In Memoriam Arsenij Roginskij (1946-2017)


Arsenij Roginskij 1995 Foto M. Klassen


Am 30. März 2021 wäre Arsenij Roginskij 75 geworden. Aus diesem Anlass führte die russische Menschenrechtsorganisation Memorial eine Reihe Lesungen in Erinnerung an ihren langjährigen Vorsitzenden durch. Arsenij Roginksij war oft zu Gast im Lew Kopelew Forum, und wir möchten Sie gerne auf die spannenden Diskussionen hinweisen, die in Memorial vor Kurzem stattgefunden haben. Die Aufzeichnungen (auf Russisch) sind unter folgenden Links aufrufbar:

https://www.youtube.com/watch?v=IqehmAio_Jg Eröffnung

https://www.youtube.com/watch?v=V2fkonImAS8 Erster Tag

https://www.youtube.com/watch?v=V2fkonImAS8 Zweiter Tag


The Big Brother

Der Kreml und die Ereignisse in Belarus


Aufzeichnung des Online-Vortrags und der und Diskussion

Dienstag, 13. April 2021


The Big Brother
Der Kreml und die Ereignisse in Belarus

Online-Vortrag und Diskussion

mit

Sabine Adler, Osteuropa-Korrespondentin und Journalistin, Deutschlandradio

Luzia Tschirky, Osteuropa-Korrespondentin und Journalistin des Schweizer Radio und Fernsehen (SRF)

Moderation: Katharina Heinrich
Osteuropa-Historikerin und Journalistin, LKF-Beirat

Neun Monate sind vergangen seit der historischen Präsidentschaftswahl in Belarus, die den belarusischen Präsidenten Aleksander Lukaschenko in den Augen des eigenen Volkes delegitimierte und ihn als einen reinen Machtusurpator bloßstellte. Die Wahlfälschung löste in Belarus eine bisher dort noch nie gesehene Protestwelle aus.

Drei mutige belarusische Frauen, die den Präsidenten Lukaschenko herausforderten – Swetlana Tichanowskaja, Maria Kolesnikowa und Veronika Tsepkalo - wurden inzwischen entweder ins Exil gezwungen oder verhaftet. Hunderttausende Menschen gingen auf die Straßen, doch die Massenproteste wurden brutal niedergeschlagen. Gewalt, Massenverhaftungen und Folter sind in Belarus in den letzten Monaten zum Alltag geworden.

Nicht mal den Vertretern der Presse bleibt diese Gewalt erspart. Luzia Tschirky, Korrespondentin des Schweizer Fernsehens, war Ende Januar 2021 mit ihren Freunden in Minsk unterwegs, als sie von der belarusischen Polizei festgenommen wurde. Nach Intervention der Schweizer Behörden wurde Luzia freigelassen, doch ihre Freunde blieben in Haft.

Wie gelingt es dem Diktator Lukaschenko trotz massiver Proteste an der Macht zu bleiben? Und wie lange noch? Worauf stützt er sich? Seit Beginn der Proteste bekommt Lukaschenko Hilfe aus Russland, zu der sich die russländische Regierung öffentlich bekennt. Bereits in den ersten Protesttagen warnte Präsident Putin die „westlichen Mächte“ davor, sich in die Ereignisse in Belarus einzumischen. Worin besteht das Interesse des Kremls in Belarus und welche Rolle spielt Moskau in den aktuellen Geschehnissen dort? Wie kann diese Situation ausgehen - für Lukaschenko, Belarus und den Kreml? Haben die internationale Gemeinschaft und die internationalen Organisationen, wie etwa die UNO, wirksame Instrumente, um Diktaturen zu beeinflussen, oder resignieren die Demokratien vor autoritären Staaten?

Darüber diskutierten die Osteuropa-Korrespondentin des Deutschlandradios,

Sabine Adler, die die Situation in Belarus und Russland seit vielen Jahren beobachtet und darüber berichtet, und die Osteuropa-Korrespondentin des Schweizer Fernsehens Luzia Tschirky, die erst vor Kurzem aus Belarus zurückgekehrt ist.

