14. April 2021

Verleihung des Lew Kopelew Preises 2020 und 2021

Veronika Zepkalo, Swetlana Tichanowskaja und Maria Kolesnikowa

© imago images/ITAR-TASS

PRESSEMITTEILUNG, Köln, April 2021
Lew Kopelew Forum

Die Verleihungen des Lew-Kopelew-Preises für Frieden und Menschenrechte 2020 und 2021 werden pandemie-bedingt zusammengelegt

Lew-Kopelew-Preis für Frieden und Menschenrechte 2021 geht an die belarussischen Frauen Swetlana Tichanowskaja, Maria Kolesnikowa und Veronika Zepkalo

Lew-Kopelew-Preis für Frieden und Menschenrechte 2020, der wegen der Pandemie erst jetzt verliehen wird, geht an die russische Medienorganisation „OVD-Info“
und zugleich an
den russischen Historiker Jurij Dmitriev

Die Preisverleihung findet, corona-bedingt, online statt
Angaben zum Termin folgen in Kürze
Die Rede hält der Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen Armin Laschet


Ringen um Demokratie und Wahrheit +++ Wahrheit und aktive Hilfe statt Fake News +++ Aufklärung über Stalins Terror

Ringen um Demokratie und Wahrheit


Swetlana Tichanowskaja, Maria Kolesnikowa und Veronika Zepkalo setzen sich persönlich wie politisch gemeinsam mit großem Mut für echte Demokratie und gegen die offensichtlich manipulierten Präsidentschaftswahlen in Belarus ein. Sie wurden zu Gesichtern der friedlich und gewaltfrei protestierenden Bevölkerung in Belarus. Die massenhaften Proteste gegen die letzten Wahlen lässt der autokratische Präsident Lukaschenko seit August 2020 mit äußerster Brutalität niederschlagen. Swetlana Tichanowskaja und Veronika Zepkalo mussten vor staatlicher Verfolgung ins Exil ausweichen. Maria Kolesnikowa, die eine Zeit lang als klassische Musikerin in Stuttgart gelehrt und gearbeitet hat, widersetzte sich heimlicher staatlicher Zwangsabschiebung. Sie wird bis heute in einem belarussischen Gefängnis festgehalten.
Dennoch ist der Widerstand der drei Frauen, der von öffentlichen Protesten getragen wird, persönlich ungebrochen. Swetlana Tichanowskaja, die ebenfalls vom Europäischen Parlament unterstützt und ermutigt wird, kämpft als ehemalige Präsidentschaftskandidatin gemeinsam mit den anderen Frauen unerschrocken von ihrem litauischen Exil aus für Demokratie sowie freie und faire Neuwahlen in ihrer Heimat. Ihr Mann sitzt wegen politischer Aktivitäten (Blogger) in Belarus in Haft.


Wahrheit und aktive Hilfe statt Fake News


Die russische Initiative OVD-Info erhält den Lew-Kopelew-Preis für Frieden und Menschenrechte 2020. Seit 10 Jahren setzt sich die vom Journalisten Grigorij Ochotin und dem Programmierer Daniil Beilinson gegründete Organisation für die Aufklärung von willkürlichen Verhaftungen ein und unterstützt die Betroffenen und ihre Familien mit Auskünften und rechtlichem Beistand. Trotz staatlicher Behinderung sammelt sie zuverlässige Informationen über Protestaktionen und stellt sie zeitnah im Internet zur Verfügung. So ist OVD-Info mittlerweile zu einem russlandweiten nichtstaatlichen demokratischen Netzwerk geworden und gehört nicht zuletzt im Ausland bei der Berichterstattung zu den meistgenutzten Quellen.


