Veranstaltungen 2016

Montag, 01. Februar 2016, 19.00 Uhr

Buchvorstellung, Filmvorführung und Podiumsdiskussion

Hörsaal II im Hauptgebäude der Universität zu Köln,
Albertus-Magnus-Platz, 50923 Köln

Jegor Gajdar

Der Untergang eines Imperiums


Springer Gabler, Wiesbaden 2016
Übersetzung: Vera Ammer

Der ehemalige russische

Premierminister Jegor Gajdar über die Umbrüche der 1990er Jahre
Posthum in deutscher Sprache veröffentlicht

Veranstalter: Jegor-Gaidar-Stiftung, Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit, Cologne-Bonn Center for
Central and Eastern Europe - CCCEE, Lew Kopelew Forum, Verlag Springer Gabler



Wirtschaftsreformen Anfang der 1990er Jahre – die Lehren von Jegor Gajdar und das heutige Russland

Vortrag in russischer Sprache von Prof. Dr. Jewgenij Gontmacher

Simultanübersetzung: Nadja Simon und Alexander Korolkow

Prof. Jewgenij Gontmacher, 1992 - 2003 u.a., stellv. Minister für soziale Aufgaben, seit 2008 Vorstandsmitglied des Instituts für moderne Entwicklung (INSOR), seit 2009 - Vizedirektor des Instituts für Weltwirtschaft und Internationale Beziehungen der Russischen Akademie der Wissenschaften und seit 2012 Mitglied des Komitees für bürgerschaftliche Initiativen.

Podiumsteilnehmer:

Dr. Vera Ammer, einige Worte zur Übersetzungsarbeit

Karl-Heinz Paqué, Universität Magdeburg, Economics Editor der deutschen Ausgabe; eh. Minister der Finanzen des Landes Sachsen-Anhalt

Prof. Dr. Joachim Zweynert, Universität Witten/Herdecke, NRW

Moderation: Julius von Freytag-Loringhoven, Leiter Büro Moskau der Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit

Dokumentarfilm von Alexej Piwowarow:

Jegor Gajdar. Der Untergang des Imperiums, RU 2013, 60‘, OFmdtU

„Es gibt nur wenige Menschen, die in Zeiten des Umbruchs gegen viel Widerstand ruhig, zielgerichtet und konsequent bleiben. Gajdar war so ein Mensch“, schreibt der Vizepräsident des Europäischen Parlaments Alexander Graf Lambsdorff im Vorwort des gerade auf Deutsch erschienenen Sachbuchs „Der Untergang eines Imperiums“.


Jegor Gajdar, ab 1991 russischer Wirtschaftsminister und später kommissarischer Premierminister unter Staatspräsident Boris Jelzin, war nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion einer der Väter der marktwirtschaftlichen Reformen in seinem Land. Als er 2009 starb, hinterließ er der Nachwelt ein faszinierendes Manuskript, das jetzt erstmals in deutscher Sprache vorliegt. Schonungslos schildert Gajdar darin, wie die sowjetische Planwirtschaft in den 1980er Jahren immer mehr in die Krise geriet und auf welche Schwierigkeiten die anschließenden Reformen stießen. Dabei legt er nicht nur eine scharfsinnige Analyse jener ökonomischen Transformation vor, sondern weitet als Wissenschaftler und Wirtschaftsjournalist auch den Blick auf den Niedergang von Imperien im Allgemeinen. Damit liefert er ein wichtiges Werk – auch für das Verständnis der Vorgänge in Putins Russland sowie in anderen Teilen Mittel- und Osteuropas.

Jegor Gajdar „muss man für das russische Wirtschaftswachstum der 2000er Jahre verantwortlich machen“, so Alexander Graf Lambsdorff weiter. „Durch entschlossene marktwirtschaftliche Reformen habe er Russland Anfang der 1990er-Jahre vor dem Abgleiten in einen Bürgerkrieg bewahrt und gleichzeitig die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass das Land zu einer Marktwirtschaft mit großem Potenzial werden konnte: „Dass dieses Potenzial bis heute nicht verwirklicht wird, ist nicht Gajdar zuzuschreiben, sondern seinen Nachfolgern.“ Gajdar habe gewusst, dass Freiheit und Eigenverantwortung als Grundlagen für eine neue, stabilere Gesellschaftsordnung und für eine erfolgreiche Wirtschaft in Russland nötig sind.

Das Buch aber ist nicht nur eine spannende Chronik der Vergangenheit, sondern behandelt auch zwei Probleme, die aktueller nicht sein könnten: die Absage an ein Imperium als Voraussetzung für das Überleben in einer neuen Welt sowie den Fluch der Rohstoffwirtschaft. Gajdar verdeutlicht, dass eine blühende Zukunft Russlands in Reichtum, Freiheit und Fortschritt nur mit einer Absage an eine aggressive Außenpolitik funktionieren kann.

Jegor Gajdar (1956-2009) war russischer Politiker und Ökonom. Als Wirtschaftsminister und kommissarischer Ministerpräsident von Russland während der Rubelkrise war er der Architekt der einschneidenden Wirtschaftsreformen Anfang der 1990er Jahre – der so genannten „Schocktherapie“.

Eintritt frei


Dienstag, 02. Februar 2016, 19.00 Uhr


Buchvorstellung und Gespräch


Robert Kindler

Stalins Nomaden

Herrschaft und Hunger in Kasachstan

Hamburger Edition, Hamburg 2014

Moderation: Maria Birger, Osteuropahistorikerin, LKF-Beirat, und

Katharina Heinrich, Osteuropahistorikerin, freie Journalistin, LKF-Beirat

In Stalins Sowjetunion durfte es keine Nomaden geben. Sie waren weder politisch noch ökonomisch kontrollierbar; staatliche Herrschaft ließ sich daher kaum durchsetzen. Deshalb begannen die Bolschewiki Ende der 1920er Jahre damit, die multiethnische Bevölkerung Kasachstans mittels Sesshaftmachung, Kollektivierung und Dekulakisierung zu unterwerfen. Die Requirierung der landwirtschaftlichen Ressourcen, vor allem der Viehherden, zerstörte die Lebensgrundlagen der kasachischen Nomaden. Die Ökonomie der Steppe brach zusammen. Eine präzedenzlose Hungerkatastrophe, die zwischen 1930 und 1934 mehr als eineinhalb Millionen Menschen das Leben kostete und Hunderttausende zu Flüchtlingen machte, war die Folge.


Sowjetisierung durch Hunger - so nennt Robert Kindler das Projekt der Bolschewiki, Menschen durch die Inszenierung von Krisen in gehorsame Untertanen zu verwandeln. Je größer die Krise, je schlimmer Chaos und Elend waren, desto größer wurde die Macht der Herrschenden.

Dr. phil. Robert Kindler, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Geschichte Osteuropas der Humboldt‑ Universität zu Berlin und Redakteur für ost‑europäische Geschichte bei H-Soz-Kult (Humanities – Sozial und Kulturgeschichte). 2013 erhielt er für seine Dissertation den Johann‑Gustav‑Droysen‑Preis vom Förderverein des Instituts für Geschichtswissenschaften der Humboldt‑Universität zu Berlin.

UKB: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger


Dienstag, 23. Februar 2016, 19.00 Uhr


Politische Gespräche im Forum


Gezeitenwechsel

Polen unter der national-konservativen Regierung

Reinhold Vetter, Publizist und Sachbuchautor

im Gespräch mit

Elisabeth Weber, LKF-Beirat, und

Robert Baag, Redakteur Deutschlandfunk


Bei den letzten Parlamentswahlen in Polen, die am 25. Oktober 2015 stattfanden, gewann die nationalkonservative Partei Recht und Gerechtigkeit, PiS – Prawo i Sprawiedliwość, mit 37,6 % die Wahl und erhielt mit 235 der 460 Mandate im Sejm eine absolute Mehrheit. Seit dem 16. November 2015 regiert (erstmals in der Geschichte der Dritten Polnischen Republik) eine von einer einzigen Partei allein getragene Regierung, das Kabinett Beata Szydło. Polens Nationalkonservative von Jarosław Kaczyński haben den größten Sieg ihrer Parteigeschichte errungen und besetzen nun alle politischen Schaltstellen. Mit großem Tempo sind sie darangegangen, Politik, Wirtschaft, Kultur und Medien umzugestalten. Die Opposition im Inland und die EU werfen ihnen laut vor, Verfassungsgrundsätze, Rechtstaatlichkeit, Pluralismus und Toleranz wenig zu beachten.

PiS verdankt ihren Sieg vor allem dem Aufbegehren der jungen Generation, dem Unmut der sozial Schwachen und dem in ländlichen Regionen weit verbreiteten Hass auf die selbstherrlichen politischen und ökonomischen Eliten in den Städten. Aber es gibt auch Widerstand: in der Politik, auf der Straße, in den Medien. Die EU will ein Rechtstaatsverfahren einleiten. Auf lange Sicht ist auch das Szenario denkbar, dass Kaczyński und seine Mitstreiter so viel Unmut herrufen, dass sie die ganze Legislaturperiode von vier Jahren nicht durchhalten und, wie 2007, wieder abgewählt werden.

Reinhold Vetter ist ein deutscher Journalist und Publizist. Nach mehreren Jahren als Korrespondent in Warschau und Budapest lebt er derzeit als freier Wissenschaftler und Autor in Berlin und Warschau. Sein Arbeitsschwerpunkt bildet sowohl Zeitgeschichte als auch Politik und Wirtschaft in Ostmitteleuropa. Neben den zu diesen Themen veröffentlichten Büchern (Wohin steuert Polen. Das schwierige Erbe der Kaczynskis, Ch. Links, Berlin 2008; Polens eigensinniger Held. Wie Lech Walesa die Kommunisten überlistete, BWV, Berlin 2010; Ungarn: Ein Länderporträt, Ch. Links Verlag, Berlin 2012; Bronislaw Geremek. Der Stratege der polnischen Revolution, BWV, Berlin 2014) und Artikeln in Fachzeitschriften zeigt er sich auch für Kunstreiseführer über Polen und Schlesien verantwortlich

UKB: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger



Dienstag, 01. März 2016, 19.00 Uhr

Vorstellung der Buchreihe und Podiumsgespräch


Deutsch-Polnische Erinnerungsorte

Vorstellung der Buchreihe und Podiumsgespräch

mit den Herausgebern


Hans Henning Hahn und

Robert Traba

In Zusammenarbeit mit Maciej Górny und Kornelia Kończal, Ferdinand Schöningh Verlag Paderborn 2011-2015

Moderation: Michael Hesse, Politikredaktion des „Kölner Stadt-Anzeiger“



117 Autoren, neun Bände (fünf auf Deutsch, vier auf Polnisch): Das größte gemeinsame Projekt im Bereich der Geisteswissenschaften ist inzwischen abgeschlossen. Es stellt ein wohl präzedenzloses Beispiel für die Vitalität des deutsch-polnischen Wissenschaftsdialoges dar. Das Projekt wurde seit 2006 am Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Zusammenarbeit mit der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg realisiert. Es stellt gleichzeitig einen paradigmatisch wichtigen Fortschritt für die Erforschung der deutsch-polnischen Beziehungsgeschichte sowie auch einen Beitrag zur europäischen Forschungsdebatte über das kollektive Gedächtnis dar.

Erinnerungsorte sind keine topographischen Orte, sondern historische Bezugspunkte der kulturellen Identität einer Gesellschaft - Personen, Ereignisse, Orte und Regionen, historische Phänomene.

Das Projekt behandelt zum ersten Mal die Bilateralität kollektiven Erinnerns in Europa. Es macht die Dimension von Nachbarschaft für historisches Wissen deutlich, denn man kann deutsche Geschichte nicht ohne die Kenntnis der polnischen und polnische Geschichte nicht ohne die Kenntnis der deutschen verstehen.

Zu den geteilten und gemeinsamen Erinnerungsorten gehören Personen wie Friedrich der Große, Karl Marx, Nikolaus Kopernikus oder Bismarck, Ereignisse wie der Erste Weltkrieg, die Schlacht bei Tannenberg, der Ghettoaufstand in Warschau 1943 und der Warschauer Aufstand 1944, Orte, Länder und Regionen wie Annaberg und Lodz, Schlesien und Sachsen, Frankreich, Russland und die Türkei. Die parallelen Erinnerungsorte machen deren Funktion in den beiden Identitätsdiskursen sinnfällig, sei es Goethe und Mickiewicz als die jeweiligen Nationaldichter, die beiden Missionare Bonifatius und Adalbert oder die Komponisten Beethoven und Chopin, bis hin zu den Lieblingsautos Käfer, „Maluch“ und Trabi.

