Veranstaltungen 2022

Präsenz und Online

Mi., 4.05.22, 19.00 Uhr

„Das Kupfermeer“

Buchvorstellung & Ausstellungseröffnung
mit der Autorin Bella Liebermann und dem Buchillustrator Dr. Viktor Kravets

Bernt Hahn liest aus dem Roman

Der Roman "Das Kupfermeer" entwirft ein breites Panorama russisch-jüdischen Lebens im 19. Jahrhundert: das jüdische "Schtetl", die endlosen Straßen in Russlands Schnee, das lebendige Moskau, der Hof eines jüdischen Zaddiks und die brutale Armee des Zaren Nikolaus I.

Vor diesem Hintergrund erzählt die Autorin das tragische Schicksal des Jungen Itzik, der als Kind entführt, zwangsrekrutiert und zum Opfer der unmenschlichen Politik des Zaren wurde. Diese dramatische Geschichte verbindet das Schicksal des Jungen mit den Geschehnissen der Zeit.

Bella Liebermann ist im Dreiländereck Russland-Ukraine-Weißrussland und später in Moldawien aufgewachsen und von Kindheit an mit der osteuropäischen jüdischen Kultur in Berührung gekommen. In ihrer Familie erlebte sie das jüdische Leben, geprägt vom Eindruck des Holocaust. Diese Erinnerungen, die dortige Musik, Landschaft sowie Lebens- und Denkweise der Menschen inspirieren sie als Schriftstellerin und Musikerin mit Ihrem Ensemble.

Dr. Viktor Kravets ist Literaturwissenschaftler und Künstler. Er studierte Slavistik in Kyjiw und war als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Schewtschenko-Literaturinstitut der Akademie der Wissenschaften der Ukraine und als Dozent an der Kyjiwer Mohyla-Akademie tätig. Seit 2005 lebt Kravets in Köln und unterrichtet Ukrainistik und russische Literaturwissenschaft an der Universität zu Köln. Er ist auch als Künstler und Buchillustrator tätig.

Das Buch: https://literaturhandlung.com/buecher/belletristik/20232/das-kupfermeer
© Bella Liebermann „Das Kupfermeer“

UKB Präsenzveranstaltung: 5,00 €; LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger 2,50 €

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Die Veranstaltung wird live auf unserem YouTube-Kanal übertragen

Die Ausstellung ist geöffnet bis zum 20.05.2022. Bitte rufen Sie uns unter 0221 257 67 67 an, um einen Besichtigungstermin zu vereinbaren.
Eintritt frei.


Präsenz und Online

Mi., 27.04.22, 19.00 Uhr

Gibt es eine Diskriminierung der Russischsprachigen in Deutschland seit Beginn des Ukraine-Kriegs?

Diskussionsrunde mit

Edwin Warkentin, Referent, Kulturreferat für Russlanddeutsche, Detmold

Medina Schaubert, Geschäftsführerin des Aussiedler-Vereins Vision e.V., Berlin

Oxana Evdokimova (angefragt), Korrespondentin Deutsche Welle, Berlin

Moderation: Dr. Felix Riefer, Politikwissenschaftler und LKF-Beirat
Katharina Heinrich, Osteuropahistorikerin und LKF-Beirat

Seit dem Anfang des Ukraine-Kriegs kommt es vermehrt zu Meldungen über Angriffe auf die russischsprachige Bevölkerung in Deutschland. So sei ein Russischstämmiger oder eine Russischstämmige angeblich wegen der russischen Herkunft aus dem Job entlassen worden, dann seien russischsprachige Kinder in der Schule verbal angegriffen worden. Was ist wahr an diesen Meldungen und wie zahlreich sind solche Vorfälle? Handelt es sich um Einzelfälle oder haben wir es mit einem neuen gesellschaftlichen Phänomen zu tun? Lassen sich diese Fälle überprüfen oder handelt es sich dabei um Desinformation, wie bereits 2016 im sog. „Fall Lisa“, bei dem unter den Russischsprachigen gezielt Ängste und Aggressionen geschürt wurden?

