Kein Verbot der russischen Menschenrechtsorganisation „Memorial“!

Die Menschenrechtsorganisation „Memorial“ soll in Russland offenbar verboten werden. Laut russischer Justiz wird das oberste Gericht am 25.11. über einen sogenannten „Liquidierungsantrag“ der Generalstaatsanwaltschaft entscheiden. Ein Verbot wäre ein harter Schlag gegen eine der letzten demokratischen und vom russischen Staat unabhängigen kritischen Organisationen.

Memorial, zu deren Gründer vor über 30 Jahren auch der berühmte russische Menschenrechtler Andrei Sacharow gehörte, verkörpert nach wie vor unbeirrbar das kritische historische Gedächtnis der Repression in der Sowjetunion und im heutigen Russland. Seit Jahrzehnten klärt sie auf über das System des Gulag und das Schicksal hunderttausender Häftlinge, der Ermordeten wie der Überlebenden. Zu den letzteren gehörte der später aus der Sowjetunion zwangsausgebürgerte Menschenrechtler Lew Kopelew. Memorial widersetzt sich mutig der heute auch von staatlicher Seite wieder betriebene Glorifizierung Stalins und untersucht statt dessen die von Stalin und seinem Repressionsapparat begangenen Massenmorde. Das und der konsequente Einsatz für Demokratie und Menschenrechte ist der russischen Führung ganz offenbar ein Dorn im Auge.

Von staatlichen Organen wird „Memorial“ seit Jahren angegriffen und als „ausländischer Agent“ diskreditiert. Ein entsprechendes Gesetz zwingt „Memorial“ sogar dazu, sich selbst so zu bezeichnen. Das soll dazu dienen die Organisation in den Augen der russischen Bevölkerung herabzusetzen und zu diskreditieren. Dagegen protestiert das nach dem Tod des russischen Menschenrechtlers Lew Kopelew gegründete und in Köln beheimatete Forum und erklärt sich mit „Memorial“ solidarisch. Lew Kopelew hatte seinerzeit die Gründung von Memorial nachhaltig begrüßt und wurde zum Ehrenmitglied berufen.

„Memorial“ wurde neben anderen Auszeichnungen 2002 mit dem „Lew-Kopelew-Preis für Frieden und Menschenrechte“ und 2009 mit dem „Sacharow Preis für geistige Freiheit“ des Europäischen Parlaments bedacht.


Für das Lew Kopelew Forum

Thomas Roth, Vorsitzender des Lew Kopelew Forums und
ehemaliger Moderator der ARD Tagesthemen

Friedensnobelpreis 2021

Mit großer Freude haben wir heute zur Kenntnis genommen, dass der über so viele Jahre so mutige Dmitri Muratow, Chefredakteuer der „Novaja Gaseta“ in Moskau und als Vertreter seiner Redaktion Preisträger des "Lew Kopelew Preises für Frieden und Menschenrechte" des Jahres 2010 in diesem Jahr den Friedensnobelpreis bekommt zusammen mit einer philippinischen Journalistin. Das ehrt Dmitri Muratow, seine Arbeit und seine Zeitung. Ein Freudentag und ein wichtiges Zeichen Richtung Moskau und das Ringen um die Pressefreiheit.

Verleihung des Lew Kopelew Preises für Frieden und Menschenrechte 2010 an Dmitri Muratow, Juri Rost und das Team von Nowaja Gaseta. V.l.n.r: Alexander Wüerst, Juri Rost, Fritz Pleitgen, Dmitri Muratow und der Laudator Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert. Bild: Kreissparkasse Köln

Die Adresse des Vorsitzenden des Lew Kopelew Forums Thomas Roth und des Ehrenvorsitzenden Fritz Pleitgen an den Chefredakteur des Nowaja Gaseta Dmitri Muratow anlässlich der Verleihung des Friedensnobelpreises für 2021:

Sehr geehrter Herr Chefredakteur,
lieber Dmitri Andrejewitsch,

von ganzem Herzen gratulieren Ihnen der Vorstand des Lew Kopelew Forums und sein Ehrenvorsitzender Fritz Pleitgen in Köln für die Verleihung des Friedensnobelpreises 2021! Sie und Ihre Redaktion haben ihn in Ihrem ständigen und äusserst mutigen Kampf für die Wahrheit und die Pressefreiheit mehr als verdient. Sie und die Redaktion der „Novaja Gaseta“ haben in diesem Kampf schon fürchterliche Opfer bringen müssen. Sechs Ihrer Kolleginnen und Kollegen, darunter Anna Politkowskaja, Natalja Estimirowa und Jurij Schteschkotschichin haben dafür mit dem Leben bezahlt. Wir gedenken ihrer in diesem Augenblick.