Die Herausgeber betonen, dass sie sich nicht nur an ein wissenschaftliches Fachpublikum richten. Das Projekt Deutsch-Polnische Erinnerungsorte soll auch den Kreis interessierter Leser/innen mit und ohne Vorkenntnisse über die deutsch-polnische Geschichte erreichen. Das Heraustreten aus der deutsch-polnischen Fachnische erscheint möglich und denkbar, weil die Auswahl der parallelen Erinnerungsorte viele Ansätze zur Diskussion bietet. So reicht das Spektrum der Texte von Politik- und Militärgeschichte, über Literatur, Musik und Sport bis zur Alltagsgeschichte. Auch die Erinnerungen der DDR-Gesellschaft wurden berücksichtigt; ebenfalls die Erinnerungen der jüdischen Teile der jeweiligen Gesellschaften. Es ist gerade diese Erweiterung eines allzu akademischen Verständnisses von Erinnerungskultur, die das Schmökern in diesen Bänden zu einem
Vergnügen macht.

Prof. Dr. Hans Henning Hahn ist Professor für Moderne Osteuropäische Geschichte an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg; im Mittelpunkt seiner Forschungsarbeit liegen die polnische Geschichte sowie Fragen der Gedächtniskultur und der Historischen Stereotypenforschung.

Prof. Dr. Robert Traba, Historiker, Kulturforscher, aktuell Direktor des Zentrums für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften, als Vorsitzender der Kulturgemeinschaft „Borussia“ Preisträger des Lew Kopelew Preises 2004.

Michael Hesse ist Redakteur in der Politikredaktion des „Kölner Stadt-Anzeiger“ mit Schwerpunkt Ethik und Wissenschaften und schreibt zugleich für die „Berliner Zeitung“ und die „Frankfurter Rundschau“. In Köln studierte er Philosophie, Geschichte und Politische Wissenschaft. Anschließend arbeitete er als freier Journalist für die „Süddeutsche Zeitung“ und die „Neue Zürcher Zeitung“.

UKB: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger


Sonntag, 06. März 2016, 20:00 Uhr


Literatur-Nobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch in Köln


Ort: Schauspiel Köln im Depot, Schanzenstraße 6-20, 51063 Köln


Literatur-Nobelpreisträgerin

Swetlana Alexijewitsch in Köln

Veranstaltungspartner: Lew Kopelew Forum, WDR 3, Augenklinik am Neumarkt, Buchhandlung Klaus Bittner, Stadtgarten, Heinrich-Böll-Stiftung

Swetlana Alexijewitsch erhält die Auszeichnung für ein Werk, „das dem Leiden und dem Mut in unserer Zeit ein Denkmal setzt“ (Schwedische Akademie). Die belarussische Autorin gibt den Menschen eine Stimme. Wortwörtlich: In dokumentarischer Prosa, Kurzgeschichten und Theaterstücken, in Reportagen und Essays collagiert sie Interviews, versammelt Wortbeiträge – und äußert sich selbst unverblümt zur Lage in Minsk wie in Moskau. Mit lebensnaher Poetik verleiht Alexijewitsch den Veteranen des sowjetischen Afghanistankrieges oder den Opfern der Katastrophe von Tschernobyl Gehör, während sie selbst den Repressionen in ihrem Heimatland trotzt. Der größte Preis der literarischen Welt krönt ihr engagiertes Schaffen.


Friedenspreisträger Navid Kermani und Guy Helminger befragen Swetlana Alexijewitsch im Rahmen des traditionsreichen Literarischen Salons.

Ein Mitschnitt ist am 13. März 2016 um 19.05 Uhr in WDR 3 nachzuhören.

Eintritt: 17,00 / 9,00 € | VVK über Schauspiel Köln, 0221 221 28 400


Montag, 14. März 2016, 19:00 Uhr

Aktuelles Podiumsgespräch


Zwei Jahre nach dem Euromajdan: Hybrider Krieg, ökonomischer Niedergang und politische Krise in der Ukraine


Im Gespräch: Andreas Umland (Kiew) und Gerhard Simon (Köln).

Zwei Jahre nach dem erfolgreichen Aufbruch der Bürger auf dem Majdan in Kiew ist die Bilanz gemischt: Die Integration nach Westen ist ein gutes Stück vorangekommen. Die Aggression Russlands im Osten des Landes wurde durch den Aufbau einer Armee zwar abgewehrt, aber es wird fast täglich geschossen. Ukrainische Soldaten werden weiterhin getötet und verwundet. Gleichzeitig bleiben die Reformen im Inneren hinter den Erwartungen zurück, in der Korruptionsbekämpfung gibt es nur geringe Erfolge, die Justiz boykottiert Prozesse.


Mitte Februar zerfiel die Regierungskoalition, ein Misstrauensvotum gegen die Ministerpräsidenten scheiterte allerdings. Die Empörung über die politische Klasse wächst, die innenpolitische Temperatur steigt. Die Autorität von Präsident Poroschenko schwindet. Wie wird es weitergehen? Eine der möglichen Optionen sind Neuwahlen. Werden sie mehr Stabilität bringen?


Die westlichen Partner, auf die das Land wirtschaftlich und politisch angewiesen ist, fordern eine handlungsfähige Regierung in Kiew. Westliche Investitionen, die Wirtschaftswachstum bringen könnten, werden sowohl durch den hybriden Krieg Moskaus, als auch durch die Reformverschleppung und politischen Streit in Kiew behindert.


Überfordert der Westen die Ukraine mit seinen Erwartungen, was die Implementierung des Minsker Abkommens und Reformfortschritte betrifft? Andererseits: Nur fortgesetzter Druck der westlichen Partner und der ukrainischen Zivilgesellschaft verspricht Fortschritte im Kampf gegen Oligarchenherrschaft und die damit verbundene Korruption.


Dr. Dr. Andreas Umland ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Euro-Atlantische Kooperation in Kiew und Herausgeber der Buchreihe „Soviet and Post- Soviet Politics and Society“ beim ibidem-Verlag Stuttgart.


Prof. Dr. Gerhard Simon ist außerplanmäßiger Professor für Osteuropäische Geschichte an der Universität zu Köln und Mitglied des Lew Kopelew Forums.


UKB: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger



Mittwoch, 16. März 2016, 19:00 Uhr

Podiumsdiskussion


Wer sind diese Russlanddeutschen?!

Eine Podiumsdiskussion über ein aktuelles Thema mit


Prof. Dr. Jannis Panagiotidis


und Boris Reitschuster

Als Katharina die Große Kolonisten für ihr Russisches Reich suchte, wurde sie in den deutschen Fürstentümern fündig. Sie sollten die Weiten des Imperiums wirtschaftlich erschließen. Mit ihrer eigenen Sprache, Kultur und ihren Traditionen stellten sie in Russland eine besondere Bevölkerungsgruppe dar, deren politische, wirtschaftliche und kulturelle Leistungen zu einem bedeutenden Kapitel der russischen Geschichte geworden sind. Während der Sowjetzeit unterdrückt, kehrten ihre Nachkommen nach dem Zusammenbruch der UdSSR wieder nach Deutschland zurück. Natürlich brachten sie die akkulturierten dortigen Gepflogenheiten und ihre Ehepartner in ihre neue alte Heimat mit. Inzwischen leben sie gut integriert fast schon „auffällig unauffällig“ – wie die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland neulich schilderte. Auch der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen Christoph Berger lobte noch 2013: „Diese Erfolgsgeschichte verdient eine größere Aufmerksamkeit in unserer Gesellschaft“.

Große Aufmerksamkeit wurde den Russlanddeutschen tatsächlich erst dann zuteil, als seitens des russischen Staates im Zuge seiner hybriden Kriegsführung der Versuch unternommen wurde, diese Menschen zu instrumentalisieren. Der Fall des angeblich vergewaltigten Mädchens „Lisa“ ging durch die deutsche Öffentlichkeit und stellte die Fragen der Integration, Manipulation durch russischsprachige Medien und Ausspielung der Migrantengruppen gegeneinander neu auf. Über die realen Gefahren, Chancen und Auswirkungen diskutieren:

Prof. Dr. Jannis Panagiotidis, Soziologe, seit September 2014 Inhaber der Juniorprofessur für Russlanddeutsche, Migration und Integration von Russlanddeutschen am IMIS (Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien), Universität Osnabrück


Boris Reitschuster, langjähriger Leiter des „Fokus“-Büros in Moskau, Autor, Russlandexperte, u.a. Autor des Bestsellers: „Putins Demokratur“

Moderation: Katharina Heinrich, Osteuropahistorikerin, Journalistin, LKF-Beirat,
Felix Riefer, Osteuropahistoriker, Politologe, LKF-Beirat

UKB: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger



Dienstag, 22. März 2016, 19:00 Uhr

Filmvorführung


Die letzten Zeugen des Gulag

Dokumentarfilm 2014, 60 Min., HD,

Dt. Fassung mit engl. u. russ. Untertiteln

Autoren: Dean Cáceres, Lars Henze, Kamera: Richard Marx

Regisseur Dean Cáceres

im Gespräch mit
Dr. Vera Ammer, LKF-Beirat, Vorstandsmitglied Memorial International

Eine gemeinsame Veranstaltung der Gesellschaft „Memorial“ und dem Lew Kopelew Forum


Der Film begibt sich auf Spurensuche nach den letzten Überlebenden. Dabei führt die Reise von den Erschießungsplätzen Butowo und Sandarmoch bis an die äußersten Grenzen der Zivilisation. Auf den Solowki-Inseln wurde das Gründungskloster der orthodoxen Kirche zum „arktischen Auschwitz“, wie Solschenizyn es nannte.

„Ich bin damit nicht fertig geworden – damit kann man nicht fertig werden.“ Die Eltern von Valentina Alexandrowna Tichanowa verschwanden, als sie ein Kind war. Man erschoss sie in einem der Gulag-Straflager, wohin unter der Terrorherrschaft Stalins Millionen verschleppt wurden. Etwa 10 Prozent der Häftlinge starben.

Zu Wort kommen auch, unter anderem, Mitglieder der deutschen „Lagergemeinschaft Workuta“, der Maler Jewgeni Uchnaljow, die Schriftstellerin Tamara Petkevich und der Verleger Semyon Vilensky. Ihre Geschichten zeugen von den schrecklichen Lagerbedingungen, aber auch von einem unbändigen Willen zu überleben. Die Kunst war ein wichtiger Faktor dabei. Der Film zeigt wertvolle Zeichnungen aus der Sammlung der Gesellschaft Memorial Moskau und dokumentiert außerdem ein historisches Zusammentreffen der Überlebenden. Memorial hat zahlreiche Biografien und Interviews mit Zeitzeugen dokumentiert, einige dieser Materialien sind auch in deutscher Übersetzung zugänglich, sowie die erste Gulag-Ausstellung in Deutschland konzipiert und erstellt, die mittlerweile an etlichen Orten gezeigt worden war (Neuhardenberg, Weimar, Berlin, Leipzig, Schwerin). Bei den Eröffnungen waren die Zeitzeugen jeweils Ehrengäste. Die Bewältigung ihrer Vergangenheit bleibt für sie eine Lebensaufgabe.

UKB: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger



Mittwoch, 13. April 2016, 19:00 Uhr

Vortrag


Tagebuch aus der Ukraine

Vortrag mit Lichtbildern von


Bernhard Clasen

Bernhard Clasen, seit Januar 2014 Korrespondent für die taz in Kiew, berichtet über die Ukraine, seine Besuche in Städten wie Odessa, Donezk, Charkow, Lugansk, Saporoschje, Energodar, Dnepropetrowsk, Mariupol und Kiew.

Er wird erzählen über seine Gespräche mit Befürwortern und Gegnern der Maidan-Bewegung, die Stimmung im Osten, im Westen und dem Süden des Landes.

Das Gespräch mit Bernhard Clasen wird moderiert von

Elisabeth Weber, LKF-Beirat, und Prof. Gerhard Simon, Universität zu Köln


UKB: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger


Montag, 18. April 2016, 19:00 Uhr


Podiumsdiskussion


Wer sind diese Russlanddeutschen?!