Mit über drei Millionen Einwohner stellen die Russlanddeutschen die absolute Mehrheit der russischsprachigen Bevölkerung in Deutschland dar. Während einige Russlanddeutsche nach dem Ausbruch des Krieges sich selbstlos mit Rat und Tat um die ukrainischen Geflüchteten in Deutschland kümmern, fahren die anderen mit russischen Fahnen und Kriegssymbolik in Autokorsos durch deutsche Städte und zeigen offen ihre Unterstützung für Putin und für den russischen Krieg in der Ukraine. Wie groß sind die beiden Gruppen und was bewegt sie? Wo liegen die Gründe für solch unterschiedliche Reaktionen auf den Ukraine-Krieg und was kann der deutsche Staat gegen die offene Unterstützung des genozidalen russischen Kriegs in der Ukraine auf den Straßen der deutschen Städte tun?

Darüber diskutieren wir mit Vertretern der Verbände und Organisationen der Russlanddeutschen in Deutschland und Journalisten, die die Situation mit der Diskriminierung und die Tendenzen innerhalb der Russlanddeutschen Gemeinde verfolgen und analysieren.

Edwin Warkentin, geboren 1981 in Temirtau, studierte Slavische Philologie, Geschichte Ost- und Südosteuropas und Politikwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München. 2011 bis 2014 war er Referent des Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten im Bundesministerium des Innern. Zuletzt arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag, wo er zu außen- und europapolitischen Themen arbeitete und im Bereich der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik, der Beziehungen zum postsowjetischen Raum, der Minderheitenpolitik und Menschenrechte sowie der Kulturförderung nach § 96 Bundesvertriebenengesetzt tätig war.

Medina Schaubert, geboren 1986 in Kirovskij, Kasachstan kam im Jahre 1997 mit ihrer Familie nach Berlin. Seit 2013 engagiert sie sich ehrenamtlich für Russlanddeutsche in Berlin-Marzahn. Seit 2018 arbeitet sie als Geschäftsführerin des Aussiedler-Vereins Vision e.V. in Berlin.

Oxana Evdokimova wurde 1979 in Kartaly, Russland, geboren und studierte Journalistik in Jekaterinburg, Moskau sowie in Krems. Nach einem Volontariat bei der Deutschen Welle (DW) arbeitete sie in Moskau als Journalistin für die DW und den WDR und als TV-Producerin für ZDF und arte. Mit Peter Adler hat sie zwei Dokumentationen des Dreiteilers »Grenzwelten« (2009) für arte realisiert. Seit 2006 ist sie Korrespondentin im Hauptstadtstudio der DW und Autorin für öffentlich-rechtliche Hörfunk- und Fernsehsender. Sie lebt in Berlin.

UKB Präsenzveranstaltung: 5,00 €; LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger 2,50 €

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Di., 19.04.22, 19.00 Uhr

Präsenz und Online

Krieg und Literatur

Vortrag und Vorstellung des Buchs „Literarische Formen der Geopolitik.
Raum – und Ordnungsmodellierung in der russischen und ukrainischen Gegenwartsliteratur“

mit dem Autor Dr. Oleksandr Zabirko
Moderation: Dr. Daria Khrushcheva, Slavistin und Kulturwissenschaftlerin

Zabirko, Oleksandr: Literarische Formen der Geopolitik. Raum- und Ordnungsmodellierung in der russischen
und ukrainischen Gegenwartsliteratur, Wissenschaftliche Schriften der WWU Münster, Reihe XII – Band 32, 2021

Der Krieg in der Ukraine hat weltweit Bestürzung ausgelöst und war für viele ein Schock. Doch bereits vor einigen Jahren schlugen Osteuropawissenschaftler und Slavisten Alarm: die imperialistischen Tendenzen und das Streben nach Weltmacht reiften in der russischen Gesellschaft seit mehr als zwei Jahrzehnten heran und manifestierten in einer radikalen Kriegsrhetorik, die nach 2014 massiv zunahm. Chauvinistische Ideologie und imperialistischer Größenwahn fanden ihren Ausdruck nirgendwo besser als in der russischen Publizistik und Literatur der letzten Jahre. Die staatlich kontrollierten Medien und die Werke moderner russischer Schriftsteller bahnten den Weg für den Krieg gegen die Ukraine und Europa.