Aufklärung über Stalins Terror


Der Historiker und Forscher Jurij Dmitriev hat in der russischen Provinz Karelien Erschießungsstätten aus den späten 30er Jahren, der Zeit von Stalins „großem Terror“, ausfindig gemacht. In „Sandarmoch“, einem dieser Hinrichtungsorte, gelang es ihm, die Identität von etwa 7000 Erschossenen aus 56 Nationen zu klären, darunter auch Russlanddeutsche. Er ermittelte noch weitere Hinrichtungsstätten mit insgesamt rund 55000 Namen von ermordeten Repressionsopfern aus der Stalinzeit. Seine Forschungen sind einflussreichen Kreisen des russischen Staatsapparates unbequem in einer Zeit, in der Stalin und sein Wirken, in einer Art historischer Renaissance als großer Führer, in der Öffentlichkeit zunehmend verharmlost wird.
Jurij Dmitriev gehört zu „Memorial“, der international bekannten russischen NGO für Menschenrechte und historische Aufklärung. Er leitet den Memorial-Verband in Karelien. Seit über vier Jahren ist er – von einer kurzen Unterbrechung abgesehen – in Haft. In einem von unabhängigen Experten und Beobachtern als fingiert bezeichneten Prozess wurde er zunächst vom Vorwurf der Kinderpornografie und Pädophilie freigesprochen. In einem weiteren Prozess wurde dieser Urteilsspruch allerdings wieder aufgehoben und Dmitriev nach einer verschärften Anklage zu 13 Jahren im strengen Vollzug verurteilt. Zahlreiche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, darunter die Literaturnobelpreisträgerinnen Swetlana Aleksijewitsch und Herta Müller, der russische liberale Politiker Grigorij Javlinski und die berühmte russische Schriftstellerin Ludmila Ulitzkaja, hatten zur Unterstützung und Freilassung von Jurij Dmitriev aufgerufen.

Alle Preisträger stehen ganz in der Tradition des 1997 in Köln verstorbenen Humanisten und Schriftstellers Lew Kopelew, der 1981 als unerwünschte Persönlichkeit von den damals sowjetischen Behörden zwangsausgebürgert wurde. Kopelew hat teilweise zusammen mit Alexander Solschenizyn 10 Jahre im Gulag verbracht.


Bisherige Preisträger des „Lew-Kopelew-Preises für Frieden und Menschenrechte“ waren u.a.: Can Dündar (türkischer Journalist), der Soziologe Prof. Lew Gudkow (Direktor des unabhängigen Levada-Zentrums), HALO Trust (Minenräumung), Memorial International Moskau (russische Menschenrechtsorganisation), Berthold Beitz, Hans Küng, Redaktion von „Novaja Gaseta“, Uri Avnery und Sari Nusseibeh (Friedensaktivisten im Nahen Osten), Suaad Tayeb (syrische zivilgesellschaftliche Aktivistin), Ammar Zakaria und Abdulkader Abdulrahim (syrische Ärzte), Ruslana Lyschytschko (ukrainische Musikerin, Maidan-Aktivistin), Jewgenij Zacharow (Mitbegründer des „Memorial“ in Charkow und Berater der UA-Regierung beim Kampf gegen Korruption und für Rechtstaatlichkeit), Wladimir Woinowitsch (russischer Schriftsteller), Kapitän Claus-Peter Reisch und die Dresdener Seenotrettungsinitiative „Mission Lifeline“.


Das Lew Kopelew Forum e.V. wurde 1998 nach Kopelews Tod von seinen vielen Freunden und Weggefährten in Köln unter dem Vorsitz von Fritz Pleitgen gegründet, um Kopelews Eintreten für Humanität, Frieden und Menschenrechte in seinem Sinne „von Mensch zu Mensch, von Volk zu Volk“ (L.K.) fortzusetzen. Heute sind Fritz Pleitgen und Marion Gräfin Dönhoff (†) Ehrenvorsitzende des gemeinnützigen Vereins.