Teil II.

(Teil I. – siehe: www.kopelew-forum.de, 16.03.2016)

Podiumsdiskussion mit:

Viktor Krieger, Experte für Geschichte und Kultur der Deutschen im Russischen Reich und in der Sowjetunion,

Lehrbeauftragter am Seminar für Osteuropäische Geschichte, Universität Heidelberg

und

Alexander Reiser, Journalist, Autor von Kurzgeschichten, Gründer und Sprecher vom Verein „Vision“, der Spätaussiedler aus Russland betreut

Moderation: Katharina Heinrich, Osteuropahistorikerin, Journalistin, LKF-Beirat

Felix Riefer, Osteuropahistoriker, Politologe, LKF-Beirat

Der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen Christoph Berger lobte 2013 die inzwischen vollzogene Integration der Aussiedler als eine „Erfolgsgeschichte“, die „eine größere Aufmerksamkeit in unserer Gesellschaft“ verdient.

Große Aufmerksamkeit wurde den Russlanddeutschen tatsächlich zuteil, allerdings erst dann, als seitens des russischen Staates im Zuge seiner hybriden Kriegsführung der Versuch unternommen wurde, diese Menschen zu instrumentalisieren. Der Fall des angeblich entführten und vergewaltigten Mädchens „Lisa“ ging durch die deutsche Öffentlichkeit und stellte die Fragen der Integration, Manipulation durch russischsprachige Medien und Ausspielung der Migrantengruppen gegeneinander neu auf.

UKB: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger


Dienstag, 19. April 2016, 19:00 Uhr


Podiumsgespräch


Russland auf dem Balkan

Eine Alternative zur EU-Integration Südosteuropas?

Podiumsgespräch mit

Dr. Dušan Reljić, Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin





Einführung und Moderation: Tobias Flessenkemper, Südosteuropa-Gesellschaft, Leiter Zweigstelle Köln

Eine Veranstaltung der Südosteuropa-Gesellschaft e.V. Zweigstelle Köln, des Lew Kopelew Forum e.V. und der Europa-Union Köln e.V.

Die aktuelle europäische Grenzkrise hat die Bedeutung des westlichen Balkans als Schnittstelle zwischen der Europäischen Union und der östlichen und südlichen Nachbarschaft auf dramatische Weise wieder ins öffentliche Bewusstsein gerückt. In der EU-Nachbarschaft ist Russland an militärischen Konflikten beteiligt, die die Region destabilisieren. Gleichzeitig scheint die EU-Integration der Staaten Südosteuropas blockiert. In der außenpolitischen Reaktion auf den Krieg in der Ukraine hat Russland um Unterstützung bei den Balkanländern geworben, sich nicht den EU-Sanktionen anzuschließen: Mit Erfolg – Serbien, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina haben sich nicht der EU-Position angeschlossen. Russland umwirbt die politischen Eliten in der Region mit der Aussicht auf Investitionen und die Gesellschaften mit einer Kritik „westlicher Werte“. Einer Kritik, die auch in EU-Mitgliedstaaten wie Ungarn verfängt.

Wird Südosteuropa zu einer Zone der wirtschaftlichen, ideologischen und sicherheitspolitischen Auseinandersetzung zwischen Russland und der EU? Spielen die politischen Eliten aus der Region Russland und die EU gegeneinander aus, um ihre Position zu sichern und Reformen zu vermeiden? Entsteht ein sicherheitspolitisches Spannungsfeld in der Region? Diese und weitere Fragen stehen im Mittelpunkt des Abends mit Dušan Reljić, Westbalkan-Experte und Leiter des Brüsseler Büros der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP).


UKB: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger


Sonntag, 24. April 2016, 14:00 Uhr

Ort: Aula II. des Hauptgebäudes der Universität zu Köln, Albertus-Magnus-Platz,
50923 Köln


Russland wachrütteln

Schanna Nemzowa

über ihren Vater, ihr neues Buch und das Russland von heute –

im Gespräch mit Ingo Mannteufel,

Hauptabteilungsleiter Osteuropa u. Leiter der Russland-Redaktion der DW und

Felix Riefer (Moderation), Politologe, LKF-Beirat

Nadja Simon, konsekutive Übersetzung

Mitveranstalter: Cologne-Bonn Center for Central and Eastern Europe - CCCEE

Schanna Nemzowa, Russland wachrütteln, Ullstein-Verlag; übersetzt von Boris Reitschuster, erschienen am 12.02.2016

Eintritt frei



Mittwoch, 27. April 2016, 19:00 Uhr

Kamingespräch in der deutschen Botschaft in Moskau


Friedrich Joseph Haass – Barmherziger Samariter von Moskau


Freitag, 29. April 2016, 19:00 Uhr


Georgischer Abend


Der nationale Geist in Versen


Taras Schewtschenko und

Ilja Tschawtschawadse

Vortrag in englischer Sprache von

Tornike Metreweli

simultane Flüsterübersetzung von Heike Buerschaper und Almute Löber


In Zusammenarbeit mit der georgischen Hochschulgruppe "Aisi" der Uni Köln

Moderation und Gespräch mit dem Publikum:

Nino Burdiladse, Vorsitzende von „Aisi“
Übersetzung aus dem Georgischen: Nino Högner-Loladse

Der georgische Soziologe Tornike Metreveli vergleicht die Rollen, welche die beiden Dichter und antikolonialen (antizaristischen) Intellektuellen - der Georgier Ilja Tschawtschawadse (1837-1907) und der Ukrainer Taras Schewtschenko (1814-1861) - innerhalb ihrer nationalen Traditionen in Georgien und in der Ukraine gespielt haben. In der Zeit ihres Wirkens befanden sich beide Länder unter der Kolonialherrschaft des zaristischen Russlands.

Aus eigener leidvoller Erfahrung riefen sie ihre Landsleute zum „Aufwachen“ und zum „Aufstand“ gegen das Imperium und dessen Repressionen auf, kritisierten die soziale Apathie der Gesellschaft und schärften das Bewusstsein für die jeweilige historische Vergangenheit ihrer Nation. Die Nichtakzeptanz der Gegenwart und der Glaube an die souveräne Zukunft ihrer Länder waren dominierende Themen ihrer Dichtung und Prosa.

Wie wichtig Tschawtschawadse und Schewtschenko für ihre Länder heute sind, zeigte sich in den politischen Diskursen nach der Rosenrevolution in Georgien (2003) und nach der Orangen Revolution in der Ukraine (2004), als ihre Verse jeweils zu revolutionären Parolen wurden.

Im Westen jedoch gibt es bis heute erstaunlich wenig wissenschaftliche Abhandlungen über das Werk und die Aktivitäten beider Schriftsteller und ihren Einfluss auf die nationale Mobilisation in der Ukraine und in Georgien, obgleich beide Länder oft in den Kommentaren zur gegenwärtigen Kultur und Politik in gleichem Atemzug erwähnt werden. Im Vortrag wird versucht, diese Lücke zu schließen und die Beziehung zwischen Literatur und sozialer Mobilisation im Zarenreich des 19.Jh. zu verstehen.

Zur Theorie über die Rolle von Dichtern in der antikolonialen und nationalen Bewegung bezieht sich Tornike Metreweli auf die Schriften von Benedict Anderson, John Hutchinson sowie Rory Finnin und problematisiert Miroslav Hrochs Drei-Phasen-Modell der Entwicklung nationaler Bewegungen.

Des Weiteren wird auf die Bedeutung von „cultural nationalists“ (John Hutchinson) hingewiesen, um ein Verständnis für die gegenwärtigen nationalen Diskurse in der georgischen und ukrainischen Gesellschaft zu ermöglichen. Obwohl in unterschiedlichen Perioden der Geschichte des russischen Kaiserreiches tätig, riefen sie ihre Landsleute zu einer ähnlich modernen Form des politischen Engagements auf und unterstützten sie in ihrer antikolonialen Mobilisierung, wenn auch mit unterschiedlichen politischen Ergebnissen.

Tornike Metreveli arbeitet z.Z. an der Universität Bern als Doktorand im Fach Soziologie unter der Leitung von Prof. Christian Joppke. Vorher hatte er einen Forschungsauftrag an der London School of Economics (LSE), in dessen Rahmen er walisische und schottische nationale Bewegungen nach der Dezentralisierung untersuchte. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter am House of Commons (UK) ging er den Fragen der steuerlichen Dezentralisierung und Steuerumverteilungspolitik in Wales nach. Seinen Master mit Auszeichnung erwarb er auf dem Gebiet der Nationalismus-Forschung an der Universität von Edinburgh.


UKB: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger



Dienstag, 03. Mai 2016, 19:00 Uhr

Gesprächsabend

Georgien heute


Ein Gesprächsabend

Vier Jahre nach der Abwahl der Regierung von Micheil Saakaschwili im Ergebnis einer demokratisch verlaufenen Wahl erscheint die politische Entwicklung Georgiens einer der wenigen „Lichtblicke“ in der von Krisen, autoritärer Herrschaft und überbordender Korruption geprägten „Östlichen Partnerschaft“ der EU zu sein. Das mit der EU assoziierte Land verfügt über echten politischen Pluralismus, eine lebendige Zivilgesellschaft, relativ freie Medien; und die dominierenden politischen Eliten von Regierung und Opposition betonen den unbedingten Willen zur weiteren Annäherung an die EU und an die NATO.

Doch ein halbes Jahr vor den am 8. Oktober anstehenden Parlamentswahlen droht die erneut aufflammende innenpolitische Polarisierung weiteren Fortschritt zu lähmen. Die wirtschaftlichen Daten sind schlecht; die soziale und regionale Ungleichheit nimmt zu. Während die Regierung auf positive Wirkungen der EU-Visaliberalisierung und auf eine Stärkung der NATO-Anbindung beim Warschauer NATO-Gipfel setzt, wächst in der Gesellschaft die Frustration als Nährboden antiwestlicher, antiliberaler Stimmen. Hinzu kommt die Sorge über die eigene Sicherheit in einer von Spannungen aufgeladenen Region: Wie gestaltet sich das Verhältnis zu den von Russland unterstützten und anerkannten Sezessionsregionen Abchasien und Südossetien, welche Auswirkungen hat die russisch-türkische Konfrontation, und wie wird Georgien vom Karabach-Konflikt in Mitleidenschaft gezogen?

Über die Fragen sprechen

Walter Kaufmann

Leiter der Ost- und Südosteuropa-Arbeit der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin und ehemaliger Büroleiter der Stiftung in Georgien

Nino Burdiladse

Vorsitzende der georgischen Hochschulgruppe „Aisi“ der Universität zu Köln

Moderation: Elisabeth Weber, LKF-Beirat

UKB: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger


Montag, 09. Mai 2016, 19.00 Uhr


Buchvorstellung und Gespräch


Erik Reger

Zeit des Überlebens

Tagebuch April bis Juni 1945

Transit Verlag, Berlin 2014

mit dem Herausgeber

Dr. Andreas Petersen

spricht

Maria Birger, Osteuropahistorikerin, LKF-Beirat

Dieses erstmals veröffentlichte Tagebuch von Erik Reger ist ein einzigartiges Dokument der Zeitenwende 1945. Es ist das minutiöse und unverfälschte Protokoll darüber, wie ein gewaltiger weltgeschichtlicher Umbruch (die Niederlage der NS-Herrschaft, das Kriegsende, der Sieg der Roten Armee und der Beginn einer anderen politischen Ordnung) in einem kleinen Dorf stattfindet und von seinen Bewohnern wahrgenommen wird. Detailliert wird darin erzählt, wie sich die Niederlage des NS-Regimes in Gerüchten ankündigt, wie Parteigenossen „Vorbereitungen“ für die Zeit danach treffen, wie sich die russischen Offiziere und Soldaten verhalten, was Flüchtlinge erlebt haben, wie schnell sich gerade linientreue Volksgenossen der neuen Ordnung anpassen. Reger und seine Frau blieben damals verschont, weil sein Roman „Union der festen Hand“ 1934 in der Sowjetunion veröffentlicht worden war, und er ein Exemplar davon (von seinem Verleger Ernst Rowohlt besorgt) den russischen Soldaten präsentieren konnte.