Lew Sinowjewitsch Kopelew hat bis zu seinem Tod im Exil zu seinen Lebzeiten für all diese Werte ebenfalls gekämpft, für die Sie und die „Novaja Gaseta“ seit vielen Jahren einstehen. Es ehrt uns ganz besonders, daß wir Ihnen und der Redaktion dafür schon 2010 den „Lew Kopelew Preis für Frieden und Menschenrechte“ 2010 haben verleihen dürfen.

Wir beglückwünschen Sie und grüßen Sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen der Redaktion. In Gedanken und mit unseren Herzen sind wir heute, aber auch über den Tag hinaus bei Ihnen.

Herzlichst aus Köln

Thomas Roth
Vorsitzender Lew Kopelew Forum

Fritz Pleitgen
Ehrenvorsitzender

Freiheit für Maria Kolesnikowa!

Maria Kolesnikowa und Maxim Snak. Bild: Facebook-Seite von Maria Kolesnikowa

Nach einem Prozeß, der von Anfang an mit unabhängiger Rechtssprechung und juristischer Fairneß nichts zu tun hatte, wurde die belarussische Oppositionelle Maria Kolesnikowa wegen angeblicher „Verschwörung“ in Minsk zu elf Jahren Haft verurteilt. Bereits seit einem Jahr wird sie in Belarus im Gefängnis festgehalten. Der mit ihr angeklagte Anwalt Maxim Snak erhielt zehn Jahre Haft.

„Das sind absurde Auftragsurteile des Lukaschenko Regimes, um die Opposition einzuschüchtern und brutal zu unterdrücken. Repression nicht nur auf der Strasse, sondern auch vor Gericht und in den Gefängnissen soll die eigene Macht absichern und den Menschen in Belarus den Mut nehmen, für ihre Rechte und gegen Repression und Wahlfälschung durch das Regime einzutreten. Das wird möglicherweise auf Zeit, aber gewiß nicht auf Dauer gelingen,“ unterstrich der Vorsitzende des Lew Kopelew Forums und ehemalige Moderator der ARD Tagesthemen, Thomas Roth, im Namen des in Köln beheimateten Vereins.

Maria Kolesnikowa ist gemeinsam mit den derzeit im Exil lebenden oppositionellen Frauen Swetlana Tichanowskaja und Veronika Zepkalo Trägerin des in diesem Jahr in Köln verliehenen „Lew-Kopelew-Preises für Frieden und Menschenrechte“. Damit wurden sie für ihren großen Mut und ihren Kampf um Demokratie in Belarus geehrt.

Das Lew Kopelew Forum ruft die Bundesregierung, aber auch die EU dazu auf, dieses Urteil gegen Maria Kolesnikava und andere politische Gefangene in Belarus nicht hinzunehmen, sondern die bereits bestehenden Sanktionen gegen das Regime Lukaschenka auch vor diesem Hintergrund noch einmal in Richtung auf eine Verschärfung zu überprüfen.

Das Lew Kopelew Forum steht in der Tradition des sowjetischen Menschenrechtlers und ehemaligen Gulaghäftlings Lew Kopelew, der 1982 aus der Sowjetunion zwangsausgebürgert wurde und bis zu seinem Tod 1997 im Kölner Exil lebte. Von Freunden und Weggefährten, darunter auch der ehemalige WDR Intendant Fritz Pleitgen, wurde das Forum gegründet, um auch nach Kopelews Tod für die von ihm verkörperten Werte von Freiheit und Demokratie einzutreten.

7. September 2021 um 17.00 Uhr (Berliner Zeit)
Buchvorstellung und die Diskussion

Lew Kopelews Biographie erscheint zum ersten Mal auf Ukrainisch

„Lew Kopelew. Humanist und Weltbürger“

(Theiss Verlag, Stuttgart 2017)

Anfang September erscheint in der Ukraine das Buch von Reinhard Meyer „Lew Kopelew. Humanist und Weltbürger“ (Theiss Verlag, Stuttgart 2017) in ukrainischer Übersetzung.


Der Autor des Buchs – Schweizer Journalist und Schriftsteller Reinhard Meyer hat sich mit Lew Kopelew in den 1970er in Moskau während seiner Arbeit als Korrespondent für die „Neue Zürcher Zeitung“ befreundet. Später arbeitete er viel zusammen mit Kopelew in Deutschland. Die Biographie wurde ins Ukrainische von Ihor Andruschtchenko übersetzt.