Trauern um die Opfer
Nodelmann Quartett

Aufzeichnung des Online Wohltätigkeitskonzerts


Freitag, 05. März 2021


Trauern um die Opferin der Ukraine

Im Gedenken an diejenigen, die im Kampf und in den Kämpfen für die Unabhängigkeit der Ukraine 2014-2021 gestorben sind.

Gebet und Trauer, Schmerz und Katharsis - das ist die Musik von Threnody For The Victims Of Ukraine, einem Werk des Komponisten Vladimir Genin, inspiriert von der geistlichen Hymne von Johannes Damaszener aus dem VIII. Jahrhundert, aufgeführt vom Nodelman Quartett, begleitet von einer Videomontage von Sergei Loiko, die speziell für dieses Projekt erstellt wurde.

Trauern um die Opfer des Stalinismus

Dmitry Schostakowitsch Streichquartett Nr. 8 in c-moll, Op. 110

Der 5. März 1953 brachte mit dem Tod Stalins für die Bevölkerung der Sowjetunion eine Wende. Er wurde zwar nicht überall einhellig mit Erleichterung aufgenommen – aber für die sowjetischen Dissidenten in der Sowjetunion wie im Exil wurde dieser Tag ein inoffizieller Feiertag.

Doch die Vergangenheit will bekanntlich nicht vergehen. Die Verurteilung Stalins sowie der Methoden des stalinistischen Regimes ist in Russland heute alles andere als selbstverständlich. Dazu kommt: gerade in letzter Zeit werden Proteste und Demonstrationen in vielen russischen Städten brutal unterdrückt. Die Drahtzieher von offensichtlichen Auftragsmorden werden nicht gefunden. Das äußerst rigorose Vorgehen der Polizei soll Proteste verhindern und die Menschen einschüchtern. Dies zieht auch die Nachbarländer in Mitleidenschaft, die nach dem Zerfall der Sowjetunion zu unabhängigen Staaten geworden sind.

Seit 2014 führt Russland einen unerklärten Krieg in der Ukraine, dem mittlerweile ca. 14.000 Menschen zum Opfer gefallen sind. Das größte Leid trägt die ukrainische Bevölkerung, die an der Frontlinie und in unmittelbarer Nähe zu den von Russland besetzten Gebieten Donezk und Luhansk wohnt. Diese Menschen zu unterstützen gehört zu den Aufgaben des Vereins Ukraine-Hilfe Berlin e.V., die die Kriegsverletzten und die Bevölkerung in Frontgebieten mit humanitärer Hilfe unterstützt.

Mit seinem Benefizkonzert TRAUERN UM DIE OPFER möchte der aus Russland stammende Musiker Misha Nodelman die Opfer des Krieges in der Ukraine unterstützen und ein Zeichen für „ein anderes Russland“ setzen. Im Programm sind die Threnody des russischen Komponisten Vladimir Genin – ein Klagelied für die Opfer des Krieges in der Ukraine -, sowie Dmitry Schostakowitsch Streichquartett Nr. 8 in c-moll, Op. 110. Die Musik wird untermalt mit Fotos vom Krieg in der Ukraine, die der Journalist und Fotograf Sergei Loiko in den Jahren 2014-2015 aufgenommen hat. Im Rahmen der Veranstaltung wird Sergei Loiko von seinem Projekt berichten. Das Gespräch findet auf Russisch statt. Die Spenden werden vom Verein Hilfe-Ukraine Berlin e.V. gesammelt und kommen den Kriegsverletzten, Kriegsflüchtlingen und den Menschen in Kriegsgebieten der Ukraine zugute.

Wenn Sie spenden möchten, benutzen Sie bitte den folgenden Link:

https://www.ukraine-hilfe-berlin.de/spende/

Bitte geben Sie in Verwendungszweck „Kriegsopfer“ ein.