Erik Reger, (eigentlich Hermann Dannenberger) war vor und nach der Nazizeit einer der bekanntesten Schriftsteller und Journalisten in Deutschland. Im September 1945 wurde Erik Reger Lizenzträger, Herausgeber und Chefredakteur der Tageszeitung DER TAGESSPIEGEL. Er gilt als einer der Pioniere einer freien Presse nach der NS-Zeit. Er starb 1954 in Wien.

Dr. Andreas Petersen ist Historiker, Dozent an der Fachhochschule Nordwestschweiz und Betreiber der Geschichtsagentur zeit&zeugen. Seine letzte Publikation: „Deine Schnauze soll Dir in Sibirien zufrieren. Ein Jahrhundertdiktat. Erwin Jöris“ (2012)

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Donnerstag, 12. Mai 2016, 19.00 Uhr


Buchvorstellung und Gespräch mit dem Autor


Prof. Dr. Martin Aust

Polen und Russland im

Streit um die Ukraine


Konkurrierende Erinnerungen

an die Kriege des 17. Jahrhunderts

in den Jahren 1934 bis 2006

Otto Harrassowitz Verlag, 2009

In Kooperation mit dem Cologne-Bonn Center for Central and Eastern Europe

Moderation: Dr. Elisabeth Weber, LKF-Beirat, und Prof. Dr. Gerhard Simon, Osteuropa-Historiker, Uni Köln






Im 20. und frühen 21. Jahrhundert bezogen sich Historienfilme, Historienromane und Gedenktage in Polen, der Ukraine und Russland auf Kriege des 17. Jahrhunderts.

Worin lag in diesem Zeitraum die Aktualität der Kriege des 17. Jahrhunderts? Scheinbar hat in der jüngeren Vergangenheit vor allem die Frage, ob die Ukraine kulturell oder gar politisch entweder zu Polen oder zu Russland gehöre oder eine vollkommen eigenständige Existenz führe, den Erinnerungen an Kriege des 17. Jahrhunderts Relevanz verliehen. Das Buch untersucht, wie Politiker, Historiker und Künstler die Kriege des 17. Jahrhunderts vergegenwärtigt haben. Dabei geht es auch um die Frage, ob sich eine Verflechtungsgeschichte von Gedächtnissen schreiben lässt, die auf den ersten Blick national gerahmt erscheinen, tatsächlich jedoch in einem polnisch-ukrainisch-russischen Dreieck positioniert waren.

Prof. Dr. Martin Aust ist Professor für Geschichte Osteuropas und Ostmitteleuropas. Zum Wintersemester 2015/16 hat er, in Nachfolge von Dittmar Dahlmann, die Professur für die Geschichte und Kultur Osteuropas an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn angetreten.

Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Themengebiete: Geschichte Polens, der Ukraine und Russlands in der Neuzeit, historischer Vergleich, Gedächtnisgeschichte, Geschichte der Historiographie, Imperialgeschichte sowie Globalgeschichte.

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Freitag, 20. Mai 2016, 20.00 Uhr

Der Preisträger des


Lew Kopelew Preises

für Frieden und Menschenrechte


2016,

der Schriftsteller

Wladimir Woinowitsch

im Gespräch mit

Fritz Pleitgen

Veranstaltung in russischer und deutscher Sprache.


Übersetzung: Olga Woinowitsch, Tochter des Schriftstellers

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Sonntag, 22. Mai 2016, 11.00 Uhr


Verleihung des Lew Kopelew Preises für Frieden und Menschenrechte 2016 an

Wladimir Woinowitsch

in der Kassenhalle der Kreissparkasse Köln, Neumarkt 18

Begrüßung: Alexander Wüerst, Vorsitzender des Vorstandes der Kreissparkasse Köln

Laudatio: Fritz Pleitgen, Vorsitzender des Lew Kopelew Forums

Grußwort: Dr. Hans-Georg Wieck, ehem. deutscher Diplomat, mehrmals in der UdSSR

Musikalische Umrahmung: Das Misha-Nodelman-Quartett

Lesung auf Deutsch: Simon T. Roden

Geschlossene Veranstaltung mit gesonderter Einladung



Dass der russische Schriftsteller Wladimir Woinowitsch mit dem Lew Kopelew Preis für Frieden und Menschenrechte ausgezeichnet wird, war längst fällig. Lew Kopelew hätte die Wahl sehr begrüßt. Beide Männer einte das unbeirrbare Eintreten für die Wahrung der Menschenrechte, vor allem für die Freiheit der Gedanken und des Wortes.

Lew Kopelew schätzte die Schreibkunst seines Freundes sehr. Er genoss den Witz, mit dem Wladimir Woinowitsch gesellschaftliche Verhältnisse und Personen beschrieb. Anders das Sowjetregime! Es sah sich verunglimpft. In seinem Meisterwerk „Die denkwürdigen Abenteuer des Soldaten Iwan Tschonkin“ hatte Woinowitsch die Rote Armee, den Geheimdienst und die Planwirtschaft mit hinreißendem Spott durch den Kakao gezogen.

Die Bürger liebten die Abenteuer des braven Soldaten Tschonkin und ließen sie als Selbstdruck von Hand zu Hand gehen. So gelangte der Schelmenroman in den Westen, wo er in Dutzende Sprachen übersetzt wurde. Das zog Repressionen im eigenen Land nach sich. Doch Wladimir Woinowitsch gab nicht klein bei. Selbst heftigste Bedrohungen durch den Geheimdienst hielten ihn nicht davon ab, sich für Verfolgte einzusetzen.

Am Ende wusste sich das Sowjetregime nicht anders zu helfen als ihn auszubürgern, wie Lew Kopelew 1981! Auch Woinowitsch blieb im deutschen Exil hoch aktiv. Sein Buch „Moskau 2042“ fand international glänzende Kritiken. Die „New York Times“ ernannte ihn zum „Doyen der Satiriker des späten 20. Jahrhunderts“.

Wladimir Woinowitsch wohnt wieder in Moskau. Wie früher nimmt er kein Blatt vor den Mund. Wie früher zeigt sich die politische Führung im Kreml darüber nicht amüsiert.

Der Lew Kopelew Preis würdigt das Lebenswerk von Wladimir Woinowitsch, seine vorzügliche Literatur ebenso wie seine Zivilcourage, Menschlichkeit und Wahrhaftigkeit.


Montag, 30. Mai 2016, 19.00 Uhr


Gesprächsabend


Gesprächsabend mit


Maria Warfolomejewa


Überlebende der Haft der Separatisten in der Ostukraine


Moderation: Dr. Vera Ammer, LKF-Beirat, Mitglied im Vorstand von „Memorial“


Übersetzung: Nadja Simon


Maria Warfolomejewa, Journalistin, 31 Jahre, wurde im Januar 2015 in Lugansk festgenommen. Sie machte Fotos von Gebäuden, in denen sich Separatisten befanden. Die Vorwürfe: Spionage, Beziehungen zum Rechten Sektor, ihre aktive Beteiligung am Euromajdan 2014 in Lugansk. In einem Schauprozess sollte sie zu 15 Jahren Haft verurteilt werden. Stattdessen wurde sie 14 Monate in verschiedenen Kellern und Verstecken gefangen gehalten und vor laufender Kamera (für russische Medien) verhört. In der Haft erlebte Warfolomejewa Folter, Schlägereien und Demütigungen und ist eine der wenigen Menschen, die die Gefängnisse der prorussischen Separatisten lebend verlassen haben.


Vor der Gefangenschaft, während des Krieges, lebte sie in Lugansk, teilweise ohne Wasser und ohne Strom. Im März wurde sie gegen politische Gefangene aus Russland ausgetauscht. Sie ist jetzt frei, befindet sich derzeit in Deutschland (Berlin) und hat bereits in Brüssel über ihre Haft berichtet.


Internationale Menschenrechtsorganisationen haben in der umkämpften Ostukraine 4.000 Fälle von Verschleppungen und Folter dokumentiert, vor allem in den Separatistenrepubliken Donetsk und Luhansk. Die Berichte über die Geiselnamen, Folter und Morde werden demnächst an das Internationale Kriegsverbrechertribunal weitergeleitet.


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Montag, 06. Juni 2016, 20:00 Uhr

Reporter ohne Grenzen


© Blick

Reporter-ohne-Grenzen-Bericht

über die Lage von Journalisten und Medien in der Ukraine



Gemma Pörzgen



hat für Reporter ohne Grenzen nach Recherchen in der Ukraine einen Bericht über die Lage von Journalisten und Medien geschrieben und wird darüber referieren.


Der Bericht konzentriert sich auf das von der Ukraine kontrollierte Gebiet, schildert die Medienoligarchie, den Bedeutungsverlust der Zeitungen und den schwierigen Umbau des Staatssenders zum öffentlichen Rundfunk.

In der Ukraine wirken die Herausforderungen durch die Digitalisierung, die Wirtschaftskrise und der Krieg im Osten auf schwierige Weise zusammen.

Bezahlte Inhalte sind leider sehr verbreitet und es fehlt an guter journalistischer Ausbildung für eine neue Generation von Kollegen. Das sind nur einige der Ergebnisse des Berichts.

Gemma Pörzgen ist freie Journalistin. Sie gehörte 1994 zum ersten Vorstand der deutschen Sektion von Reporter ohne Grenzen. Seit 2009 ist sie wieder als Vorstandsmitglied engagiert.

Moderation: Elisabeth Weber, LKF-Beirat, und


Ingo Mannteufel, DW Bonn, Leiter der Hauptabteilung Osteuropa und Leiter der Russland-Redaktion. Ingo Mannteufel erzählt vom Ausbau der ukrainischen Redaktion bei der DW


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Freitag, 10. Juni 2016, 19.00 Uhr

In memoriam Klaus Bednarz



Klaus Bednarz gehörte zu den bekanntesten und profiliertesten Journalisten Deutschlands. Als er am 14.04.2015 starb, waren sich seine journalistischen Kollegen einig: Seine beruflichen Leistungen gehören zum journalistischen Kanon. WDR-Chefredakteurin Sonia Seymour Mikich nannte Bednarz „einen Anker für alle, die sich für Menschenrechte, Freiheit und Gerechtigkeit einsetzen“. Focus Online bezeichnete ihn als „eine Journalistenlegende“ und den „Chronisten der deutschen Missstände“. Die Zeit lobte seine Objektivität und bezeichnete ihn als jemanden, „der sich der Wahrheit verpflichtet fühlte“ und für den nur „die Inhalte zählten“.


Klaus Bednarz, geboren 1942 in Berlin, war lange Zeit ARD-Korrespondent in Warschau und in Moskau und leitete fast zwei Jahrzehnte das Politmagazin „Monitor“. Mit neun Millionen Zuschauer gehörte die Sendung zu den meist gesehenen und einflussreichsten ihrer Zeit. Für seine Arbeit wurde Klaus Bednarz mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter zweimal mit dem Grimme-Preis. Er war Autor zahlreicher Bücher und Filme über Osteuropa. Mit Lew Kopelew, den Bednarz in Moskau kennenlernte und oft als seinen Lehrer bezeichnete, verband ihn fast eine zwanzigjährige Freundschaft. 1998 gehörte Bednarz zu den Gründungsmitgliedern des Lew Kopelew Forums und blieb bis zu seinem Tode Beiratsmitglied.


Am 10. Juni erinnern sich seine Arbeitskollegen und Freunde an diesen wunderbaren Menschen und an die gemeinsamen aktiv gelebten und spannenden Jahre im Osten und im Westen.

Moderation des Abends: Fritz Pleitgen

Eintritt frei


Um Anmeldungen wird gebeten unter: info@kopelew-forum.de oder telefonisch:

0221 2 57 67 67
 
 
Dienstag, 14. Juni 2016, 19:30 Uhr


Literaturabend im Literaturhaus Köln,

Großer Griechenmarkt 39, 50676 Köln


© Alan Kaufmann / Suhrkamp Verlag

Julia Kissina


Éducation sentimentale

Eine gemeinsame Veranstaltung des Literaturhauses Köln und des Lew Kopelew Forums

Die Schriftstellerin, Fotografin und Aktionskünstlerin Julia Kissina gehörte in den 1980er Jahren zum Kreis der Moskauer Konzeptualisten um Vladimir Sorokin und Pawel Pepperstein. Ihr Debüt „Frühling auf dem Mond“ wurde 2013 begeistert aufgenommen. Nun legt sie ihren Roman „Elephantinas Moskauer Jahre“ (beide Suhrkamp) vor.


