991“ ist 2011 in Hamburg erschienen. Spahn absolvierte ein Volontariat bei der Süddeutschen Zeitung und berichtete 2010/11 aus Moskau für die Welt, Deutsche Welle, Zeit online, Magazin Außenwirtschaft u.a. Sie verfasst wissenschaftliche Analysen und Studien für Zeitschriften und politische Stiftungen. Ihre Studie zum Ukraine-Bild in Deutschland und der Rolle der russischen Medien wurde 2016 im Kovač-Verlag veröffentlicht.


UKB: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger


Sonntag, 09. April 2017, 17:30 Uhr


Abend in St. Petersburg, Russland
im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Deutsche Woche in Sankt Petersburg“

im Anna-Achmatowa-Museum, Litejny Prospekt 53



Lew Kopelew und Heinrich Böll

Eine deutsch-russische Freundschaft im 20. Jahrhundert

Mitveranstalter: Anna-Achmatowa-Museum, Deutsches Generalkonsulat in Sankt Petersburg, Heinrich-Böll-Stiftung Moskau

Einst waren sie Kriegsgegner und „haben aufeinander geschossen“. Und doch haben sie den Weg zu Versöhnung und tiefer Freundschaft gefunden. Kann der mühsame Weg der beiden Humanisten und Schriftsteller noch heute Orientierung für uns sein? Versöhnung also statt Ausgrenzung. zum Beispiel als „ausländische Agenten“?

Unter Moderation von Thomas Roth, dem Vorsitzenden des Lew Kopelew Forums Köln, diskutieren deutsche und russische Freunde und Weggefährten von Böll und Kopelew.

Was bedeuten diese Schicksale im so tragischen 20. Jahrhundert auch für die junge Generation beider Länder heute?

Dieser Erinnerungs- und Zukunftsarbeit widmet sich das Lew Kopelew Forum gemeinsam mit der befreundeten Organisation „Memorial“, die 2002 den „Lew Kopelew Preis für Frieden und Menschenrechte“ verliehen bekam. Die Fragen sind: Wie finden wir wieder zu einem unverstellten und ehrlichen Blick auf die gemeinsame Geschichte? Wie finden wir auch in schwieriger Zeit wieder besser zueinander - und den friedlichen Weg in ein gemeinsames europäisches Haus der Versöhnung, der gegenseitigen Achtung, eingebettet in die gemeinsame europäische Geschichte?

Solche Fragen haben Lew Kopelew immer umgetrieben. Er würde heute, am 9. April, seinen 105. Geburtstag feiern


Dienstag, 11. April 2017, 19:00 Uhr


Zum 105. Geburtstag von Lew Kopelew (09.04.1912 – 18.06.1997)


Reinhard Meier


Lew Kopelew

Humanist und Weltbürger


WBG und Theiss-Verlag

erschienen: 13. März 2017

Moderation: Fritz Pleitgen

Fritz Pleitgen: „Auf diese Biographie habe ich lange gewartet. Ich habe keinen Menschen kennengelernt, der aus eigenem Erleben so viel über das Verhältnis der Deutschen und Russen in Krieg und Frieden wusste wie Lew Kopelew.“



Lew Kopelew, 1912 im vorrevolutionären Kiew geboren und 1997 in Köln gestorben, spiegelt mit seiner wechselvollen Biographie das zerrissene 20. Jahrhundert. Reinhard Meier, der ihn gut kannte und Zugang zum Privatarchiv hat, zeichnet in seinem Buch erstmals das farbige Bild des großen Humanisten. Kopelew war einer der großen Brückenbauer zwischen der russischen und der deutschen Kultur. Er war Kommunist, Germanist und Frontsoldat der Roten Armee. Als Gulag-Häftling war er mit Solschenizyn befreundet, von dem er sich später entfremdete. Ab 1980 lebte er im unfreiwilligen Exil in Deutschland und wurde zu einer bedeutsamen Figur im bundesdeutschen Geistesleben. Der enge Freund Heinrich Bölls und Marion Gräfin Dönhoffs setzte sich unermüdlich für Verständnis und Aussöhnung zwischen Ost und West ein. Daran orientiert sich auch sein autobiographisches und wissenschaftliches Werk. Er trug maßgeblich zur Differenzie­rung des deutschen Russlandbildes bei und wurde so zu einem Dolmetscher zwischen den Nationen.