Gerne möchten wir Sie auf die Buchvorstellung und die Diskussion „Die Menschenwürde and der Weg Lew Kopelews“ hinweisen, die von Charkiwer Menschenrechtsgruppe (Kharkiv Human Rights Protection Group – KHPG) am 7. September 2021 um 17.00 Uhr (Berliner Zeit) via Zoom veranstaltet wird. Die Veranstaltung findet auf Ukrainisch und Russisch statt.


Weitere Details finden Sie auf der Webseite der KHPG

Unter den Teilnehmern der Veranstaltung sind Reinhard Meyer und Mitglieder der Familie Kopelew-Orlow: die Töchter Maria Orlowa, Swetlana Iwanowa, Elena Kopelewa, der Schwiegersohn Lew Kopelews Pawel Litwinow u.a. Eingeladen sind Fritz Pleitgen, Maria Klassen, Evgenij Sacharow, Ihor Andrushtchenko, Eleonora Solowej, Andrej Portnow u.a. Moderation: Konstantin Sigow, Philosoph, Professor der Kyjiw-Mohyla Akademie und Direktor des Verlags „Duch und Litera“.

Link zur Veranstaltung:

https://us02web.zoom.us/j/89110345780
Kennwort: 891 1034 5780

10. August 2021

Doku-Hörspiel "Der heilige Doktor von Moskau"

Friedrich Josef Haass (1780-1853). Quelle: Wikimedia Commons

Der in Münstereifel geborene und in Köln ausgebildete Arzt Friedrich Josef Haass (1780-1853) spielte im Leben Lew Kopelews eine besondere Rolle. Der deutsche Mediziner machte im zaristischen Russland eine glänzende Karriere und versorgte dort unentgeltlich über 25 Jahre lang Strafgefangene mit medizinischer und seelsorgerischer Hilfe, was ihm den Beinamen „der heilige Doktor von Moskau“ einbrachte.


Seine Tätigkeit gab der Humanisierung des Strafvollzugs in Russland einen entscheidenden Anstoß. Noch heute werden an seinem Grab in Moskau Blumen niedergelegt.


Lew Kopelew sah in Friedrich Josef Haass einen großen deutsch-russischen Humanisten. Er veröffentlichte 1984 seine Biographie unter dem Titel: Der heilige Doktor Fjodor Petrowitsch, Die Geschichte des Friedrich Joseph Haass, Bad Münstereifel 1780 – Moskau 1853.


Zum 241. Jubiläum von Friedrich Joseph Haass möchten wir Ihnen gerne das Doku-Spiel Der heilige Doktor von Moskau präsentieren, das vom Kölner Schauspieler und Autor Mark Zak für Domradio vorbereitet wurde. Am 2. Dezember 2021 wird Mark Zak sein Doku-Hörspiel im Lew Kopelew Forum vorstellen und mit dem Publikum über Friedrich Josef Haass diskutieren. Weitere Details finden Sie zeitnah in unserem Programm.


Das Doku-Hörspiel Der heilige Doktor von Moskau von und mit Mark Zak finden Sie auf der Website von Domradio.

14. Juli 2021

V.l.n.r.: Tatiana Dettmer, Nadezhda Feldmann, Gennadij Feldmann und Vera Ammer
Bild: Lew Kopelew Forum

Am 14. Juli 2021 haben Vera Ammer (Beirat) und die Geschäftsführerin Tatiana Dettmer in den Räumlichkeiten des Lew Kopelew Forums in Köln die Urkunde zur Verleihung des Lew Kopelew Preises 2020 an Jurij Dmitriev seiner Kusine Nadezhda Feldmann und ihrem Ehemann Gennadij Feldmann übergeben. Jurij Dmitriev selbst befindet sich in Haft in Russland.


Der Historiker Jurij Dmitriev hat in der russischen Provinz Karelien Erschießungsstätten aus den späten 30er Jahren, der Zeit von Stalins „großem Terror“, ausfindig gemacht. In „Sandarmoch“, einem dieser Hinrichtungsorte, gelang es ihm, die Identität von etwa 7000 Erschossenen aus 56 Nationen zu klären, darunter auch Russlanddeutsche. Er ermittelte noch weitere Hinrichtungsstätten mit insgesamt rund 55000 Namen von ermordeten Repressionsopfern aus der Stalinzeit. Seine Forschungen sind einflussreichen Kreisen des russischen Staatsapparates unbequem in einer Zeit, in der Stalin und sein Wirken, in einer Art historischer Renaissance als großer Führer, in der Öffentlichkeit zunehmend verharmlost wird.