Die Dissertationsschrift des ukrainischen Literaturwissenschaftlers Dr. Oleksandr Zabirko zeigt, wie literarische Raumkonstruktionen für die Verarbeitung und gedankliche Einordnung der politischen Transformationsprozesse sowie für die Erprobung neuer Identitätsmodelle in der Ukraine und in Russland instrumentalisiert wurden. Die Arbeit analysiert literarische Konstrukte wie "die russische Welt [russkij mir]", "die heilige Rus' [svjataja Rus']", "Neurussland [Novorossija]" und "Eurasien", die den politischen Diskurs der Ära Putin dominierten, und kontrastiert diese mit den Raummodellen von "Ostmitteleuropa" sowie der "Europäisierung" der Ukraine in den Schriften ukrainischer Literaten. Die in dieser Weise semantisierten Kulturräume determinieren maßgeblich die politische und kulturelle Selbstverortung der beiden ehemaligen Sowjetrepubliken. Die Arbeit geht im Weiteren der Frage nach, wie diese Selbstverortung in den Werken gegenwärtiger russischer und ukrainischer Prosa-Autoren wiederum auf die Nations- und Gemeinschaftsbilder, die Gesellschafts-Ideale sowie die Rechts- und Gerechtigkeitskonzepte einwirkt.

Über die Funktionsweise dieser Konzepte und über die Rolle von ideologischen Konstrukten und Propaganda im heutigen Krieg wird Dr. Oleksandr Zabirko mit Dr. Daria Khrushcheva (Seminar für Slavistik / Ruhr-Universität Bochum) diskutieren.

Dr. Oleksandr Zabirko ist Slavist und Literaturwissenschaftler. 2005 absolvierte er die Taras Ševčenko Pädagogische Universität Luhansk (Ukraine) und setzte sein Studium in Münster und in Bochum fort. 2020 promovierte er an der WWU Münster mit der Arbeit „Literarische Formen der Geopolitik: Raum- und Ordnungsmodellierung in der russischen und ukrainischen Gegenwartsliteratur“, die mehrere wissenschaftliche Auszeichnungen erhielt. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Konflikte und Kontakte im osteuropäischen Raum, sowie Konzepte und ideologische (Selbst)bilder und ihre Verarbeitung in den modernen Literaturen Osteuropas. Seit 2020 ist Dr. Oleksandr Zabirko wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Regensburg.


UKB Präsenzveranstaltung: 5,00 €; LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger 2,50 €

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Di., 05.04.22, 19.00 Uhr

Russische Außenpolitik unter Putin

Welchen Einfluss haben russische Think Tanks auf die auswärtige Politikgestaltung des Kremls?

Buchvorstellung und Diskussion mit dem Autor Dr. Felix Riefer


Moderation: Dr. Andrej Umansky, Osteuropahistoriker und Rechtswissenschaftler

Dr. Felix Riefer untersucht in diesem Buch russische Denkfabriken, die am wahrscheinlichsten an der auswärtigen Politikgestaltung des Kremls beteiligt sind. Die einzelnen politisch-analytischen Forschungsinstitute und ihre jeweiligen Akteure werden in Fallstudien entlang der Machtvertikale in einem explorativen, qualitativ-induktiven Ansatz für den Zeitraum 2000–2018 analysiert. Die Bereiche der Außenpolitik sind in Russland Präsidialpolitik und werden entsprechend aus der Präsidialadministration bestimmt. Doch auch im Kreml wird vernommen, dass ohne eine moderne forschungsbasierte Analyse-Infrastruktur in der globalisierten, immer komplexeren Welt sich keine Politik mehr gestalten lässt. Moderne Staaten sind heute auf die Analyse-, Beratung-, aber auch Makler-, Advokaten- und Lobbytätigkeiten der Denkfabriken angewiesen. Welche Ideen werden dort produziert? Und was noch viel wichtiger ist: welchen Einfluss haben sie auf die Gestaltung der Politik des Kremls? Die Erkenntnisse aus dieser Forschungsarbeit werden im Anschluss an den Vortrag auf die aktuelle Situation angewendet und diskutiert.