Darin folgt die junge Elephantina, von Sehnsucht nach dem freien Künstlerdasein gepackt, ihrem Idol in die Katakomben Moskaus. Der rotgesichtige Dichterguru Pomidor, Kopf der Avantgarde, hat sie die „neue Achmatowa“ genannt. Dichterabende in Studentenklubs mit Spitzeln in den hinteren Reihen, verbotene Kunstaktionen, die Begegnung mit Allen Ginsberg, eine Vorladung beim KGB – doch all das ist nur die Kulisse, vor der Elephantina sich nach Pomidor verzehrt. Eine éducation sentimentale in kräftigen Farben, voller Temperament und Gelächter.


Mit Julia Kissina spricht der Russlandkenner Uli Hufen. Den deutschen Text liest 

Edda Fischer.


Eintritt: 9,00 /7,00 € | Mitglieder: 5,00€


Tickets online bestellen: http://literaturhaus-koeln.de/event/education-sentimentale-julia-kissina/



Donnerstag, 23. Juni 2016, 19:00 Uhr

Buchvorstellung und Gespräch

Michail Sygar


Endspiel

Die Metamorphosen des Wladimir Putin


Kippenheuer & Witsch, Köln, Oktober 2015

In Zusammenarbeit mit der Heinrich-Böll-Stiftung

Moderation: Maria Birger, Historikerin, LKF-Beirat und Felix Riefer, Politologe, LKF-Beirat


Veranstaltung in deutscher und russischer Sprache
Übersetzung: Nadja Simon




Wie konnte Wladimir Putin zum Paria der Weltgemeinschaft werden? Warum destabilisiert der russische Präsident die Ukraine, Europa und sein eigenes Land? Michail Sygar, intimer Kenner des Kremls und der Machteliten, erklärt in seinem glänzend geschriebenen Buch die Wandlung Putins vom Reformer zu dem Mann, den die Welt fürchtet.


Der im Jahr 2000 überraschend zum Präsidenten gewählte Wladimir Putin orientiert sich zunächst nach Westen, will in den Club der Staatenlenker wie Tony Blair, George W. Bush und Gerhard Schröder aufgenommen werden. Doch bald fühlt er sich betrogen, von der Nato-Osterweiterung, den angeblich vom Westen unterstützten „orangen“ Revolutionen in Georgien und der Ukraine. Er räumt potenzielle Rivalen wie Michail Chodorkowski aus dem Weg und zieht innenpolitisch die Zügel an. Es folgt eine Phase, in der Putin sich eher wie ein mächtiger Oligarch gibt, in der er das „gute Leben“ der Superreichen schätzen lernt. Während der Präsidentschaft Medwedews bleibt er mit seinen PR-Stunts – halbnackt auf dem Pferd, mit Weißkranichen fliegend – omnipräsent. Als sich zu Beginn seiner dritten Amtszeit das Großstadtpublikum von ihm abwendet, besinnt Putin sich auf das einfache Volk, mit dem er sich im Hass auf Amerika einig weiß. Die Maidan-Revolution in Kiew füttert seine Paranoia: Die USA haben es in Wirklichkeit auf ihn abgesehen. Die Folgen sind bekannt – aber unabsehbar auch für sein eigenes (politisches) Überleben.


Michail Sygar, geboren 1981, ist Chefredakteur von Doschd, dem einzigen unabhängigen Fernsehsender in Russland, der angesichts staatlicher Repression derzeit nur über das Internet zu empfangen ist. Sygar, einer der bekanntesten Journalisten Russlands, hat als Kriegsreporter für die Tageszeitung Kommersant berichtet und war stellvertretender Chefredakteur der russischen Ausgabe von Newsweek. Gemeinsam mit Waleri Panjuschkin hat er das Buch „Gazprom. Das Geschäft mit der Macht“ veröffentlicht.


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Freitag, 08. Juli 2016, 19.00 Uhr

Korrespondenten vor Ort berichten


2 Jahre Kiew Post-Maidan


Ernüchterung in Kiew

Der Journalist Frank Hofmann (44) hat in den vergangenen zwei Jahren in Kiew das jüngste Außenstudio der Deutschen Welle aufgebaut und geleitet. Von dort berichtet die Deutsche Welle auf Deutsch, Englisch, Ukrainisch und Russisch für Fernsehen und Online.

Zum Schluss seiner Korrespondentenzeit zieht Frank Hofmann dieses Fazit:



Die Enttäuschung in der Zivilgesellschaft der Ukraine ist groß: Mit der Regierungsumbildung und dem Ende des Kabinetts Jazenjuk soll sich das alte Establishment gegen engagierte Reformer behauptet haben. Präsident Petro Poroschenko hat einen Vertrauten ohne Jura-Studium zum neuen Generalstaatsanwalt gemacht, der von sich selbst sagt, er habe das dafür Notwendige „im Gefängnis gelernt“. Wer in post-sowjetischen Staaten den Generalstaatsanwalt kontrolliert, hat die Justiz im Griff. Hat der Krieg in der Ost-Ukraine, die Annexion der Krim, der Druck aus Moskau schließlich das durch die Maidan-Revolution ins Wanken geratene System aus Korruption und Nepotismus in der Ukraine erneut stabilisiert?

Über diese ernüchternde Bilanz spricht Fritz Pleitgen mit Frank Hofmann

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Dienstag, 12. Juli 2016, 19.00 Uhr

Buchvorstellung und Gespräch mit dem Autor

Jan Eckel


Die Ambivalenz des Guten Menschenrechte in der internationalen Politik seit den 1940ern


Vandenhoeck & Ruprecht, 2015

Moderation: Maria Birger, LKF-Beirat, Historikerin


Menschenrechte erlangten im 20. Jahrhundert eine globale Ausstrahlung und verwandelten sich in eine umkämpfte Arena des politischen Konflikts. Unzählige Gruppen und Staaten beriefen sich auf sie, um anderen zu helfen, sich selbst zu schützen oder ihre politischen Ziele zu rechtfertigen.


Das machte sie zu einer entscheidenden Sprache der internationalen Politik.


Erstmals wird in diesem Buch die Entwicklung der internationalen Menschenrechtspolitik seit den 1940er Jahren dargestellt. Unerlässlich für das historische Verständnis und für eine kompetente politische Diskussion, untersucht es empirisch die vielfältigen Projekte, die im Namen der Menschenrechte verfolgt wurden, die dramatischen Auseinandersetzungen, die sie auslösten, und die ambivalenten Folgen, die sie für die Geschichte des 20. Jahrhunderts hatten.


Das Buch untersucht die Menschenrechtssysteme der Vereinten Nationen, des Europarats und der Organisation Amerikanischer Staaten und analysiert die Bedeutung von Menschenrechten in der Dekolonisierung. Ein großes Gewicht legt es auf die neuen Aufbrüche der 1970er Jahre und deren Fortentwicklungen im folgenden Jahrzehnt: die Neuerfindung des westlichen Menschenrechtsaktivismus durch Amnesty International, die menschenrechtliche Außenpolitik westlicher Staaten, die internationalen Kampagnen gegen die Pinochet-Diktatur sowie die osteuropäische Dissidentenbewegung und den KSZE-Prozess.

Prof. Dr. Jan Eckel ist Inhaber des Lehrstuhls für Internationale Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts am Historischen Institut der Universität zu Köln. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Geschichte der internationalen Politik, die Geschichte der Menschenrechte, die internationale Erinnerung an den Holocaust sowie die Geschichte der deutschen Geisteswissenschaften im langen 20. Jahrhundert.


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Sommerpause im Lew Kopelew Forum


Die Sommerpause im Lew Kopelew Forum wird vom 2.  August bis zum 2. September 2016 dauern.


Der Vorstand, der Beirat und die Geschäftsführerin wünschen Ihnen eine erholsame und vor allem sonnige Sommerzeit!


Wir freuen uns darauf, Sie nach der Sommerpause wieder bei uns begrüßen zu können.



Mittwoch, 14. September 2016, 19:00 Uhr

Podiumsgespräch


Podiumsgespräch


Jens Siegert


von 2000 – 2015 Leiter des Moskauer Büros der Heinrich-Böll-Stiftung,

über die

Entwicklung in Russland


Analysen und Prognosen


Moderation: Elisabeth Weber, LKF-Beirat




Am 18. September wird in Russland ein neues Parlament gewählt. Die Wahlen finden nach neuen Regeln und in der Wirtschaftskrise statt. Wirkt sich die Krise auf den Wahlkampf aus? Gibt es überhaupt einen Wahlkampf? Welche Bedeutung haben oppositionelle Kandidaten und Parteien? Welche Aussagekraft haben diese Wahlen? In welche Richtung gehen die russische Wirtschaft und Außenpolitik sowie die russische Zivilgesellschaft heutzutage? Wie sieht die staatliche Propaganda aus?

Jens Siegert, Gründer und langjähriger Leiter des Moskauer Büros der Heinrich-Böll-Stiftung, wird in seinem Vortrag diese komplexe Problematik schildern und anschließend auf die Fragen der Moderation und des Publikums eingehen.

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Dienstag, 20. September 2016, 19.00 Uhr

Parlamentswahlen in Russland

Aktuelle Kommentare und Analysen zu den Parlamentswahlen in Russland

mit


Benjamin Reeve
wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für osteuropäisches Recht und Rechtsvergleichung an der Universität zu Köln


und

Felix Riefer, Politologe, LKF-Beirat

KPRF
SR
LDPR
Jabloko


Bei der Parlamentswahl 2011 wurde die Partei Einiges Russland von Dmitri Medwedew trotz starker Verluste stärkste Partei. Zweitstärkste Partei wurde mit deutlichem Abstand die Kommunistische Partei. Einiges Russland konnte mit der Wahl seine absolute Mehrheit der Sitze verteidigen.


Die 7. Parlamentswahl in Russland findet am 18. September 2016 statt. Gewählt werden die 450 Abgeordneten der Russischen Staatsduma. Die Parlamentswahlen 2016 waren ursprünglich für den 4.12 2016 angesetzt, wurden dann allerdings auf Initiative der Regierungspartei Einiges Russland, sowie der Oppositionsparteien Liberal-Demokratische Partei Russlands und Gerechtes Russland auf den 18. September 2016 vorverlegt. Begründet wurde die Vorverlegung damit, dass am gleichen Tag in zahlreichen Föderationssubjekten Gouverneurs- und Parlamentswahlen stattfänden. Nicht unterstützt wurde die Terminverschiebung der Wahl von der Kommunistischen Partei Russlands, deren Vorsitzender Gennadi Sjuganow im Sommermonat September eine niedrige Wahlbeteiligung befürchte.

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Donnerstag, 22. September 2016, 19.00 Uhr


Bulgarien


Bulgarien


vergessen, verlassen, verraten?


Was bleibt nach 10 Jahren EU-Mitgliedschaft?




Veranstaltungspartner:

Lew Kopelew Forum, Südosteuropa-Gesellschaft (SOG) und Zweigstelle Köln der Europa-Union.

Die EU als Wunderpille: schnell und schmerzfrei sollte das wirtschaftliche Niveau angehoben, die Korruption ausgerottet, die Demokratie funktionsfähig gemacht werden. Doch davon ist Bulgarien weit entfernt: der Nationalismus im Land wird salonfähig, die Jugend läuft in Scharen davon, ohne Absicht je zurückzukommen, Staatsanwälte fungieren als Schutzschilde der mächtigen Politiker, Journalisten werden auf offener Straße angegriffen. Wohin steuert Bulgarien? Ein Reisebericht.


Rayna Breuer - in Bulgarien geboren - arbeitet als freie Journalisten u.a. für die Deutsche Welle, WDR und Deutschlandfunk. Ihr Schwerpunkt - der Balkan in all seinen Facetten. 

Moderation: Tobias Flessenkemper, Südosteuropa-Gesellschaft (SOG), Leiter der Zweigstelle Köln

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Donnerstag, 06. Oktober 2016, 19.00 Uhr

Parlamentswahlen in Belarus
Kommentare und Analysen


Der belarussische Weg von der Demokratie zum Autoritarismus

mit Olga Aleszko, Bonn, Politologin - Internationale Beziehungen

Gesprächsführung: Prof. Gerhard Simon

Eine Veranstaltung in russischer und deutscher Sprache. Übersetzung:

Nadja Simon

Das Parlament dient im heutigen Belarus nur als Dekoration für das nichtdemokratische System.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde Belarus als eine unabhängige Republik gegründet. Im Jahr 1994 fand die erste und letzte demokratische Präsidentschaftswahl statt. Warum waren demokratische Institutionen nach westlichem Muster in Belarus untätig, als sie diskreditiert und zerstört wurden und die belarussische Gesellschaft, die für Demokratie nicht reif genug war, unweigerlich den Autoritarismus gewählt hat?