Jurij Dmitriev gehört zu „Memorial“, der international bekannten russischen NGO für Menschenrechte und historische Aufklärung. Er leitet den Memorial-Verband in Karelien. Seit über vier Jahren ist er – von einer kurzen Unterbrechung abgesehen – inhaftiert. In einem von unabhängigen Experten und Beobachtern als fingiert bezeichneten Prozess wurde er zunächst vom Vorwurf der Kinderpornografie und Pädophilie freigesprochen. In einem weiteren Prozess wurde dieser Urteilsspruch allerdings wieder aufgehoben und Dmitriev nach einer verschärften Anklage zu 13 Jahren im strengen Vollzug verurteilt. Zahlreiche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, darunter die Literaturnobelpreisträgerinnen Swetlana Aleksijewitsch und Herta Müller, hatten zur Unterstützung und Freilassung von Jurij Dmitriev aufgerufen.


Am 5. Mai 2021 wurde Jurij Dmitriev ein einer Zeremonie, die coronabedingt online stattfand, mit dem Lew Kopelew Preis ausgezeichnet. Die Festrede hielt der Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westphalen Armin Laschet, der unter Anderem sagte: „Jurij Dmitriev, der heute mit dem Lew Kopelew Preis ausgezeichnet wird, schafft mit seiner Arbeit eine wichtige Grundlage für eine demokratische Entwicklung seines Landes. Über Jahrzehnte hinweg hat er nach Spuren des stalinistischen Terrors gesucht, sie gefunden und dokumentiert. Dabei ermittelte er die Namen von über 10000 Ermordeten. In Deutschland wissen wir aus eigener Erfahrung, wie wichtig es ist, dunkle Kapitel der eigenen Geschichte aufzuarbeiten, um für die Zukunft Ähnliches zu verhindern. Gerade, wenn eine Gesellschaft sich die Schrecken totalitärer Herrschaft bewusst macht, leistet sie einen Beitrag auch für Rechtstaatlichkeit und Demokratie in der Gegenwart. Und in Russland gab es unterschiedliche Phasen – eine klare Distanz zum Stalinismus, eine Aufklärung, aber in diesen Tagen ist es wieder schwerer, an die Opfer des Stalinismus zu erinnern, deshalb ist die Arbeit von Jurij Dmitriev so bedeutsam, dass er unabhängig von politischen Zeitströmungen an seiner Arbeit festhält“.

14. Mai 2021

v.l.n.r: Alexander Wüerst, stellvertretender Vorsitzender des Lew Kopelew Forums und Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Köln, Armin Laschet, Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalens und Thomas Roth, Vorsitzender des Lew Kopelew Forums, während der Verleihung des Lew-Kopelew-Preises für Frieden und Menschenrechte 2020 und 2021 im Käthe Kollwitz Museum der Kreissparkasse Köln.
Bildrechte: Kreissparkasse Köln


Lew-Kopelew-Preis für Frieden und Menschenrechte 2021 geht an die belarussischen Frauen Swetlana Tichanowskaja, Maria Kolesnikowa und Veronika Zepkalo.


Lew-Kopelew-Preis für Frieden und Menschenrechte 2020, der wegen der Pandemie erst jetzt verliehen wird, geht an die russische Medienorganisation „OVD-Info“ und zugleich an den russischen Historiker Jurij Dmitriev.


Ministerpräsident Armin Laschet unterstrich in seiner Festrede über die Preisträgerinnen und Preisträger des Lew-Kopelew-Preises ihren „Mut“ und Ihre „Entschlossenheit“ im Einsatz für Demokratie und Aufklärung.


Der Lew Kopelew Preis wurde in diesem Jahr ausnahmsweise und pandemiebedingt für zwei Jahre – die Jahre 2021 und 2020 - verliehen. Ebenfalls pandemiebedingt fand die Preisverleihung online im Käthe Kollwitz Museum der Kreissparkasse Köln statt - und wurde nicht wie gewohnt mit vielen Gästen in der Kassenhalle der Kreissparkasse in Köln am Neumarkt festlich begangen. Im Rahmen der kleinen Veranstaltung wurden die belarussischen Frauen Swetlana Tichanowskaja, Maria Kolesnikowa und Veronika Zepkalo mit dem Lew-Kopelew-Preis 2021 ausgezeichnet. Die russische Medien- und Menschenrechtsorganisation „OVD-Info“ und zugleich der russische Historiker Jurij Dmitriev erhielten den Lew-Kopelew-Preis 2020.


