Veranstaltungen im Ausland

Mittwoch, 27. April 2016, 19:00 Uhr


Kamingespräch in der deutschen Botschaft in Moskau


Friedrich Joseph Haass – Barmherziger Samariter von Moskau



Als Lew Kopelew im Herbst des Jahres 1980 zu einem Studienaufenthalt nach Köln kam (und bei der Gelegenheit vom Breschnew-Regime ausgebürgert wurde), hatte er auch in Bad Münstereifel über den von dort stammenden Arzt Dr. Friedrich Joseph Haass recherchiert und später eine Biographie über denselben verfasst.


Friedrich Joseph Haass ist vielen unbekannt, obwohl er Großes geleistet hat. Um über den außergewöhnlichen Humanisten zu sprechen, hatte der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Moskau zum Kamingespräch „Friedrich Joseph Haass. Persönlichkeit, Freiheit und Verantwortung“ eingeladen.


Kaum ist der Arzt aus dem Zimmer, schon greift der Patient nach einigen Silberlöffeln und verschwindet. Als Friedrich Joseph Haass das Zimmer kurz darauf wieder betritt, weiß er sofort, was passiert ist. Aber er zeigt sich barmherzig: Den Dieb überstellt er nach der Festnahme nicht der Polizei, sondern schickt ihn mit einer Ermahnung und 50 Kopeken fort. Klar, Diebstahl ist ein Laster, erklärt sich Haass später. „Aber seinen Nächsten auspeitschen zu lassen, ist ein viel größeres Laster“, sagt er. Kein Wunder, dass der Arzt auch „der heilige Doktor von Moskau“ genannt wurde.

Ob sich diese Geschichte wirklich so zugetragen hat, wie Alexander Herzen erzählt, ist unklar. Die Taten des Doktors müssen aber besonders, seine Persönlichkeit herausragend gewesen sein: Sogar die katholische Kirche möchte ihn selig sprechen. Mit 27 Jahren kam Haass nach Russland, um dort zu arbeiten. Er soll ein exzellenter Arzt gewesen sein, beschäftigte sich jedoch bald mit den Leiden der Ärmsten und Verstoßenen – er wurde Gefängnisarzt, und das zu einer Zeit, als Schwerverbrecher zusammen mit Menschen, die keinen Pass hatten, nach Sibirien geschickt wurden.

Auch namhafte Wissenschaftler und Autoren beschäftigen sich mit dem Arzt und Humanisten Friedrich Joseph Haass. Am Mittwochabend trafen sich einige davon zu einem Kamingespräch mit Botschafter von Fritsch. Wadim Duda, Klaus Mertes, Fritz Pleitgen, Alexander Neshnyj, Uwe Beck und Elena Nemirowskaya tauschten sich aus über die Bedeutung und das Lebenswerk von Haass. In einem waren sich alle einig: Haass muss bekannter werden. Klaus Mertes, der die Diskussion moderierte, veranschaulichte mit Anekdoten wie der vom Diebstahl der Silberlöffel, wie barmherzig Haass war. Er setzte sich nicht nur für leichtere Fesseln und bessere medizinische Betreuung bei Strafgefangenen ein, er verwendete auch sein Vermögen auf die Armen. Mertes findet, dass er mit seinem Handeln erfolgreich war und die Welt als eine bessere zurückließ: Doktor Haass habe Menschen „Humanität durch Barmherzigkeit“ beigebracht.

Umrahmt wurde der Abend mit Musik aus der Deutschen Schule Moskau, die nach Friedrich Joseph Haass benannt ist. Zuletzt wurde das Lied „Imagine“ von John Lennon gesungen. Der Botschafter, der nach dem Gespräch noch zu einem Empfang lud, wies auf den Bezug der Verse zu Haass hin, der sich zeitlebens gegen Willkür, Grausamkeit und Folter eingesetzt hatte: „You may say, I’m a dreamer – but I’m not the only one“ – Diese Zeile passe auch auf Haas. Mit seiner Arbeit habe der Arzt zur Humanisierung des Strafvollzuges beigetragen, auch wenn damals wenige an ihn glaubten. Umso wichtiger sei es, ihn heute nicht zu vergessen.


© Deutsche Botschaft Moskau


Donnerstag, 21. April 2016, 19:00 Uhr

Lew-Kopelew-Abend in St. Petersburg
Anna-Achmatowa-Museum, Litejny Prospekt 53

Vortrag und Diskussion


Lew Kopelew

Aufbewahren für alle Zeit

Vortrag und Diskussion.

Der Name Lew Kopelew steht für Kultur und Völkerverständigung.
Sein wissenschaftliches Hauptwerk, das „Wuppertaler Projekt“, beschrieb Deutsche und Russen im Prisma der gegenseitigen Fremdwahrnehmung.
Der Historiker Dr. Gerd Koenen unternimmt im Gespräch mit dem ARD-Journalisten Thomas Roth und Petersburger Weggefährten eine Annäherung an die Person des großen Denkers und Humanisten.