Idee: Misha Nodelman

Projektbeteiligte: Vladimir Genin, Komponist (Russland – Deutschland), Sergei Loiko, Journalist und Fotograf (Russland – USA, Los Angeles Times), Pfarrer Maksym Strychar, Militärseelsorger der ukrainischen Armee in 2014-2017, Vorleser (Kyiv, Ukraine) Radio "Golos Nadii", NODELMAN QUARTETT: Misha Nodelman, Violine (Russland – Deutschland), Evgeny Selitsky, Violine (Russland – Deutschland), Andreas Kosinski, Viola (Deutschland), Mark Mefsut, Violoncello (Großbritannien-Deutschland).

Misha Nodelman (*1977) ist ein Meistergeiger, erster Konzertmeister der Neuen Philharmonie Westfalen und internationaler Preisträger. Seit 2006 unterrichtet er als Assistent bei Prof. Zakhar Bron in Köln. Der aus St. Petersburg stammende Musiker ist seit Jahren politisch aktiv und setzt sich für die Demokratisierung seiner Heimat Russland und für die Demokratiebewegungen in anderen Ländern Osteuropas ein.

Sergei Loiko (*1953) ist ein Schriftsteller, Kriegsfotograf und Journalist. Er wurde international bekannt durch sein Buch „Der Flughafen“ („Airport“) über die Gefechte um den ukrainischen Flughafen in Donezk, das er 2015 das veröffentlichte. 2017 folgte der Band „Der Flug“ („Flight“) über den Flug MH-17, den die von Russland unterstützten Separatisten über der Ostukraine abgeschossen. Loikos Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt und mit zahlreichen journalistischen Preisen ausgezeichnet.


Alexei Nawalny und die neue Protestwelle in Russland

Aufzeichnung der Online-Diskussion


Dienstag, 16. Februar 2021


Online-Vortrag und Diskussion

mit

Ina Ruck, Leiterin des ARD-Studios in Moskau und

Sabine Adler, Osteuropa-Redakteurin und Journalistin, Deutschlandradio

Moderation: Thomas Roth
Vorsitzender des Lew Kopelew Forums e.V., ehemaliger Tagesthemen-Moderator


Die Vergiftung des russischen Oppositionspolitikers Alexei Nawalny und seine Verhaftung unmittelbar nach seiner Rückkehr aus Deutschland nach Russland am Flughafen Sheremetjewo haben in mehreren Städten Russlands eine große Protestwelle ausgelöst. Das Regime ging mit aller Härte gegen die Demonstranten vor, Tausende Menschen wurden verhaftet. Das Neue bei den Protesten: Nawalny ist es gelungen, die Menschen aus unterschiedlichen Kreisen der Gesellschaft zu mobilisieren. Viele von ihnen sind zum ersten Mal auf die Straße gegangen und verstehen sich nicht als Unterstützer Nawalnys, sondern wollen sich gegen die Korruption und die Unterdrückung in ihrem Staat zur Wehr setzen. Mit spektakulären Videos über Recherchen im Fall der eigenen Vergiftung durch russische Geheimdienste sowie den Bau eines geheimen Palastes an der Schwarzmeerküste, den er Putin zurechnet (letzteres wurde inzwischen mehr als 100 Millionen Mal auf Youtube abgerufen), ist es Alexei Nawalny gelungen zu zeigen, dass die alten autoritären Herrschaftspraktiken und die KGB Methoden der Einschüchterung im digitalen Zeitalter eindeutig der Vergangenheit angehören.

Doch es werden in Russland auch andere Stimmen laut: Nawalny sei nur gegen Putin, aber nicht gegen das Regime, er sehe Russland in der Zukunft als Imperium und seine politischen Ansichten seien alles andere als demokratisch und liberal. Viele seiner Interviews und Äußerungen sind umstritten. Inwieweit sind diese Behauptungen berechtigt? Wird Alexei Nawalny zum Symbol des neuen Russlands? Und warum hat das Putin-Regime so viel Angst vor ihm und vor den Protesten, die von ihm inspiriert wurden?

Darüber diskutieren Osteuropa-Journalistinnen und Russland-Expertinnen Ina Ruck und Sabine Adler mit dem Vorsitzenden des Lew Kopelew Forums, dem ehemaligen langjährigen ARD-Korrespondenten in Russland Thomas Roth.