Im Gespräch mit Prof. Gerhard Simon wird Olga Aleszko versuchen, auf diese und andere Fragen Antworten oder Erklärungen zu geben.

Olga Aleszko ist eine im belarussischen Wolkowysk (in der Nähe von Grodno) geborene unabhängige Analytikerin und Bloggerin, die über osteuropäische Themen schreibt. Zu ihrem Spezialgebiet gehören: Demokratisierungsprozesse, Anti-Korruption, Reformen und sozioökonomische Entwicklungen in Mittel-Osteuropäischen Ländern. Sie hat Artikeln bei International Centre for Trade and Sustainable Development (ICTSD) in Genf und im VoxUkraine veröffentlicht. Ihr eigener Blog trägt den Titel: „Letters from Eastern Europe - 100 words about politics“; regelmäßig nimmt sie an verschiedenen Seminaren und Workshops zu Problemen in der Region teil. Z.Z. ist sie Autorin bei „Eastbook“ – einer Medienplattform für Mittelosteuropa-Themen, sowie eine von zwei Initiatorinnen des Projektes „Der Bialowieza-Urwald – das Naturerbe Europas“. Olga Aleszko hat zwei Mastertitel erworben: in Internationalen Beziehungen und Europäistik an der Adam Mickiewicz Universität in Posen/Polen und am Centre international de formation européenne – CIFE - in Nizza/Frankreich.

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Dienstag, 11. Oktober,2016, 19.00 Uhr


25 Jahre ukrainische Unabhängigkeit


Wie kann die Ukraine als Staat überleben und worin besteht ihre Bedeutung für ganz Europa?

Dr. Andreas Umland, Kiew, im Gespräch mit Prof. Gerhard Simon, Köln

Im August 2016 wurde die unabhängige Ukraine 25 Jahre alt. Kein Zweifel, Staat und Nation sind heute fester gefügt als 1991, auch wenn die fortbestehenden Krisenerscheinungen mit Händen zu greifen sind. Seit April 2016 ist eine neue Regierung unter Ministerpräsident Wolodymyr Hrojsman im Amt, die mit dem Versprechen antrat, den Reformen neuen Schwung zu verleihen. Die etablierten Eliten bieten hinhaltenden Widerstand. Die regierenden Seilschaften mit Präsident Poroschenko an der Spitze sitzen fest im Sattel.

Zwei Faktoren beherrschen die Außenpolitik: die inzwischen entschiedene Westorientierung der Ukraine und die Aggression Russlands im Donbas sowie auf der Krim. Vor dem Hintergrund des 1994er Budapester Memorandums unterwandert die russische Intervention das weltweite Atomwaffensperrregime. Das Minsker Abkommen hat weder einen verlässlichen Waffenstillstand gebracht noch ist eine politische Lösung mit der Wiederherstellung der ukrainischen Staatsgrenze in Sicht. Auch die Verbindung der noch vor Minsk verhängten EU-Sanktionen mit dem Abkommen hat bisher wenig geholfen. Wie kann die Ukraine sicherheitspolitisch stabilisiert und der Zufluss ausländischer Direktinvestitionen in den Osten und Süden des Landes gewährleistet werden? Gibt es eine Nato-Mitgliedschaftsperspektive oder bietet eine Sicherheitsallianz der Staaten von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer („Intermarium“) einen Ausweg? Die Ukraine fordert eine bewaffnete UN-Friedensmission für das Donezkbecken. Ansonsten, so die Befürchtung, wird der Krieg im Donbas mit begrenzter Intensität fortdauern und die notwendigen Reformen im Inneren bremsen.

Andreas Umland, Dr. phil., Ph. D., ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Euro-Atlantische Kooperation Kiew und Herausgeber der Buchreihe „Soviet and Post-Soviet Politics and Society” beim ibidem-Verlag Stuttgart.

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Donnerstag, 13. Oktober 2016, 19.00 Uhr


Buchvorstellung mit dem Autor


Boris Schumatzky


Der neue Untertan

Populismus, Postmoderne, Putin;

2016 Residenz Verlag, Salzburg - Wien

Moderation: Robert Baag, politischer Redakteur, Deutschlandradio

Boris Schumatsky, Jg. 1965, ist ein russisch-deutscher Schriftsteller und Publizist. Bücher: Roman „Silvester bei Stalin“, Essayband: „Der neue Untertan“; Roman „Die Trotzigen“.

Adam Soboczynski, ZEIT Nr. 35 vom 18.8.2016: „Mit dem Essayband, sagt Schumatsky, habe er sich großen Ärger eingehandelt. Wenig verwunderlich: Es handelt sich um eine glühende Abrechnung mit dem linken Milieu, das ihm in den ersten Jahren in Deutschland eine Heimat geworden war. Schumatsky berichtet in dem Buch von einer tiefen Entfremdung während des Ukraine-Konflikts. Er habe mit Bestürzung wahrgenommen, mit welcher Skepsis, ja Ablehnung seine Freunde zunächst der prowestlichen Revolution in der Ukraine begegneten und schließlich Putins Feldzug rechtfertigten. Er verspüre seither einen Hauch von Heimatlosigkeit.

Boris Schumatsky begreift den Blick vieler Deutscher auf Putin nicht nur als fatale Abkehr von den Idealen der Aufklärung, sondern als Folge einer Sinnentleerung, die sich im wohlstandsverwöhnten Westen eingenistet hat. Die Revolution hat eine Leidenschaft und einen Wagemut aufblitzen lassen, die man diskreditieren musste, um die eigene Feigheit und Ideenlosigkeit zu kaschieren. Putins Attraktion gründet Schumatsky zufolge nicht nur in gut eingeübten antiamerikanischen Reflexen der Linken, sie ist grundlegender: Sie wurzelt im postmodernen Lebensgefühl, das keine Fakten, sondern nur noch Interpretationen kennt. Der plurale Wahrheitsbegriff der Postmoderne wurde von Putin in die politische Praxis überführt. Sein Verfahren stieß hierzulande aufgrund der vulgären Rezeption von Foucault und Derrida auf Verständnis und Nachsicht. Die selbstkritische Manie, den Westen als eurozentristische, phallozentristische, logozentristische, irgendwie beliebige Konstruktion zu entlarven, verhalf mit einem Mal auch autoritären Gesellschaftsmodellen zu ihrem Recht. /… /"

UKB: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger



Freitag 21. Oktober 2016


Literarische Lesungen und Diskussionen

Ort: Hörsaal XVIII im Hauptgebäude der Universität zu Köln,
Albertus-Magnus-Platz, 50923 Köln


Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde,


wir laden Sie herzlich zu literarischen Lesungen und Diskussionen mit
Juri Andruchowytsch und Serhij Zhadan ein.


Übersetzung: Nadja Simon
Lesung deutscher Passagen: Bernt Hahn


Juri Andruchowytsch, geboren 1960 in Iwano-Frankiwsk/Westukraine, ist
ukrainischer Schriftsteller, Dichter, Essayist und Übersetzer, „der poetische
Landvermesser“ (FAZ) aus der Ukraine, der mit zahlreichen deutschen Prämien
ausgezeichnet wurde, unter anderem mit dem Sonderpreis des Erich-Maria-
Remarque-Friedenspreises 2005, dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen
Völkerverständigung 2006, dem Hannah-Arendt-Preis, mit der Goethe-Medaille
2016.
Zu seinen weltbekannten Werken zählen u.a.: „Moscoviada“, Roman (2006);
„Perversion“, Roman (2011); „Zwölf Ringe“, Roman (2005); „Geheimnis“, Roman
(2008); „Kleines Lexikon intimer Städte“ (2016), „Downtown“. Gedichte (1985);
„Werwolf Sutra“ Gedichte (2009); „Engel und Dämonen der Peripherie“, Essays
(2007); „Mein Europa“, Zwei Essays über das sogenannte Mitteleuropa (2004), „Das
letzte Territorium“, Essays (2003).

„Juri Andruchowytsch ist ein Virtuose aller Stillagen, gekonnt macht er Anleihen
bei historisierenden Tableaus und Balladen, beim Rocksound und bei der
schnoddrigen Bekenntnislitanei. Pfiffig setzt er manche Gedichttitel in Klammern
oder wählt - wie in den „Liedern für den toten Hahn“- englische Überschriften, um
kein Spiel mit Referenzen und Zitaten verlegen. Doch der (postmoderne) Ludismus
gerät ihm nicht zur Masche. Durch alles hindurch behauptet sich ein lyrisches Ich
mit unverwechselbarer Stimme, die besonders dort berührt, wo sie sich einem
anderen zuwendet.“ (Ilma Rakusa, „Songhaft virtuos“, Rezension zum Gedichtband
„Werwolf Sutra“, Neue Zürcher Zeitung vom 8.12.2009).

„Juri Andruchowytsch vermittelt mit seinen brillanten Essays einen wichtigen
Beitrag zur Entdeckung einer nahezu unbekannten Region im erweiterten Europa.“
(aus der Begründung zur Auszeichnung mit dem Sonderpreis des Erich-Maria-
Remarque-Friedenspreises 2005 der Stadt Osnabrück)

„Juri Andruchowytsch gilt als eine der wichtigsten intellektuellen Stimmen der
Ukraine, ...herausragende Persönlichkeit, die sich in ihrer Arbeit mit dem
hochaktuellen Schwerpunktthema der heutigen Verleihung ‚Migration der Kulturen
– Kulturen der Migration‘ auseinandersetzt“ (Klaus-Dieter Lehmann, aus der
Begründung zur Auszeichnung mit der Goethe-Medaille 2016).
https://www.goethe.de/de/uun/prs/prm/20817288.htm


Serhij Zhadan, geboren im 1974 im Donbass-Gebiet, Ostukraine, lebt in Charkiv,
ist Schriftsteller, Übersetzer und Dichter, schreibt u.a. auch Texte für seine Ska-
Gruppe „Hunde im Weltall“. Seinen Roman „Die Erfindung des Jazz im Donbass“
(2012) erklärte die BBC im Jahre 2014 zum „Buch des Jahrzehnts“.
Seine anderen Werke sind u.a. auch: „Die Geschichte der Kultur zu Anfang des
Jahrhunderts“, Gedichte (2006); „Depeche Mode“, Roman (2007); „Mesopotamien“,
Roman (2016), „Warum ich nicht im Netz bin“, Gedichte (2016).
Zhadan „schreibt auf Ukrainisch, in einer poetischen Sprache voller Kraft und
Klang, die davon profitiert, dass er nicht nur Erzähler und Dichter, sondern auch
Musiker ist. Seine Worte – zarte, schmerzlich süße, schnoddrige – setzt er mit
feinem Gespür für Melodie und Assoziation. Ähnlich zartfühlend behandelt er seine Figuren: mit Respekt für ihre Gefühle, mögen die noch so verworren oder lächerlich sein. Es handelt sich nämlich bei sämtlichen neun Geschichten dieses Zyklus um Liebesgeschichten, auch wenn Gewalt, Verrat und Enttäuschung eine große Rolle spielen.“ Katharina Döbler http://www.zeit.de/2015/43/serhij-zhadan-mesopotamien-ukraine-poesie


„Vor zehn Jahren nannte man ihn den ukrainischen Rimbaud, jetzt ist er vor
allem Zhadan. Seine Poesie ist … sicher im Ton, makellos in den Details.“

Jurij Andruchowytsch http://www.lit.events/event/serhij_zhadan/10520766


Veranstalter:


Die ukrainische Hochschulgruppe der Universität zu Köln USAC (Ukrainian Students Association Cologne; http://usac.uni-koeln.de)

in Kooperation mit:

Lew Kopelew Forum

CCCEE | Cologne-Bonn Centre for Central and Eastern Europe (http://cccee.phil-fak.uni-koeln.de/2573.html)

International Office Uni zu Köln (http://verwaltung.uni-koeln.de/organisation/dezernat_9/index_ger.html)

ASTA Uni zu Köln (http://www.asta.uni-koeln.de/)


UKB zu Gunsten des Lew Kopelew Forums: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger
Für Studierende der Uni Köln Eintritt frei



Freitag, 28. Oktober 2016, 19.00 Uhr

Filmvorführung und Diskussion


Die Macht der Erinnerung


Gulag-Gedenken in Russland (2015, 45 Min.)