Reinhard Meier, geboren 1945, ist bei Zürich aufgewachsen. Er promovierte an der dortigen Universität in Germanistik und Anglistik. Er war Redakteur beim „Argentinischen Tageblatt“ in Buenos Aires und lebte anschließend mit seiner Familie als Korrespondent der „Neuen Zürcher Zeitung“ in Moskau, Bonn und Washington. Danach war Meier NZZ-Auslandredakteur; heute ist er Mitarbeiter der Internetzeitung

„Journal 21“.

UKB: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger


Donnerstag, 20. April 2017, 19:00 Uhr


Mehr als Putin

Russland entschlüsseln

Dekoder stellt sich vor

Vortrag und Podiumsdiskussion mit der Chefredakteurin vom dekoder


Tamina Kutscher

Demonstranten auf dem Kiewer Maidan, der Sturz Janukowitschs, dann „grüne Männchen“ auf der Krim, schließlich die Annexion der Halbinsel durch Russland und der Krieg im Donbass: Mit den Ereignissen in der Ukraine rückte sehr schnell auch Russland wieder in den Fokus der deutschsprachigen Medien.


Ihre Berichterstattung wurde häufig als einseitig kritisiert, innerhalb der deutschen Gesellschaft gab es eine emotionale Debatte zwischen vermeintlichen „Russland-Verstehern“ und „Russland-Bashern“.

Wenn es um Russland geht, dann scheinen auch derzeit fast immer die Schlagwörter „Putin“, „hybrider Krieg“ und „postfaktisches Zeitalter“ aufzupoppen. „Die Menschen lesen mehr Berichte über russische Propaganda, als russische Propaganda selbst“, meint dagegen der russische Journalist Alexej Kowaljow, der auf seinem Blog selbst russische Propaganda dekonstruiert.

In dieser Situation hat sich die Online-Plattform dekoder.org vorgenommen, „Russland zu entschlüsseln“. dekoder verbindet dabei zwei Content-Typen, die sich gegenseitig ergänzen: übersetzte Originalbeiträge russischer (unabhängiger) Medien und Erklärtexte von Forschern aus europäischen Instituten (auf dekoder „Gnosen“ genannt, von gr. gnosis: Erkenntnis). Beide greifen nahtlos ineinander und stellen so ein Instrument zur Verfügung, um ein direktes Eintauchen in die öffentliche Debatte des Landes zu ermöglichen.


dekoder erreicht zwei einander überlappende Zielgruppen: ein Fachpublikum aus Journalisten, Wissenschaftlern und Entscheidungsträgern aus Politik, Wirtschaft und Kultur sowie ein breiteres, generell an Russland interessiertes Publikum.

Tamina Kutscher wird mit den Moderatoren Maria Birger und Felix Riefer (beide LKF-Beirat)

folgende Themen diskutieren:

Unter welchen (infrastrukturellen) Rahmenbedingungen findet Russlandberichterstattung eigentlich statt? Welche Russlandbilder werden in deutschsprachigen Medien produziert? Und wo setzt ein Medium an, das sich vorgenommen hat, „Russland zu entschlüsseln“?

Tamina Kutscher ist seit 2016 Chefredakteurin von dekoder.org. Die Slawistin und Historikerin absolvierte vor ihrem Studium die Journalistenschule ifp in München. Sie war sechs Jahre lang Redakteurin und Projektleiterin bei n-ost – Netzwerk für Osteuropa-Berichterstattung. 2014/2015 leitete sie dort unter anderem das internationale Medienprojekt Stereoscope Ukraine, an dem Korrespondenten aus Russland, der Ukraine und der EU beteiligt waren.