„Alle Preisträger stehen ganz in der Tradition des 1997 in Köln verstorbenen Humanisten und Schriftstellers Lew Kopelew, der 1981 als unerwünschte Persönlichkeit von den damals sowjetischen Behörden zwangsausgebürgert wurde“, sagte Thomas Roth, der Vorsitzende des Lew Kopelew Forums bei der Begrüßung. „Der Lew-Kopelew-Preis für Frieden und Menschenrechte, den wir alljährlich verleihen, hat sich im Laufe der Jahre ein hohes Ansehen erworben. Mir scheint, das liegt nicht zuletzt daran, dass die erwählten Preisträger in ihrer Vielfalt und zugleich auch in ihrer Unterschiedlichkeit den offenen und der Menschlichkeit gewidmeten Blick von Lew Kopelew repräsentieren.“


Mit Thomas Roth zusammen begrüßte Alexander Wüerst, stellvertretender Vorsitzender des Lew Kopelew Forums und Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Köln:


„Auch in diesem Jahr ehren wir wieder bemerkenswerte Persönlichkeiten, die mit viel Einsatz und Mut auf Missstände aufmerksam machen. Unsere Region und ebenso die Kreissparkasse Köln stehen für Weltoffenheit und Toleranz. Und das sind die Werte, für die gleichfalls Lew Kopelew einstand. Diese Werte gilt es über die Auszeichnung hinaus weiterzutragen.“


Thomas Roth stellte die Preisträger für die Jahre 2021 und 2020 vor und begründete die Auswahl der Preisträger.


Die Laudatio hielt der Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalens,

Armin Laschet. Er hob hervor, dass es für die Verwirklichung von Menschenrechten und Demokratie das tatkräftige Engagement von Bürgerinnen und Bürgern brauche. „Die Trägerinnen und Träger der Lew-Kopelew-Preise 2020 und 2021 leisten in dieser Hinsicht Beeindruckendes: Swetlana Tichanowskaja, Maria Kolesnikowa und Veronika Zepkalo haben mit ihrer Entschlossenheit und ihrem Mut eine demokratische Bewegung ins Rollen gebracht, die ganz Belarus erfasst hat. Die Medienorganisation OVD-Info trägt in Russland in unzähligen Fällen zur Aufklärung politisch motivierter Verhaftungen bei. Auch Jurij Dmitriev schafft mit seiner Arbeit eine wichtige Grundlage für eine demokratische Entwicklung seines Landes“, sagte Armin Laschet.


„Das Wirken von Lew Kopelew kann ein Vorbild sein, wenn es um die heutigen Beziehungen von Deutschland zu Russland geht. Dieses Vorbild bedeutet für mich: Standhaftigkeit und Prinzipientreue bei der Einhaltung von Werten und Regeln und zugleich ständiges Bemühen um Dialog und ein friedliches Miteinander“, lautete sein abschließender Appell.


Die Preisträger 2021


Swetlana Tichanowskaja, Maria Kolesnikowa und Veronika Zepkalo wurden zu Gesichtern der friedlich und gewaltfrei protestierenden Bevölkerung in Belarus, indem sie sich persönlich wie politisch gemeinsam mit großem Mut für echte Demokratie und gegen die offensichtlich manipulierten Präsidentschaftswahlen in Belarus einsetzen. Die massenhaften Proteste gegen die letzten Wahlen lässt der autokratische Präsident Lukaschenko seit August 2020 mit äußerster Brutalität niederschlagen. Swetlana Tichanowskaja und Veronika Zepkalo mussten vor staatlicher Verfolgung ins Exil ausweichen. Maria Kolesnikowa, die eine Zeit lang als klassische Musikerin in Stuttgart gelehrt und gearbeitet hat, wird bis heute in einem belarussischen Gefängnis festgehalten.


Dennoch ist der Widerstand der drei Frauen, der von öffentlichen Protesten getragen wird, persönlich ungebrochen. Swetlana Tichanowskaja, die ebenfalls vom Europäischen Parlament unterstützt und ermutigt wird, kämpft als ehemalige Präsidentschaftskandidatin gemeinsam mit den anderen Frauen unerschrocken von ihrem litauischen Exil aus für Demokratie sowie freie und faire Neuwahlen in ihrer Heimat. Ihr Mann sitzt in Belarus in Haft.