Thomas Roth
Vorsitzender Lew Kopelew Forum
Fritz Pleitgen
Ehrenvorsitzender
***
Für weitere Fragen:
Tatiana Dettmer, Lew Kopelew Forum, info@kopelew-forum.de, T: 0221 257 67 67
Christoph Hellmann, Kreissparkasse Köln, Öffentlichkeitarbeit, T: 0221 227 2703



05. Februar 2021

Spendenaufruf für die Menschenrechtsorganisation
OVD-Info aus Russland

Liebe Mitglieder und Russland-Interessierte,

die aktuelle Lage in Russland ist sehr angespannt. Im ganzen Land gehen Menschen auf die Straße, um gegen Korruption und die unrechtmäßige Verurteilung des Oppositionellen Alexey Nawalny zu protestieren.

Seit Tagen werden russlandweit friedliche Demonstranten von der Polizei brutal misshandelt, in Gefängnissen festgehalten, mit absurden Strafen belegt.

Die NGO OVD-Info unterstützt seit Ende 2011 Personen, die in die Mühlen der russischen Justiz geraten und politisch verfolgt werden. Bei staatlichen Übergriffen, etwa bei Haussuchungen und vor allem bei öffentlichen Protesten stellt sie Hotlines zur Verfügung, damit Festgenommene mitteilen können, wo sie sich befinden und in welches Polizeirevier sie ggf. gebracht wurden. In all diesen Fällen leistet OVD-Info juristische Hilfe, besorgt Anwälte, und sorgt zeitnah für Öffentlichkeit. Dadurch ist OVD-Info inzwischen zur meist zitierten Quelle in westeuropäischen Medienberichten über Demonstrationen und Festnahmen in Russland geworden.

Wir glauben, dass es im Sinne Lew Kopelews wäre, die wertvolle Arbeit von OVD-Info zum Beispiel mit einer Spende zu unterstützen. Eine Möglichkeit, dies zu tun, gibt es hier:

https://donate.ovdinfo.org/en

Weitere Informationen zu OVD-Info:

Die Mitarbeiter von OVD-Info waren schon mehrfach bei uns im Lew Kopelew Forum, um Ihre Arbeit vorzustellen. Die Aufzeichnung unserer letzten Veranstaltung mit OVD-Info „Meinungsfreiheit in Russland in Zeiten von COVID-19“ vom 8.12.2020 finden Sie auf unserem YouTube Kanal unter diesem Link:

https://www.youtube.com/watch?v=7BPjSVpFguM



14. Oktober 2020

In memoriam Karl-Heinz Korn

Foto aus dem Privatarchiv, Grafik Andreas Korn

Liebe Freunde und Freundinnen des Lew Kopelew Forums,

gerne möchten wir Sie hiermit auf eine Webseite aufmerksam machen, die zum Gedenken an unser früh verstorbenes Vorstandsmitglied Karl-Heinz Korn (1953-2019) entstanden ist:



https://karlheinzkorn.wordpress.com/





Die Webseite wurde vor wenigen Tagen von Andreas Korn, dem Bruder von Karl-Heinz Korn, erstellt. Viele von Ihnen kannten Karl-Heinz Korn persönlich und schätzten ihn sehr. Wir laden Sie nun herzlich dazu ein, die Webseite zu besuchen, gemeinsam mit uns seiner zu gedenken und die Webseite durch bei Ihnen eventuell vorhandene Bilder und Geschichten, die Sie mit Karl-Heinz erlebt haben, zu ergänzen.


15. September 2020

Erklärung des Lew Kopelew Forums
bezüglich der jüngsten Ereignisse in Belarus
und rund um die Vergiftung von Alexei Nawalny

FREIHEIT UND SELBSTBESTIMMUNG FÜR BELARUS


Lew Kopelew Forum

Thomas Roth, Vorsitzender


Mit Bestürzung sehen wir seit Wochen, wie in Belarus von seinem autoritären Herrscher Aleksander Lukaschenkodas Recht auf freie, faire und nicht manipulierte Wahlen und das Recht auf freie Meinungsäußerung und Demonstrationsfreiheit mit brutaler Gewalt unterdrückt wird. Bei einem Treffen unlängst im russischen Sotschi erfuhr Lukaschenko mit diesem politischen Kurs vom russischen Präsidenten Putin dabei ausdrücklich Unterstützung.