Plakat der Veranstaltung


Veranstalter: Lew Kopelew Forum e.V., Anna-Achmatowa-Museum


Sprache: Deutsch /Russisch. Altersfreigabe: 16 +


Veranstaltungshinweis des Generalkonsulates Sankt Petersburg


Website der Deutschen Woche in Sankt Petersburg

Eintritt: 100 Rubel, Karten an der Abendkasse
Kontakt: Anastassija Oserskaja,

Tel.: +7 (812) 272 5758
anastasia.ozerskaya@gmail.com



Dienstag, 20. Oktober bis Samstag, 24. Oktober 2015


Lew Kopelews späte Rückkehr nach Russland und in die Ukraine

Auf Einladung der deutschen Botschaften in Russland und in der Ukraine
wird das Lew Kopelew Forum seinen Patron mit seinen Vorstellungen vom deutsch-russisch-ukrainischen Verhältnis in Moskau, Kiew und Charkiw vorstellen und zu einem Gespräch über die heutige Situation in beiden Ländern einladen.

Moderation an allen drei Orten: Prof. Dr. h.c. Fritz Pleitgen, Vorsitzender des Lew Kopelew Forums
sowie
einführender Vortrag: Prof. Dr.  Andreas Kappeler, Osteuropa-Historiker, Köln/Wien

Moskau, 20.10.2015, 19.00 Uhr


Patriot und Europäer

Lew Kopelew: Aufbewahren für alle Zeit

Begrüßung: Rüdiger von Fritsch, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Russland

Mit

Nikolai Karlowitsch Swanidse, russischer Fernsehjournalist und politischer Kommentator des Telekanals Rossija

Vladimir Lukin, eh. Menschenrechtsbeauftragter des russischen Präsidenten und Vorsitzender des Nationalen Paralympischen Komitees Russlands

Pinchas Goldschmidt, Oberrabbiner von Moskau, Vorsitzender der Europäischen Rabbinerkonferenz

Kiew, 22.10.2015, 18.30 Uhr


Ein Aufklärer aus Kiew

Lew Kopelew: Ukraine, Russland, Deutschland

Begrüßung: Dr. Christoph Weil, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in der Ukraine

Mit

Mustafa Dschemilow, Beauftragter des Präsidenten der Ukraine für die Rechte der Krimtataren

Dr. Andreas Umland, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Euro-Atlantische Kooperation

Jewgenij Zacharow, Leiter der Menschenrechtsgruppe Charkiw

Sprachen: Deutsch und Ukrainisch mit Simultandolmetschung

Charkiw, 24.10.2015, 15.00 Uhr


Aufklärer und Brückenbauer

Lew Kopelew: Ukraine, Russland, Deutschland

Begrüßung: Dr. h.c. Wolfgang Mössinger, Generalkonsul der Bundesrepublik Deutschland in Donezk mit Sitz in Dnipropetrowsk.

Mit

Jewgenij Zacharow, Leiter der Menschenrechtsgruppe Charkiw

Serhij Zhadan, ukrainischer Schriftsteller, Dichter, Übersetzer, Autor und Sänger der Rockband „Hunde im Weltall“

Sprachen: Deutsch und Ukrainisch mit Simultandolmetschung

anschl.: Konzert der Gruppe „Hunde im Weltall“



Der Kölner Stadtanzeiger zu diesen Veranstaltungen



Sonntag, 09. April 2017, 17:30 Uhr

Abend in St. Petersburg, Russland
im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Deutsche Woche in Sankt Petersburg“

im Anna-Achmatowa-Museum, Litejny Prospekt 53


Lew Kopelew und Heinrich Böll

Eine deutsch-russische Freundschaft im 20. Jahrhundert

Mitveranstalter: Anna-Achmatowa-Museum, Deutsches Generalkonsulat in Sankt Petersburg, Heinrich-Böll-Stiftung Moskau

Einst waren sie Kriegsgegner und „haben aufeinander geschossen“. Und doch haben sie den Weg zu Versöhnung und tiefer Freundschaft gefunden. Kann der mühsame Weg der beiden Humanisten und Schriftsteller noch heute Orientierung für uns sein? Versöhnung also statt Ausgrenzung. zum Beispiel als „ausländische Agenten“?

Unter Moderation von Thomas Roth, dem Vorsitzenden des Lew Kopelew Forums Köln, diskutieren deutsche und russische Freunde und Weggefährten von Böll und Kopelew.

Was bedeuten diese Schicksale im so tragischen 20. Jahrhundert auch für die junge Generation beider Länder heute?

Dieser Erinnerungs- und Zukunftsarbeit widmet sich das Lew Kopelew Forum gemeinsam mit der befreundeten Organisation „Memorial“, die 2002 den „Lew Kopelew Preis für Frieden und Menschenrechte“ verliehen bekam. Die Fragen sind: Wie finden wir wieder zu einem unverstellten und ehrlichen Blick auf die gemeinsame Geschichte? Wie finden wir auch in schwieriger Zeit wieder besser zueinander - und den friedlichen Weg in ein gemeinsames europäisches Haus der Versöhnung, der gegenseitigen Achtung, eingebettet in die gemeinsame europäische Geschichte?

Solche Fragen haben Lew Kopelew immer umgetrieben. Er würde heute, am 9. April, seinen 105. Geburtstag feiern

Kontakt

Lew Kopelew Forum
Neumarkt 18a
50667 Köln


Tel. (0221) 2 57 67 67
Fax. (0221) 2 57 67 68
info@c8bbc5a7e8814d17905afef470bcb0c4kopelew-forum.de  

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