Meinungsfreiheit in Russland in Zeiten von Covid-19

Aufzeichnung der Online-Diskussion

Dienstag, 08. Dezember 2020


Ein Online-Gespräch mit der Menschenrechtsorganisation OVD-Info

Es diskutieren:

Alla Frolova, Koordinatorin der Rechtsberatung, OVD-Info

Denis Shedov, Jurist und Datenanalyst, OVD-Info

Leonid Drabkin, Koordinator des Projektes OVD-Info

Moderation: Maria Birger, Historikerin, LKF Beirat

Konsekutives Dolmetschen von Erika Rubinstein


In Zeiten der Pandemie rückt das Thema Meinungsfreiheit weltweit wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit. In Russland geht der Staat seit Jahren immer härter gegen friedliche Demonstrierende vor. Die 2011 gegründete Menschenrechtsorganisation OVD-Info beobachtet seit neun Jahren die russlandweiten Proteste und leistet den Demonstrierenden und Verhafteten rechtlichen und öffentlichen Beistand. Eines der Ziele der NGO ist es, Fake News und Propaganda entgegenzuwirken, indem Daten und Berichte über Proteste, Verhaftungen und Gerichtsverfahren aufgearbeitet und öffentlich zugänglich gemacht werden.

Als Aufklärungsprojekt par excellence möchte das Team von OVD-Info mit ihrer Arbeit dazu beitragen, dass die Menschen in Russland sich als mündige Bürger und nicht als passive Bewohner ihres Staatsterritoriums wahrnehmen.

Wir haben Alla Frolova, Denis Shedov und Leonid Drabkin eingeladen, um über die aktuelle Situation in Moskau und in Chabarowsk zu sprechen.


Eine Vorstellung von OVD-Info durch die „Reporter ohne Grenzen“ (auf Seite 36):

www.reporter-ohne-grenzen.de/russlandbericht

OVD-Info über die politisch Verfolgten in Russland:

https://politpressing.org/

Gerne können Sie die Arbeit von OVD-Info durch eine Spende auch aus dem Ausland unterstützen:

https://donate.ovdinfo.org/en#page=en und


https://mygoodness.benevity.org/community/cause/643-5869958113806_68a3/project/41XVKMP62K/donate?fbclid=IwAR1UDxB6boKn0-1e6sEuYdSoqJ9v8-gGtbuOOcAvE05MWydZcTVPuB8SnZE


Um Fachanalysen von OVD-Info auf Englisch und/oder auf Russisch zu bekommen, melden Sie sich bitte unter dem folgenden Link an:

https://airtable.com/shrPs52GsIKgoj2Yj


Belarus - Die größte Freiheitsbewegung in Europa?

Aufzeichnung der Online-Diskussion


Mittwoch, 04. November 2020


Vortrag und Gespräch mit

Prof. Dr. Katja Artsiomenka und

Dr. Diana Siebert

in Zusammenarbeit mit dem Freiheitskämpfer e.V.

Moderation: Lars Clarenbach


„Хавайся ў бульбу“ /„Versteck dich in den Kartoffel-Pflanzen“ – ist in Belarus nicht nur eine Redensart, sondern auch eine geschichtlich erprobte Methode gegen jegliche Willkür. Bewährt, jedoch nicht mehr aktuell. Seit Wochen protestieren die Belarusen und Belarusinnen gegen Gewalt und Repressionen und fordern Neuwahlen, Rücktritt von Lukaschenko sowie Freilassung aller politischen Gefangengen. Frauen, Rentner, Studierende, Ärzte, Arbeiter, Kulturschaffende, Sportler, Wissenschaftler, Hochschullehrer, ITler und „Cyberpartisanen“ - die erstarkte belarusische Zivilgesellschaft hat viele Gesichter und Protestformen. Diese Zivilgesellschaft demonstriert nicht, sie geht spazieren. Wird ihr die weiß-rot-weiße Fahne beschlagnahmt, nimmt sie einen weißen Pappdeckel in der Hand, auf dem draufsteht „das ist keine Fahne“. In Rot.