Mit Respekt und Bewunderung sehen wir aber auch seit Wochen, wie sich in Belarus tausende Menschen, unter ihnen besonders viele Frauen, mutig der Brutalität der sogenannten Sicherheitskräfte entgegenstellen und dabei körperliche Unversehrtheit, Verhaftung und Gefängnis riskieren. „Die drei mutigen Frauen in Belarus, die gewaltfrei zusammen mit vielen anderen Menschen in den Straßen von Minsk und anderen belorussischen Städten die Proteste begonnen haben, sind ganz im Sinne vonLew Kopelew Vorbilder für uns alle,“ so Fritz Pleitgen, der Ehrenvorsitzende und Mitbegründer des Kölner Lew Kopelew Forums. Der russische Intellektuelle und Schriftsteller Lew Kopelew wurde nach Jahren der Haft im GuLag aus der damaligen Sowjetunion zwangsausgebürgert und verstarb 1997 nach 16 Jahren im Kölner Exil. Er kämpfte bis zum Schluss unermüdlich für Demokratie und Menschenrechte, wie er das heuteauch bezogen auf Belarus und Russland tun würde.


Vor 30 Jahren wurde die berühmte und bis heute gültige „Charta von Paris“ am 21. November 1990 in der französischen Hauptstadt verabschiedet. Darin bekannten sich die 34 Signatarstaaten aus Ost und West zu einer auf Menschenrechten und Grundfreiheiten beruhenden Demokratie. Außerdem zu Wohlstand auf der Grundlagevon wirtschaftlicher Freiheit und sozialer Gerechtigkeit. Davon sind Russland und Belarus heute sehr weit entfernt. Ihre Präsidenten regieren immer autoritärer. Einen Platz in einem gemeinsamen Europa kann aber nur beanspruchenund einnehmen, wer die Werte der (auch von Moskau unterzeichneten) „Charta von Paris“ achtet und ihnen praktisch folgt.


Wir appellieren deshalb an die europäische politische Öffentlichkeit, die Unterdrückung der Rechte auf freie Wahlen, Meinungs- und Demonstrationsfreiheit in Belarus nicht hinzunehmen. Wir rufen die Europäische Union, das europäische Parlament und die deutsche Bundesregierung dazu auf, resolut und mit konkretenMaßnahmen für die Opposition in Belarus einzutreten. Und wir fordern, die derzeit in Belarus in Haft sitzende Oppositionelle Maria Kolesnikowa und andere dort aus politischen Gründen Gefangene sofort in die Freiheit zu entlassen.


In Berlin wird derzeit der in Sibirien mit einem chemischen Kampfstoff vergiftete russische Oppositionelle Alexej Nawalny im Krankenhaus Charité ärztlich behandelt. Es
ist offensichtlich, dass Nawalny als kritische und aufklärende Stimme zum Schweigen gebracht werden sollte. Das darf im heutigen Europa nicht hingenommen werden, denn wir leben nicht mehr im frühen, noch von Stalin geprägten 20. Jahrhundert.


Dieses Verbrechen muß deshalb insbesondere von der russischen Regierung und Präsident Putin aufgeklärt und vor Gericht gebracht werden. Nur konsequente Aufklärung kann den Verdacht der Komplizenschaft an diesem Mordanschlag beseitigen. „Europa befreit sich vom Erbe der Vergangenheit“ heisst es in der Präambel der „Charta von Paris“. Darum müssen wir, soviel sehen wir heute, in Europa auch im Sinne Lew Kopelews nach wie vor ringen.

Kontakt

Lew Kopelew Forum
Neumarkt 18
50667 Köln


Tel. (0221) 2 57 67 67
Fax. (0221) 2 57 67 68
info@dc86b6a377f740a9bdb9da27015c9d81kopelew-forum.de  



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