UKB: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger


Dienstag, 25. April 2017, 19:00 Uhr


Ausstellungseröffnung


Die Deutschen in St. Petersburg

Kultur, Wissenschaft und Politik im Herzen Russlands (17. bis 20. Jh.)

Eröffnung: Fritz Pleitgen

Einführung: Lilia Lawruk, Leiterin der Integrationsagentur in Mettmann beim Integration-Kulturzentrum e.V. im Kreis Mettmannin

Dauer der Ausstellung: 25.04.2017 – 19.05.2017

Öffnungszeiten: di – do.: 12.00 -18.00 Uhr, fr.: 12.00 – 17.00 Uhr sowie während der Veranstaltungen u. nach Vereinbarungen


Die Ausstellung ist eine Gemeinschaftsproduktion des Integration-Kulturzentrum (IZK) e.V. im Kreis Mettmann und des Deutsch-Russischen Begegnungszentrums an der lutherischen Petrikirche Sankt Petersburgs. Die Ausstellung ist 2011 im Auftrag des BMI entstanden. Sie besteht aus 22 Tafeln, ist zweisprachig – deutsch und russisch – und thematisch nach Bereichen geordnet, die von Medizin (Ärzte und Apotheken) über das Bildungswesen, Kirchen, Vereine, Deutsche in Verwaltung und Politik, Deutsche im Militär etc. reichen. Sie ist mit vielen Bilder, Grafiken und Karten versehen.

Die Gründung der lutherischen Gemeinde in Sankt Peterburg fällt beinahe mit der Gründung der Zarenstadt zusammen. Zar Peter II. schenkte der Gemeinde ein Grundstück auf dem heutigen Newskij Prospekt. Im Jahr 1728 begann der Bau der lutherischen Steinkirche. Die Kirche konnte nach nur zweijähriger Bauzeit am 14./25. Juni eingeweiht, der Innenausbau nach 8 Jahren fertiggestellt werden.

1833 wurde das alte Kirchengebäude abgerissen und innerhalb von nur fünf Jahren die neue St. Petrikirche errichtet. Die unmittelbare Bauleitung übernahm der deutsche Architekt Georg Zollikofer. Nach der Einweihung am Reformationstag 1838 fanden 3000 Menschen in der Kirche Platz.

Unter der Regierung der Sowjetmacht wurde die Kirche 1938 geschlossen. Im Jahr 1955 wurde im Stadtrat entschieden, dass die Kirche in ein Schwimmbad umgebaut werden soll, welches 1963 eröffnet wurde.

Nach dem Ende der Sowjetunion wurde das Gebäude wieder an die lutherische Kirche zurückgegeben. Das renovierte Gotteshaus steht seinen Gläubigen nun offen. Das Becken des Schwimmbades kann man sich auch heute noch ansehen. Unter dem Platz, wo ehemals der Sprungturm stand, befindet sich der Chorraum mit einem kleinen Andachtsraum.

Heute ist die 350 Mitglieder umfassende Petrigemeinde wieder lebendig und aktiv. Viele der Gemeindemitglieder sind Deutsche aus anderen Teilen der ehemaligen Sowjetunion: Russlanddeutsche, die nach 1990 vor allem aus Kasachstan und Sibirien nach Sankt Petersburg kamen.

Der Kellerraum der Schwimmbadkirche, zur gleichen Zeit auch der Kathedrale der evangelisch-lutherischen Kirche Russlands (ELK) als Zeuge und Symbol der Enteignung des Gebetshauses, ist ein deutliches Zeichen der Unterdrückung und des Glaubensschicksals in der atheistischen Sowjetzeit im Russland des 20. Jahrhunderts geworden und dient als Gedenkstätte an Opfer der Vertreibung, Repressionen und Kriege.

Eintritt frei

Kontakt

Lew Kopelew Forum
Neumarkt 18a
50667 Köln


Tel. (0221) 2 57 67 67
Fax. (0221) 2 57 67 68
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