Dezentralisiert, gut vernetzt und sich einig? Was nun? Was tun? Wie lange noch? Um welchen Preis? Darüber diskutieren deutsch-belarussische Journalistin und Journalismusforscherin Prof. Dr. Katja Artsiomenka und Belarus-Historikerin
Dr. Diana Siebert.



„Kronos‘ Kinder“mit dem Autor Sergej Lebedew

Aufzeichnung der Buchvorstellung


Mittwoch, 28. Oktober 2020


Mit freundlicher Unterstützung des Kulturreferats für Russlanddeutsche am Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte
Gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien

Moderation: Katharina Heinrich, Journalistin, LKF-Beirat

Konsekutives Dolmetschen ins Deutsche von Nika Mossesian


In seinem neuen Roman entdeckt Sergej Lebedew seine deutschen Wurzeln.

Als der betrunkene Nachbar in den Gänsen die Deutschen zu erkennen glaubt und sie wildwütig abmurkst, ahnt der kleine Kirill, dass das Verhältnis von Russen und Deutschen ein besonderes sein muss. Seine Großmutter Karolina kann so manche Geschichte erzählen, sie ist die letzte Überlebende aus dem deutschen Zweig der Familie. Mit Karolinas Erinnerungen im Gepäck zieht der inzwischen erwachsene Kirill los und sucht in Leipzig, Halle und Münster nach seinen deutschen Ursprüngen. Auf der Suche nach seinen Ahnen findet Kirill quer durch zwei Jahrhunderte deutsch-russische Geschichte. Nicht unmöglich, dass sich in der Schlacht von Stalingrad zwei Verwandte als Feinde gegenüberstanden. Spannend zeigt Sergej Lebedew in seinem sehr persönlichen Roman, wie eng und wie tragisch die deutsche mit der russischen Geschichte verknüpft ist.

Sergej Lebedew (geb. 1981) arbeitete nach dem Studium der Geologie als Journalist. Seit dem Ukrainekonflikt ist ihm in Russland die journalistische Tätigkeit untersagt, daher veröffentlicht er in deutschen Medien. Gegenstand seiner Romane sind für den 1981 Geborenen die russische Vergangenheit, insbesondere die Stalin-Zeit mit ihren Folgen für das moderne Russland. Lebedew lebt zurzeit in Berlin.


Georgien einen Monat vor den Parlamentswahlen
Wie steht es um die politische Kultur?

Aufzeichnung der Online-Diskussion



Donnerstag, 24. September 2020

mit Dr. Lasha Bakradze (Direktor des Giorgi-Leonidze Literaturmuseums in Tbilisi, Georgien)

Moderation: Walter Kaufmann (Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin)


Als „Paradies am Rande Europas“ gilt Georgien nicht erst, seit es 2018 als Gastland der Frankfurter Buchmesse in die Aufmerksamkeit der deutschen Medien geriet. Das Land fasziniert durch seine offene und vielfältige Kultur und seine einzigartige Landschaft. Seit der „Rosenrevolution“ 2003 hat es außerdem den Ruf, unter allen Ländern der Östlichen Partnerschaft Vorreiter in Sachen Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu sein und über eine vielfältige Zivilgesellschaft zu verfügen.

In den vergangenen Monaten der Corona-Pandemie haben uns aus Georgien überraschend positive Nachrichten erreicht: das von Beginn an sehr strikte Krisenmanagement der georgischen Regierung hat – verbunden mit einer transparenten Informationspolitik – dazu geführt, dass die Infektionszahlen im Gegensatz zu den Nachbarländern Armenien und Aserbaidschan auf einem auch im internationalen Vergleich sehr niedrigen Niveau gehalten werden konnten – was der Regierung hohe Zustimmungsraten beschert hat. Doch sind die ökonomischen und sozialen Folgen der Pandemie für das Land kaum abzusehen – etwa im Hinblick auf den wichtigen Wirtschaftsfaktor Tourismus, der zum Erliegen gekommen ist.