Dr. Felix Riefer ist ein Bonner Politikwissenschaftler. Er studierte Politikwissenschaften, Regionalstudien Ost- und Mitteleuropas und Sozialwissenschaften an der Universität zu Köln und an der Sciences Po – Paris School of International Affairs (PSIA). Schwerpunkte seiner Arbeit sind Russland, der postsowjetische Raum und die Forschung zu russlanddeutschen (Spät)-Aussiedlern. Dr. Riefer ist Beiratsmitglied des Lew Kopelew Forum e. V.. Er hat u.a. in der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb gearbeitet.

UKB Präsenzveranstaltung: 5,00 €; LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger 2,50 €


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Präsenz und Online

Do., 17.03.22, 19.00 Uhr

Der Krieg in der Ukraine:
Zeitenwende für die europäische Politik?

Vortrag und Diskussion mit dem Osteuropaexperten Dr. phil. André Härtel

Moderation: Robert Baag, freier Journalist mit Osteuropa-Schwerpunkt

Der Überfall Russlands auf die Ukraine verändert Europa und die Welt. Zum ersten Mal seit 1945 tobt wieder ein großer Krieg in Europa, werden ukrainische Städte dem Erdboden gleich gemacht, Krankenhäuser bombardiert, Zivilisten getötet. Die Ukraine leistet einen beispiellosen, mutigen Widerstand gegen den Aggressor Russland und verteidigt in diesen Tagen ganz Europa.

Die Folgen dieser humanitären Katastrophe sind in der EU bereits jetzt deutlich spürbar. Millionen Ukrainer fliehen aus ihrer Heimat. Die Fluchtbewegung aus der Ukraine nach Europa droht die bisherigen Flüchtlingskrisen um ein Vielfaches zu übertreffen.

Dieser Krieg fordert die europäische Politik ganz besonders heraus und stellt die europäischen und deutschen Politiker vor viele, völlig neue Fragen. Als „Zeitenwende“ bezeichnete Bundeskanzler Olaf Scholz den Angriff Russlands und kündigte zugleich eine gravierende Kurskorrektur der deutschen Politik an. Doch werden alle jetzt von der EU beschlossenen Sanktionen wirklich umgesetzt? Kommen die angekündigten Waffenlieferungen für die Ukraine nicht zu spät? Sollten die Staaten des Westens die Ukraine nicht doch stärker militärisch unterstützen und die Ukraine vor allem vor russischen Luftangriffen schützen? Wie ernst gemeint sind die Drohungen Wladimir Putins, bei einer weiteren „Einmischung des Westens“ auch mit einem Atomschlag gegen die USA und Europa zu reagieren? Können Europa und die euroatlantischen Verbündeten sich im Fall eines drohenden Atomkriegs überhaupt verteidigen? Was kann man gegenwärtig Putins Aggression noch entgegensetzen? Sind die internationalen Sicherheitsstrukturen, wie z.B. die UNO oder die OSZE noch ausreichend funktionsfähig oder, wie es den Anschein haben könnte, letzten Endes ohnmächtig?

Über diese und sich daraus ergebende weitere aktuelle Fragen diskutieren wir mit dem Experten für die Ukraine und europäische Sicherheitsordnung, Dr. phil. André Härtel.


Dr. Phil. André Härtel ist Politikwissenschaftler und Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung Wissenschaft und Politik. Schwerpunkte seiner Forschung sind die ukrainische Innen- und Außenpolitik, die europäische Nachbarschafts- und deutsche Außenpolitik im postsowjetischen Raum, internationale Organisationen (insb. OSZE, Europarat), europäische Sicherheitsordnung. In den Jahren 2012-2015 war André Härtel politischer Berater im Direktorat für Politische Planung des Europarats in Straßburg, in 2015-2020 – Fachlektor für Deutschland und Europastudien des DAAD an der Kiewer Nationalen Mohyla-Akademie.

UKB Präsenzveranstaltung: 5,00 €; LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger 2,50 €

Es gilt die 2G Plus Regel. Um eine Anmeldung für die Präsenzveranstaltung
unter info@kopelew-forum.de oder unter 0221 257 67 67 wird gebeten.