Ein Film von Kerstin Nickig über den Umgang Russlands mit seiner totalitären Vergangenheit

Eine Gemeinschaftsproduktion von Time Prints und dem Rundfunk Berlin-Brandenburg

Erstausstrahlung: 3. Mai 2016 im RBB

Im Anschluss folgt ein Gespräch mit Anke Giesen, Memorial Deutschland, über den Film und über die Situation an der Gedenkstätte Perm-36 heute. Anke Giesen arbeitet an einer Dissertation über Perm-36 und hat die Gedenkstätte noch vor ihrer Umgestaltung sowie danach immer wieder besucht, zuletzt in diesen Tagen.

Moderation: Vera Ammer, LKF-Beirat, Vorstandsmitglied Memorial International

Eine gemeinsame Veranstaltung der Gesellschaft „Memorial“ und dem Lew Kopelew Forum

Wie erinnert man sich heute in Russland an den GULAG, das repressive sowjetische Lagersystem, in dem unter Stalin bis zu 18 Millionen Menschen zu Zwangsarbeit gezwungen wurden? Während unter Chruschtschow und dann in den 90er Jahren viele Opfer rehabilitiert wurden und eine Vergangenheitsaufarbeitung langsam begann, dreht sich heute das Rad der Geschichte wieder zurück: In von Putin neu eingeführten Geschichtsbüchern wird Stalin wieder ein „effektiver Manager” genannt und nach Umfragen glauben heute 42% der Russen, die Stalinschen Repressionen seien notwendig für den Aufbau des Landes gewesen. Doch es gibt auch Menschen, die es wagen, politische Verbrechen beim Namen zu nennen, nach Opfern wie nach Tätern zu fragen und die ihre eigenen Wege suchen, deren Erinnerung zu bewahren - fürs Heute.

Das Filmteam von Kerstin Nickig hat die einzige GULAG-Gedenkstätte Russlands, die sich auf dem Gelände eines authentischen Straflagers für politische Gefangene befindet, besucht: Perm-36. Die Gedenkstätte für die Geschichte politischer Verfolgung Perm-36 im Permer Gebiet wurde 1994 von ehemaligen politischen Gefangenen und kritischen Historikern aus dem Umfeld der Bürgerrechtsorganisation Memorial gegründet und ist nun zum Zentrum eines heftigen gesellschaftlichen Konfliktes um die „richtige” Darstellung von Geschichte geworden: Waren die Häftlinge des Lagers Perm-36 zu Recht verurteilte Vaterlandsverräter oder Opfer eines Unrechtsregimes? Seit die Gedenkstätte 2015 seinen Gründern aus der Hand genommen und verstaatlicht wurde, wird sie konzeptionell neu ausgerichtet. Nun kommen auch die Lageraufseher zu Wort. In Gesprächen mit ehemaligen Lageraufsehern, Neostalinisten, Bürgerrechtsaktivisten und dem ehemaligen Häftling und Mitbegründer der Gedenkstätte Sergej Kovaljov spürt der Film den sehr verschiedenen Sichtweisen auf die Geschichte des GULAG und der politischen Verfolgung in Russland nach.

UKB: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger



Dienstag, 08. November 2016, 19.00 Uhr

Buchvorstellung und Gespräch mit dem Autor

Ulrich Schmid

Technologien der Seele


Vom Verfertigen der Wahrheit in der russischen Gegenwartskultur

Suhrkamp, Berlin, 2015

Moderation: Felix Riefer, Politologe, LKF-Beirat

Russlands Politik gegen innere und äußere „Feinde“ hält die Welt in Atem. „Wir brauchen Filme, Bücher, Ausstellungen, Videospiele, patriotisches Internet, Radio, Fernsehen. Wir müssen einen Gegenangriff starten in diesem Krieg um die Seelen“, hieß es im Januar 2015 auf einer kremlnahen Website. Polittechnologen und Medienschaffende, Künstler und Schriftsteller arbeiten daran, Russland seine Größe, den Bürgern ihren Nationalstolz zurück zu geben. Welcher Mechanismen bedienen sie sich? Wo wächst Widerstand gegen ihre Manipulationen? Innenansichten einer Gesellschaft, die ihren Nachbarn immer rätselhafter wird.

Prof. Ulrich Schmid, geb. 1965, ist ein Schweizer Slavist, Literaturkritiker und Hochschuldozent. Er befasst sich vor allem mit der russischen, ukrainischen und polnischen Literatur, Philosophie und Kultur sowie Literatur- und Medientheorie und Internetliteratur. Seit 2007 ist er außerordentlicher Professor für Kultur und Gesellschaft Russlands an der Universität St. Gallen.

Pressestimmen:

Franziska Augstein, SDZ 09.02.2016: „Das Buch setzt all jenen ein Licht auf, die nicht viel von Russland wissen, aber gern mehr verstünden.“

Ilma Rakusa, NZZ 05.03.2016: „Es ist jedem zur Lektüre zu empfehlen, der sich für Russland interessiert. Und Interesse ist das mindeste, was wir diesem komplexen Land mit seiner vertrackten Geschichte und Gegenwart entgegenbringen sollten.“

UKB: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger


Freitag, 11. November 2016, 19.00 Uhr

Diskussionsabend


Stepan Bandera – ein Held der Ukraine?

Leben und Nachleben des umstrittenen Symbols für Faschismus, Nationalismus und Unabhängigkeit der Ukraine

Ein Diskussionsabend

Dr. Andrij Portnov, Kiew und Berlin im Gespräch mit


Prof. Gerhard Simon, Köln

Keine politische Figur des 20. Jahrhunderts wird in der Ukraine und in den Nachbarländern derart kontrovers beurteilt wie Bandera (1909-1959). Für die einen war er ein Faschist und Kollaborateur mit den Nazis, für die anderen der Kämpfer für die ukrainische Unabhängigkeit und der Freiheitsheld schlechthin. Schon seit sowjetischer Zeit traten die eigentlich eher bescheidene Biographie von Bandera und sein Nachleben weit auseinander; beide haben oft kaum noch etwas miteinander zu tun. Deshalb stellt sich die Frage, welchen Bandera diejenigen eigentlich meinen, die heute in der westlichen Ukraine für ihn Denkmäler errichten.

Diese Diskussionsveranstaltung soll Aufklärung vermitteln, d. h. Licht in die Geschichte und Geschichtspolitik um einen Mann bringen, dessen Leben erst nach seinem Tod richtig begonnen hat. Er wurde durch den sowjetischen Geheimdienst 1959 in München ermordet. Die kontroverse Erinnerungspolitik um Bandera hat seinen gemäßigten Rivalen in der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) Andrij Melnyk völlig aus der öffentlichen Wahrnehmung verdrängt.

Tatsächlich geht es im Diskurs um Bandera nicht nur um seine Person, sondern um den ukrainischen radikalen Nationalismus der 1930er und 1940er Jahre generell, die damals entstandene Ukrainische Aufstandsarmee (UPA), die gegen Polen, die deutsche und die sowjetische Besatzung kämpfte und erst Anfang der 1950er Jahre von den Truppen des NKWD vernichtet wurde. Wegen der antipolnischen Pogrome stellt die UPA bis heute eine Belastung der ukrainisch-polnischen Beziehungen dar.

Waren Bandera und die UPA Mittäter bei antisemitischen Pogromen in der Ukraine? Diese früher tabuisierte Frage wird inzwischen auch in der Ukraine erforscht. Nur die geschichtliche Einordnung und schonungslose Aufarbeitung der Quellen werden zu einer Entemotionalisierung und Versachlichung der Diskussion um Bandera führen.

Diese Veranstaltung will dazu einen Beitrag leisten.

Dr. Andrii Portnov, ukrainischer Historiker, der derzeit in Berlin arbeitet und lebt, hat sich intensiv mit den Fragen des ukrainischen Nationalismus und den ukrainisch-polnischen Beziehungen befasst.

UKB: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger


Montag, 21. November 2016, 19.00 Uhr

Buchvorstellung und Podiumsgespräch mit den Herausgebern

Nadezhda Beljakova, Thomas Bremer und Katharina Kunter

Es gibt keinen Gott!

Kirche und Kommunismus – eine Konfliktgeschichte

Verlag Herder, 1. Auflage 2016, München


Am Podiumsgespräch nehmen Thomas Bremer und Katharina Kunter teil.


Die Geschichte des Kommunismus ist eine Geschichte des Kampfes gegen Kirchen und Gläubige. Der Band zeichnet die wichtigsten Etappen dieser konfliktreichen Beziehung nach:




- die grundsätzlichen ideologischen Gegensätze, aber auch Gemeinsamkeiten;


- die erste Realisierung einer kommunistischen Herrschaft in der Sowjetunion nach 1917, die eine Christenverfolgung ungeahnten Ausmaßes zur Folge hatte;

- das Leben der Kirchen in Mittel- und Osteuropa unter den kommunistischen Regimes nach 1945 sowie die Folgen für das außereuropäische Christentum und die Ökumene;

- die Rolle der Kirchen in den Veränderungsprozessen seit den späten 1980er Jahren sowie die aktuellen Herausforderungen.

Prof. Thomas Bremer, geb. 1957, studierte Katholische Theologie, Slawistik und Klassische Philologie in München. Von 1996-1999 war er Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde in Berlin. Seit 1999 ist er Professor für Ökumenik, Ostkirchenkunde und Friedensforschung an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster.

Dr. hab. Katharina Kunter ist Privatdozentin an der Universität Karlsruhe. Studium der Geschichte und Evangelischen Theologie in Gießen und Heidelberg; 1998 Promotion; 2004 Habilitation. Ihr Forschungsschwerpunkt ist die transnationale und globale Christentumsgeschichte des 20. Jahrhunderts. Aktuell arbeitet Frau Kunter an der Herausgabe einer globalen Christentumsgeschichte und an verschiedenen Projekten zum Reformationsjubiläum 2017.


Dr. Nadezhda Beljakova, geb. 1980, Dr. phil., Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Religions- und Kirchengeschichte am Institut für Weltgeschichte der Russischen Akademie der Wissenschaften, Moskau, sowie Assistenzprofessorin am Lehrstuhl für Theologie der Nationalen Nuklear-Universität MEPhI.

Moderation: Elisabeth Weber, LKF Beirat, und Andrejs Urdze

Andrejs Urdze war bevollmächtigter Vertreter Lettlands in Deutschland und ist heute Generalsekretär des Baltischen Christlichen Bundes

UKB: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger


Freitag, 25. November 2016, 19.00 Uhr

Buchvorstellung und Gespräch mit dem Autor


Hans Bollinger


Unterwegs in Polen

Begegnungen mit Menschen, ihrer Geschichte und Heimat

Geistkirch Verlag, 2016

In Zusammenarbeit mit dem Generalkonsulat der Republik Polen in Köln

„Wo liegt Polen?“ könnte man fragen. „Polen liegt nicht, Polen arbeitet!“. Kaum treffender kann man das beschreiben, was Hans Bollinger bei zahllosen Reisen in den deutschen Nachbarstaat erleben durfte. Diesseits der Grenze weiß man
nur wenig von den massiven Veränderungen der vergangenen vier Jahrzehnte, die Polen zu einem modernen europäischen Land werden ließen. Doch gerade die Begegnungen mit unterschiedlichen Menschen haben es Bollinger angetan: Bergleute, Köhler, Förster, Bauern, Künstler, Musiker, Schriftsteller u.v.a., die in schwierigen Verhältnissen ihr persönliches Glück zu meistern versuchten und versuchen.

Der Pädagoge und Musiker Hans Bollinger engagiert sich intensiv für einen partnerschaftlichen Austausch mit Polen.

„Unterwegs in Polen“ ist eine ganz persönliche Liebeserklärung an ein unterschätztes Land, das es zu entdecken gilt.