Vor Corona stimmten andere Nachrichten eher bedenklich: eine dramatische innenpolitische Polarisierung zwischen der vom Oligarchen Bedzina Ivanischvili kontrollierten Regierungspartei „Georgischer Traum“ und der Opposition, darunter das Lager des im Exil befindlichen Ex-Präsidenten Micheil Saakaschwili; massive Auseinandersetzungen und Proteste um eine Wahlrechtsreform, die nur mit internationaler Vermittlung zu einem Ergebnis gebracht werden konnten, eine wachsende politische Instrumentalisierung der Justiz und der Raubbau an Kultur und Natur des Landes durch intransparente Großinvestoren und eine Politik radikaler Privatisierung.

Wo steht Georgien innenpolitisch einen Monat vor den Parlamentswahlen? Wie hat sich die politische Kultur des Landes entwickelt? Welche neuen politischen und gesellschaftlichen Akteure und Initiativen gibt es jenseits der alten politischen Lager?




Belarus 18 Tage nach der Pseudowahl:
Ein Land auf dem Weg zur Demokratie?

Aufzeichnung der Online-Diskussion


Donnerstag, 27. August 2020


mit Dr. Aliaksandr Dalhoŭski (Geschichtswerkstatt „Leonid Lewin“, Minsk) und
Dr. Felix Ackermann (Deutsches Historisches Institut, Warschau)

Moderation: Dr. Diana Siebert, (Belarus-Historikerin und LKF-Beirat, Köln

http://d.diana-siebert.de/osteuropa/)


„Es lebe Belarus! „Freiheit für alle politischen Gefangenen!“ und über Langzeitpräsidenten Lukaschenka: „Hau ab!“ Über diese Losungen scheinen sich alle einig zu sein -- ob Arbeiterschaft oder Intelligenz, ob in Minsk oder der Provinz. Noch unlängst schienen sich die Bürgerinnen und Bürger der Belarus in ein von Staatswirtschaft und Autoritarismus geprägtes Leben einzufügen. Doch nach den offensichtlichen und sehr groben Wahlfälschungen gingen Hunderttausende auf die Straße. Der Ruf nach freien und fairen Neuwahlen und einer Bestrafung der Verantwortlichen für die massive Polizeigewalt kann nicht mehr niedergeknüppelt und eingesperrt werden.

18 Tage nach der Pseudowahl rücken weitere Fragen in den Fokus. Es geht um nichts Geringeres als den Umbau des Staates und seiner Verwaltung, besonders der Sicherheitsorgane. Welche inneren Kräfte können hier ihren Beitrag leisten? Profitiert von der derzeitigen Schwäche der Lukaschenka-Administration vor allem die russländische Regierung? Droht gar eine hybride Annexion durch Moskau?

Solche Fragen werden wir mit Aliaksandr Dalhoŭski und Felix Ackermann diskutieren. Beide können sowohl die aktuellen Entwicklungen einschätzen als auch über historische Hintergründe und falsche Parallelziehungen mit der Ukraine im Jahr 2014 berichten.

Dr. Aliaksandr Dalhoŭski (geb. 1978) studierte Geschichte, Deutsch, Politische Wissenschaft, Wirtschafts- und Sozialgeschichte in Minsk und Aachen und wurde 2012 in Gießen mit einer Dissertation über Tschernobyl promoviert. Dr. Dalhoŭski forscht zur Geschichte von Belarus im Zweiten Weltkrieg und nach Tschernobyl sowie zur Umweltgeschichte. Zurzeit arbeitet er für die Geschichtswerkstatt „Leonid Lewin“ in Minsk, sowie für die deutsch-belarusische Wanderausstellung „Vernichtungsort Malyj Trostenez. Geschichte und Erinnerung“, an deren Erstellung er wesentlich mitgewirkt hat.



Kontakt

Lew Kopelew Forum
Neumarkt 18
50667 Köln


Tel. (0221) 2 57 67 67
Fax. (0221) 2 57 67 68
info@56cf778df16d47aa8d21b2af91452e2ekopelew-forum.de  



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