„Diese drei Frauen zeichnen wir heute mit dem „Lew-Kopelew-Preis für Frieden und Menschenrechte 2021“ aus. Sie haben sich bis jetzt von der Gewalt nicht einschüchtern lassen und sind damit zu Symbolfiguren der belarussischen Protestbewegung geworden“, begründete Thomas Roth die Auszeichnung.


Über Internet schaltete sich Swetlana Tichanowskaja, die derzeit im Exil in Litauen lebt, live in die Preisverleihung ein und appellierte an Europa, seine Rolle als Mediator wahrzunehmen und die Regierung in Belarus an den Verhandlungstisch zurückzuholen. Die Mitstreiterin von Swetlana Tichanowskaja, Veronika Zepkalo, widmete via vorab aufgezeichneter Videobotschaft den Preis allen Belarussen, vor allem den belarussischen Frauen, die für demokratische Rechte in Belarus kämpfen und von denen einige bis heute in belarussischen Gefängnissen festgehalten werden – so wie auch die dritte Mitstreiterin und Preisträgerin Maria Kolesnikowa. Im Namen von Maria Kolesnikowa sprach die im Exil lebende Schwester Tatjana Chomitsch die Dankesworte.


Die Preisträger 2020


OVD-Info


Nicht nur in Belarus, sondern auch in Russland gerät die Opposition seit Jahren unter immer stärkeren Druck, was man nicht nur an dem brutalen und völlig willkürlichen Umgang mit dem Oppositionellen Alexei Navalny sehen kann. Kritische Nichtregierungsorganisationen und neuerdings auch Personen werden gezwungen, sich als „ausländische Agenten“ zu bezeichnen, wenn sie Spendengelder aus dem Ausland bekommen. Eine Bezeichnung, die sie in den Augen der Bevölkerung denunzieren soll. Willkürliche Verhaftungen bei Demonstrationen und eine willfährige Justiz sollen den Menschen Angst davor machen, auf die Straße zu gehen.


Um diese Missstände öffentlich zu machen, haben vor rund zehn Jahren der russische Journalist Grigori Ochotin und der Informatiker Daniil Beilinson das Medien- und Menschenrechtsprojekt OVD-Info gegründet, das sich vor allem über Crowdfunding, also über private Spenden, finanziert und in dem besonders viele junge Leute arbeiten. OVD setzt sich für die Aufklärung von willkürlichen Verhaftungen ein und unterstützt die Betroffenen und ihre Familien mit kostenlosem rechtlichem Beistand. „Trotz staatlicher Behinderung sammelt OVD-Info zuverlässige Informationen über Protestaktionen und stellt sie zeitnah im Internet zur Verfügung. So ist OVD-Info mittlerweile zu einem russlandweiten nichtstaatlichen demokratischen Netzwerk geworden und gehört nicht zuletzt im Ausland bei der Berichterstattung zu den meistgenutzten Quellen. Für all das wollen wir sie heute mit dem Lew-Kopelew-Preis für Frieden und Menschenrechte 2020 auszeichnen“, so Thomas Roth in seiner Würdigung.


Auch Grigorij Ochotin und Daniil Bejlinson bedankten sich per vorab aufgezeichneter Videobotschaft. Die Preisträger erklärten, dass sie sich als Brücke zwischen den Aktivisten und den Massenmedien verstehen und sie mit ihrer Arbeit ein Zeichen für eine entwickelte Zivilgesellschaft setzen wollen. Der Lew-Kopelew-Preis sei für sie eine große Ehre. Diese Anerkennung gelte dem gesamten Team, den tausenden freiwilligen Helfern, den zehntausenden Unterstützern und Spendern.

Jurij Dmitriev


Neben der Medien- und Menschenrechtsorganisation OVD-Info wurde für das Jahr 2020
der russische Historiker Jurij Dmitriev mit dem Lew Kopelew Preis ausgezeichnet. Lange herrschte Schweigen in der Sowjetunion und damit auch in Russland über den sogenannten „Großen Terror“ Stalins und seiner Schergen. Der „Große Terror“, soviel weiß man heute, hat alleine in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre mindestens 700.000 Menschen das Leben gekostet. Jurij Dmitriev, der zu „Memorial“, der international bekannten russischen NGO für Menschenrechte und historische Aufklärung, gehört, erforscht seit Jahrzehnten in der russischen Provinz Karelien Spuren dieses Terrors und der staatlich organisierten Massenmorde. Er fand in den Wäldern Kareliens zum Beispiel eine Erschießungsstätte bei dem Dorf Sandarmoch. Rund 9.000 Häftlinge aus vielen Nationen, darunter auch Russlanddeutsche, wurden damals unter Geheimhaltung dort erschossen. Der Historiker Dmitriev konnte sogar die Namen der Ermordeten ermitteln und stellte sie der Öffentlichkeit und damit auch den Nachkommen der Opfer zur Verfügung. Doch das ist ihm nicht gut bekommen. In einer Zeit, in der Stalin besonders von den Staatsorganen heute wieder mehr als großer Führer inszeniert wird, scheint Dmitrievs Arbeit einflussreiche Kreise zu stören. Er wurde nach einem unbegründeten Urteil zu 13 Jahren im strengen Vollzug verurteilt.