Moderation: Przemysław Gembiak, Vizekonsul der Republik Polen in Köln

Im Anschluss kleiner Umtrunk mit Get-Together-Runde

UKB zu Gunsten des Lew Kopelew Forums: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger


Dienstag, 29. November 2016, 19.00 Uhr


Gespräch und Diskussion


Sumpf in Polesien Foto: Roman Kondrak

Im Schatten Polesiens

Herrschaftstechniken im Sumpf
und ihre Reichweite

Ein Projekt

Die belarussisch-ukrainische Grenzregion Polesien war Kriegsschauplatz und Frontabschnitt des Ersten Weltkriegs. Der westliche Teil gehörte von 1921 bis 1939 zu Polen, der östliche zur Sowjetunion. Von 1939 bis 1941 besetzte die Sowjetunion auch den westlichen Teil als ein ihr im Hitler-Stalin-Pakt zugestandenes Gebiet.
Einheimische wie Nichteinheimische nahmen Polesien in dieser Periode ganz verschieden wahr: die einen als pittoresken Gegenstand von Landschaftsmalerei, andere als Torfausbeutungs-Gebiet; die einen als eine dünn besiedelte Region, sogar als sumpfige terra non grata, andere als Region jüdischer Shtetl. Polesien wurde auch als ur-ukrainische, ur-belarussische, ur-slawische Landschaft projiziert. Wie haben Lern- und Wissenstransferprozesse in dieser Zeit die Handlungsanweisungen und Raumkonzepte der jeweils Herrschenden beeinflusst? Welche Widerstands-, Unterordnungs- und Aneignungsstrategien entwickelten einheimische Bewohner der Städte, Schtetl und Dörfer gegenüber den ihnen begegneten Kriegs-, Verwaltungs-, Besiedlungs-, und Modernisierungs- , kurz: Herrschaftstechniken?

Polesien war in dieser Zeit eine Region zwischen Aufeinanderprallen und Zusammenarbeit, zwischen Anziehung und Abstoßung, zwischen Terror und Normalität, zwischen Territorialisierung und neuer „Verwilderung“, zwischen Ver- und Entsicherheitlichung, zwischen Zuschreibung zum Anderen und zum Eigenen.

Dr. Diana Siebert, Universität Siegen, vormals Geschäftsführerin des Lew Kopelew Forums, berichtet über das vom Herder-Institut Marburg koordinierte Projekt „Polesien als Interventionslandschaft".

Katharina Heinrich, Journalistin, Historikerin, Beirat des Lew Kopelew Forums, leitet Gespräch und Diskussion.

Mehr über das Projekt in belarussischer, deutscher, englischer, polnischer, russischer und ukrainischer Sprache: https://www.herder-institut.de/forschung-projekte/laufende-projekte/polesien-als-interventionslandschaft-raum-herrschaft-technologie-und-oekologie-an-der-europaeischen-peripherie-1915-2015/palesse-jak-landshaft-umjashalnictva.html

UKB: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger


Montag, 05. Dezember 2016, 19.00 Uhr

Ausstellungseröffnung und Diskussion


Der antikommunistische und antisowjetische Widerstand nach dem Zweiten Weltkrieg in Osteuropa

Eröffnung der Ausstellung

Die zweite Besatzung

Die NKWD-Razzia von Augustów

Juli 1945

Einführung: Barbara Bojaryn-Kazberuk

Leiterin der Zweigstelle des Instituts für Nationales Gedenken in Białystok (IPN Białystok)








Dauer der Ausstellung: 6.12.2016 - 20.01.2017

Öffnungszeiten: di – do.: 12.00 -18.00, fr.: 12.00 – 17.00 Uhr; während der Veranstaltungen u. nach Vereinbarung

Kooperation: Polnisches Institut Düsseldorf, IPN/ Institut für Nationales Gedenken in Białystok,
Lew Kopelew Forum

Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Mai 1945 wurden zwar auch die osteuropäischen Länder von der deutschen Besatzung befreit. Aber mit der Besetzung durch die Rote Armee begann dort die Herrschaft des kommunistischen und sowjetischen Regimes. Die neuen aufgezwungenen Regierungen wurden militärisch noch bis Anfang der 1960er Jahre (wie in Polen von der noch tätigen Heimatarme) bekämpft. Diese historische Zeit ist in Westeuropa sehr wenig bekannt.

Im Juli 1945 führten die Einheiten der Roten Armee unter Mithilfe der ihr unterstehenden kommunistischen polnischen Armee, der Funktionäre, Konfidenten und Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes eine breit angelegte militärische Aktion in den Wäldern von Augustów im Osten Polens durch, die als „Razzia von Augustów“ (poln. „Obława Augustowska”) bekannt wurde. Die sowjetischen Einheiten durchkämmten die Wälder und Dörfer und verhafteten alle, die verdächtigt wurden, Kontakte zu den polnischen antikommunistischen Partisanen gehabt zu haben. Insgesamt wurden mehrere Tausend Personen verhaftet, über sechshundert von ihnen kamen nie zurück. Es ist wahrscheinlich, dass sich die Hinrichtungs- und Bestattungsorte nahe an der Grenze, auf der weißrussischen Seite befinden. Als sicher gilt, dass ihre Ermordung von den höchsten sowjetischen politischen Behörden gebilligt wurde. Die polnische Seite versucht seit vielen Jahren ihr Schicksal zu erforschen. Die präsentierte Ausstellung „Die zweite Besatzung. Die NKWD-Razzia von Augustów. Juli 1945” des Instituts für das Nationale Gedenken (IPN) Abteilung Białystok stellt diese Bemühungen dar.

Podiumsgespräch

Der antikommunistische und antisowjetische Widerstand nach dem Zweiten Weltkrieg in der zweiten Hälfte der 1940er und in den 1950er Jahren am Beispiel von Polen, der Ukraine, Weißrussland und den baltischen Ländern“ mit:

Dr. Marcin Markiewicz, Abt. für Historische Forschung des Instituts für Nationales Gedenken (IPN) Białystok

Nikita Petrov, Historiker, wissenschaftlicher Mitarbeiter von „Memorial“ in Moskau;

Andrejs Urdze, Haus Annaberg Bonn, Generalsekretär des Baltischen Christlichen Bundes


Dr. Dmytro Myeshkov, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Übersetzung Russisch-Deutsch: Nadja Simon
Übersetzung Polnisch-Deutsch: Bernhard Hartmann

Eintritt frei


Freitag, 09. Dezember 2016, 19.30 Uhr


Veranstaltung zum Internationalen Tag der Menschenrechte 2016

VHS-Saal im Rautenstrauch-Joest-Museum, Cäcilienstr. 29



Einmischung unerwünscht:

Zivilgesellschaft unter Druck

am Beispiel von Russland, Tunesien und der Türkei

Die Volkshochschule Köln und Amnesty International bereiten – mit Unterstützung des Lew Kopelew Forums und des Vereins „Voices of Jasmine“ – für den 9. Dezember 2016 eine öffentlichkeits­wirksame Veranstaltung vor. Einen Tag vor dem Internationalen Tag der Menschenrechte soll der zunehmende Druck auf die kritische Zivilgesellschaft beleuchtet werden, der sich in immer mehr Ländern beobachten lässt und den Amnesty 2017 zum Thema einer globalen Kampagne machen wird.

Seit geraumer Zeit geraten weltweit große Teile der unabhängigen und kritischen Zivilgesellschaft immer stärker unter Druck. Mit Gesetzen, bürokratischen und steuerlichen Auflagen, Hetzkampagnen in den Medien, offener Repression und geheimdienstlichen Methoden wird gegen missliebige Initiativen und Nichtregierungsorganisationen vorgegangen. Personen, die sich für Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit, freie Gewerkschaften oder Umweltschutz einsetzen, werden eingeschüchtert, bedroht, kriminalisiert und offen verfolgt, weil sie politischen und wirtschaftlichen Macht- und Gewinninteressen im Weg stehen, Machtmissbrauch aufdecken oder diskriminierende gesellschaftliche Strukturen und Rollenzuschreibungen aufbrechen wollen. Nur ein Bruchteil der Vorfälle gelangt an die Öffentlichkeit. In der Veranstaltung werden Betroffene aus verschiedenen Ländern zu Wort kommen und berichten, was diese Entwicklungen für sie und ihre Organisationen bedeuten. Was geschieht aktuell in ihrem Land? Wieviel Spielraum haben sie? Welche Einschränkungen und Repressionen erleben sie, und wie wehren sie sich dagegen? Welche Art von Unterstützung von außen kann helfen, welche kann schaden? Wir wollen auch darüber sprechen, was sich hier in Köln tun lässt, um mitzuhelfen, zivilgesellschaftliche Freiräume anderswo zu verteidigen. Wie kann bürgerschaftliches Engagement helfen? Wie kann die Politik der Stadt Köln hierfür ihre internationalen Kontakte nutzen? Schließlich: Welchen Stellenwert haben diese Fragen in den internationalen Partnerschaften, die Köln mit Städten in Ländern unterhält, in denen die kritische Zivilgesellschaft zunehmend behindert, unterdrückt oder gar offen bekämpft wird?

Internationale Gäste und präsentierte Beispiele kommen aus Tunesien, Russland und der Türkei.

Teilnehmer:

Alexei Kozlov, Irina Scherbakova, Bülent Mumay, Osman Okkan, Gerrit Wustmann, Walid Ben Nasr, Voices of Jasmine e.V., Andreas Wolter, Frieder Wolf

Moderation: Diana Hodali (Freie Journalistin und Medientrainerin, u.a. Deutsche Welle)

Eintritt frei


Dienstag, 13. Dezember 2016, 19.00 Uhr


Buchvorstellung und Gespräch mit dem Autor


Benjamin Bidder
Generation Putin


Das neue Russland verstehen


DVA-SPIEGEL-Buchverlag, 12.09.2016

Moderation: Maria Birger, Historikerin, LKF-Beirat

„Die Welt“, Inga Pylypchuk, 28.09.2016:


„Benjamin Bidder, von 2009 bis 2016 SPIEGEL-Korrespondent in Moskau, versucht, die „Generation Putin“ zu verstehen, nicht ihren Präsidenten.

Zu dieser Generation gehören: die Patriotinnen und Karrierefrauen Lena (Smolensk) und Diana (Sotschi), der Aktivist für Behinderten-Rechte Alexander, selbst Rollstuhlfahrer (St. Petersburg), der Dachkletterer Marat (Moskau), die Buchhalterin und Mutter Taissa (Grozny) und die Oppositionelle Wera (Moskau). So einfach das Konzept der Auswahl von Protagonisten sein mag, erlaubt es doch einen guten Einblick in die russische Gesellschaft. Sie alle wurden Anfang der Neunzigerjahre geboren. Als Boris Jelzin noch Präsident war, waren sie klein. Während sie aufwuchsen, vollzog sich Wladimir Putins Aufstieg als zweifacher Premierminister und dreifacher Präsident. Nach den brutalen Neunzigern, an die sich ihre Eltern noch mit Schrecken erinnern, brachten die Nullerjahre eine relative finanzielle Stabilität. Das ist bis heute Putins politisches Kapital. Wie kann sein Kurs falsch gewesen sein, fragt sich Lena, wenn „der alte Lada ihres Vaters vor zehn Jahren noch das einzige Auto auf dem Parkplatz vor dem Wohnblock ihrer Eltern war, heute dort aber Hunderte Fahrzeuge stehen“. Der Kreml-nahe Politologe Walerij Fjodorow nennt sie „Kinder des wirtschaftlichen Aufschwungs“. Für die Jugendforscherin der Moskauer Higher School of Economics Anna Schelnina sind sie eher eine „verlorene Generation“, verdorben durch konservative Eltern, das autoritäre System und die Propaganda.

Bidder vergleicht unermüdlich Meinungen unterschiedlicher Experten und Statistiken. Er begleitet seine Protagonisten über die Jahre und arbeitet aus ihren Geschichten die Grundzüge ihrer Generation heraus: politische Passivität, Patriotismus, Misstrauen gegenüber dem Westen und gleichzeitig eine unstillbare Sehnsucht nach einer offenen, freien Welt.“


Benjamin Bidder, Jg. 1981. Studium der Volkswirtschaftslehre in Bonn, Mannheim und St. Petersburg. Absolvent der studienbegleitenden Journalistenausbildung des Institutes zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp). Sieben Jahre Moskau-Korrespondent von SPIEGEL ONLINE. Seit September 2016 ist er Mitglied der Wirtschaftsredaktion von SPIEGEL ONLINE.

UKB: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger

Kontakt

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Neumarkt 18a
50667 Köln


Tel. (0221) 2 57 67 67
Fax. (0221) 2 57 67 68
info@bab20c8f96664ffe840aee876ac79433kopelew-forum.de  

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