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Präsenz und Online

Do., 10.03.22, 19.00 Uhr

Bernt Hahn liest „Die Dämonen“
von Fjodor Dostojewskij

Teil 2

(in anderer Übersetzung „Böse Geister“)

In Zusammenarbeit mit M. Lengfeld‘sche Buchhandlung, Köln

Beschrieben wird eine Generation, die auf der Schwelle zu Industrialisierung und Moderne ihre Wertebindung verloren hat und entwurzelt nach neuen Orientierungen sucht. Religion, hergebrachte Sitten und Moral bieten keine stabilen Antworten. Taumelnd und in teils hektischer Aggressivität suchen die Protagonisten Halt bei fragwürdigen Konzepten und Ideologien, deren Einfluss bis in unsere Tage reicht. Der Roman ist als Warnung unter dem Eindruck mörderischer Umtriebe anarchistischer Zirkel geschrieben, aus deren Dunstkreis der berüchtigte „Katechismus des Revolutionärs“ stammt, der seinerseits Inspiration für die Aktivitäten der RAF gewesen ist. Nicht zuletzt wird dieser Tage in den Vereinigten Staaten von Amerika im Hinblick auf die Vorkommnisse um den vergangenen Präsidentschaftswahlkampf und die Besetzung des Kapitols explizit auf Dostojewskijs „Die Dämonen“ Bezug genommen.

Fjodor Michajlowitch Dostojewskij wird am 11. November 1821 als Sohn eines Arztes in Moskau geboren. 1837 geht er nach St. Petersburg und absolviert eine Ingenieurschule. Nach ersten Veröffentlichungen wird er 1849 wegen Verlesung eines angeblich staatsfeindlichen Briefes zum Tode verurteilt. Die darauf erfolgte Scheinhinrichtung wird zur lebensbestimmenden Erschütterung. Zu vier Jahren Zwangsarbeit und vier Jahren Militärdienst in Sibirien “begnadigt“, darf er 1859 nach St. Petersburg zurückkehren. 1873 entstehen „Die Dämonen“. Darauf folgen u.A. Der Jüngling (1875) und Die Brüder Karamazov (1881), ein Riesenwerk, geschaffen nicht nur „unter der Geißel seiner Krankheit (Epilepsie) sondern auch unter den Stockschlägen von erniedrigenden Finanznöten, die ihn zwangen, mit unnatürlicher Schnelligkeit zu arbeiten“ (Thomas Mann). Fjodor Dostojewskij stirbt am 09. Februar 1881 und wird drei Tage später unter der Anteilnahme von mehreren zehntausend Menschen auf dem Tichwiner Friedhof des Alexander-Newski-Klosters in St. Petersburg beigesetzt.


Bernt Hahn ist freiberuflicher Schauspieler und Sprecher. Neben seinen zahlreichen Hörbüchern mit Texten von u.a. Alexander Puschkin, Joseph Roth, M. Gandhi und Bruno Schulz hat er „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ von Marcel Proust und „Jahrestage“ von Uwe Johnson in öffentlichen Lesungen vollständig vorgetragen.


Das Buch: https://www.fischerverlage.de/buch/fjodor-dostojewskij-boese-geister-9783596907311

© Fjodor M. Dostojewskij "Böse Geister " (Übersetzung: Swetlana Geier).

Leserechte mit freundlicher Genehmigung der S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main.

Die Lesungen finden in einem Drei-Wochen-Zyklus statt


Um eine verbindliche Anmeldung für die Präsenzveranstaltung wird bis zum 10.03.22 unter info@kopelew-forum.de oder telefonisch unter 0221 257 67 67 gebeten. Es gilt die 2G Plus Regel.


UKB Präsenzveranstaltung: 5,- € / 2,5 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger

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Di., 22.02.22, 19.00 Uhr

Russland - Ukraine:
Krieg oder Ausweg aus der Krise?