„Jurij Dmitriev wurde mit dem Lew-Kopelew-Preis 2020 geehrt, da er sich nicht mundtot machen lässt und sich unbeirrt dafür einsetzt, das Gedenken an den stalinistischen Terror aufrechtzuerhalten“, erläuterte Thomas Roth die Preisvergabe an Dmitriev.
Jurij Dmitrievs leibliche Tochter Katharina Klodt war bei ihrem Vater im Gefängnis. Er hat ihr als Reaktion und Dank für den Kopelew-Preis einige Zeilen aufgeschrieben, die sie via Video vorlas.


Ausstrahlung der Preisverleihungen 2020 und 2021


Die Vorstellung und Auszeichnung der Preisträger ist zu sehen ab dem 16. Mai 2021, 11:00 Uhr, auf der Website: www.kopelew2021.de



05. Februar 2021

Spendenaufruf für die Menschenrechtsorganisation
OVD-Info aus Russland

Liebe Mitglieder und Russland-Interessierte,

die aktuelle Lage in Russland ist sehr angespannt. Im ganzen Land gehen Menschen auf die Straße, um gegen Korruption und die unrechtmäßige Verurteilung des Oppositionellen Alexey Nawalny zu protestieren.

Seit Tagen werden russlandweit friedliche Demonstranten von der Polizei brutal misshandelt, in Gefängnissen festgehalten, mit absurden Strafen belegt.

Die NGO OVD-Info unterstützt seit Ende 2011 Personen, die in die Mühlen der russischen Justiz geraten und politisch verfolgt werden. Bei staatlichen Übergriffen, etwa bei Haussuchungen und vor allem bei öffentlichen Protesten stellt sie Hotlines zur Verfügung, damit Festgenommene mitteilen können, wo sie sich befinden und in welches Polizeirevier sie ggf. gebracht wurden. In all diesen Fällen leistet OVD-Info juristische Hilfe, besorgt Anwälte, und sorgt zeitnah für Öffentlichkeit. Dadurch ist OVD-Info inzwischen zur meist zitierten Quelle in westeuropäischen Medienberichten über Demonstrationen und Festnahmen in Russland geworden.

Wir glauben, dass es im Sinne Lew Kopelews wäre, die wertvolle Arbeit von OVD-Info zum Beispiel mit einer Spende zu unterstützen. Eine Möglichkeit, dies zu tun, gibt es hier:

https://donate.ovdinfo.org/en

Weitere Informationen zu OVD-Info:

Die Mitarbeiter von OVD-Info waren schon mehrfach bei uns im Lew Kopelew Forum, um Ihre Arbeit vorzustellen. Die Aufzeichnung unserer letzten Veranstaltung mit OVD-Info „Meinungsfreiheit in Russland in Zeiten von COVID-19“ vom 8.12.2020 finden Sie auf unserem YouTube Kanal unter diesem Link:

https://www.youtube.com/watch?v=7BPjSVpFguM



14. Oktober 2020

In memoriam Karl-Heinz Korn

Foto aus dem Privatarchiv, Grafik Andreas Korn

Liebe Freunde und Freundinnen des Lew Kopelew Forums,

gerne möchten wir Sie hiermit auf eine Webseite aufmerksam machen, die zum Gedenken an unser früh verstorbenes Vorstandsmitglied Karl-Heinz Korn (1953-2019) entstanden ist:



https://karlheinzkorn.wordpress.com/





Die Webseite wurde vor wenigen Tagen von Andreas Korn, dem Bruder von Karl-Heinz Korn, erstellt. Viele von Ihnen kannten Karl-Heinz Korn persönlich und schätzten ihn sehr. Wir laden Sie nun herzlich dazu ein, die Webseite zu besuchen, gemeinsam mit uns seiner zu gedenken und die Webseite durch bei Ihnen eventuell vorhandene Bilder und Geschichten, die Sie mit Karl-Heinz erlebt haben, zu ergänzen.


15. September 2020

Erklärung des Lew Kopelew Forums
bezüglich der jüngsten Ereignisse in Belarus
und rund um die Vergiftung von Alexei Nawalny

FREIHEIT UND SELBSTBESTIMMUNG FÜR BELARUS


Lew Kopelew Forum

Thomas Roth, Vorsitzender


Mit Bestürzung sehen wir seit Wochen, wie in Belarus von seinem autoritären Herrscher Aleksander Lukaschenkodas Recht auf freie, faire und nicht manipulierte Wahlen und das Recht auf freie Meinungsäußerung und Demonstrationsfreiheit mit brutaler Gewalt unterdrückt wird. Bei einem Treffen unlängst im russischen Sotschi erfuhr Lukaschenko mit diesem politischen Kurs vom russischen Präsidenten Putin dabei ausdrücklich Unterstützung.


Mit Respekt und Bewunderung sehen wir aber auch seit Wochen, wie sich in Belarus tausende Menschen, unter ihnen besonders viele Frauen, mutig der Brutalität der sogenannten Sicherheitskräfte entgegenstellen und dabei körperliche Unversehrtheit, Verhaftung und Gefängnis riskieren. „Die drei mutigen Frauen in Belarus, die gewaltfrei zusammen mit vielen anderen Menschen in den Straßen von Minsk und anderen belorussischen Städten die Proteste begonnen haben, sind ganz im Sinne vonLew Kopelew Vorbilder für uns alle,“ so Fritz Pleitgen, der Ehrenvorsitzende und Mitbegründer des Kölner Lew Kopelew Forums. Der russische Intellektuelle und Schriftsteller Lew Kopelew wurde nach Jahren der Haft im GuLag aus der damaligen Sowjetunion zwangsausgebürgert und verstarb 1997 nach 16 Jahren im Kölner Exil. Er kämpfte bis zum Schluss unermüdlich für Demokratie und Menschenrechte, wie er das heuteauch bezogen auf Belarus und Russland tun würde.


Vor 30 Jahren wurde die berühmte und bis heute gültige „Charta von Paris“ am 21. November 1990 in der französischen Hauptstadt verabschiedet. Darin bekannten sich die 34 Signatarstaaten aus Ost und West zu einer auf Menschenrechten und Grundfreiheiten beruhenden Demokratie. Außerdem zu Wohlstand auf der Grundlagevon wirtschaftlicher Freiheit und sozialer Gerechtigkeit. Davon sind Russland und Belarus heute sehr weit entfernt. Ihre Präsidenten regieren immer autoritärer. Einen Platz in einem gemeinsamen Europa kann aber nur beanspruchenund einnehmen, wer die Werte der (auch von Moskau unterzeichneten) „Charta von Paris“ achtet und ihnen praktisch folgt.


Wir appellieren deshalb an die europäische politische Öffentlichkeit, die Unterdrückung der Rechte auf freie Wahlen, Meinungs- und Demonstrationsfreiheit in Belarus nicht hinzunehmen. Wir rufen die Europäische Union, das europäische Parlament und die deutsche Bundesregierung dazu auf, resolut und mit konkretenMaßnahmen für die Opposition in Belarus einzutreten. Und wir fordern, die derzeit in Belarus in Haft sitzende Oppositionelle Maria Kolesnikowa und andere dort aus politischen Gründen Gefangene sofort in die Freiheit zu entlassen.


In Berlin wird derzeit der in Sibirien mit einem chemischen Kampfstoff vergiftete russische Oppositionelle Alexej Nawalny im Krankenhaus Charité ärztlich behandelt. Es
ist offensichtlich, dass Nawalny als kritische und aufklärende Stimme zum Schweigen gebracht werden sollte. Das darf im heutigen Europa nicht hingenommen werden, denn wir leben nicht mehr im frühen, noch von Stalin geprägten 20. Jahrhundert.


Dieses Verbrechen muß deshalb insbesondere von der russischen Regierung und Präsident Putin aufgeklärt und vor Gericht gebracht werden. Nur konsequente Aufklärung kann den Verdacht der Komplizenschaft an diesem Mordanschlag beseitigen. „Europa befreit sich vom Erbe der Vergangenheit“ heisst es in der Präambel der „Charta von Paris“. Darum müssen wir, soviel sehen wir heute, in Europa auch im Sinne Lew Kopelews nach wie vor ringen.

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Neumarkt 18
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Fax. (0221) 2 57 67 68
info@eb86b200f9004c969e6af1fdfda70204kopelew-forum.de  


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