Online-Diskussion mit dem MdB und Diplomaten

Alexander Graf Lambsdorff, Autorin, Slawistin und Russlandexpertin
Katja Gloger, Politikwissenschaftler und Osteuropa-Experten
Dr. Andreas Umland


Moderation: Thomas Roth, Vorsitzender des Lew Kopelew Forum e.V., ehemaliger Tagesthemen-Moderator

Eine Streitmacht von über 100.000 russischen Soldaten mit schwerem Gerät, zum Teil über mehrere tausend Kilometer aus dem russischen Fernen Osten herangebracht und rund um die Ukraine in Grenznähe gruppiert. Eine deutlich verschärfte politische Rhetorik in Richtung Westen, die an sowjetische Zeiten erinnert. Und schließlich die politische Forderung von Präsident Putin, Europa und die NATO auf die Verhältnisse der ersten Hälfte der 1990er Jahre zurückzuführen: All das hat inzwischen zu einer Weltkrise geführt, in die nun sogar China eingeschaltet ist. Die Angst vor einem Krieg wächst nicht nur in der Ukraine, sondern auch in den baltischen Staaten und in Europa.


Warum entstand diese Krise jetzt? Worin besteht Putins Absicht, was ist seine Agenda? Glaubt er, dass erneut ein militärischer Konflikt wie 2014 die Annexion der Krim noch einmal begrenzt geführt werden kann? Welche Antwort hat der Westen und die NATO auf diese Krise oder welche sollte sie haben?


Darüber diskutieren drei Persönlichkeiten, die sich seit vielen Jahren mit diesen Fragen und ganz besonders mit Russland und der Ukraine beschäftigen.


Alexander Graf Lambsdorff, Abgeordneter des Bundestages für die FDP, davor Abgeordneter des Europaparlaments und Diplomat.

Katja Gloger, Slawistin, Autorin und Publizistin, langjährige Korrespondentin des „stern“ in Moskau und Washington. Zahlreiche Publikationen zu Russland, deutsch-russischer Geschichte und zu Präsident Putin.

Dr. Dr. Andreas Umland, Historiker und Politikwissenschaftler, promoviert an der FU Berlin und Uni Cambridge, Lehr- und Forschungsaufenthalte in Oxford, Stanford, Jekaterinburg, Harvard, Eichstätt und Kiew. Z.Zt. Analytiker am Stockholmer Zentrum für Osteuropastudien.



DIE VERANSTALTUNG FINDET ONLINE STATT
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Präsenz und Online

Do., 17.02.22, 19.00 Uhr
Eröffnung einer neuen Literaturreihe

Bernt Hahn liest „Die Dämonen“
von Fjodor Dostojewskij

(in anderer Übersetzung „Böse Geister“)

In Zusammenarbeit mit M. Lengfeld‘sche Buchhandlung, Köln

Einführung: Prof. Dr. Christoph Garstka
Vorsitzender der Deutschen Dostojewskij Gesellschaft e.V.

Beschrieben wird eine Generation, die auf der Schwelle zu Industrialisierung und Moderne ihre Wertebindung verloren hat und entwurzelt nach neuen Orientierungen sucht. Religion, hergebrachte Sitten und Moral bieten keine stabilen Antworten. Taumelnd und in teils hektischer Aggressivität suchen die Protagonisten Halt bei fragwürdigen Konzepten und Ideologien, deren Einfluss bis in unsere Tage reicht. Der Roman ist als Warnung unter dem Eindruck mörderischer Umtriebe anarchistischer Zirkel geschrieben, aus deren Dunstkreis der berüchtigte „Katechismus des Revolutionärs“ stammt, der seinerseits Inspiration für die Aktivitäten der RAF gewesen ist. Nicht zuletzt wird dieser Tage in den Vereinigten Staaten von Amerika im Hinblick auf die Vorkommnisse um den vergangenen Präsidentschaftswahlkampf und die Besetzung des Kapitols explizit auf Dostojewskijs „Die Dämonen“ Bezug genommen.

Zu den grenzenlosen Bewunderern Dostojewskijs gehören u.a. Friedrich Nietzsche, für den er der „tiefste Psychologe der Weltliteratur“ ist, Thomas Mann, der dem Buch unerhörte Neuheit und Kühnheit attestiert, und Albert Camus, der die „Dämonen“ zu einem prophetischen Text erklärt, er gehöre zu den vier oder fünf Werken, die er über alles stelle. Camus hat den Roman 1959, in Reaktion auf stalinistisch orientierte Strömungen der Linken in Frankreich, unter dem Titel „Die Besessenen“ für die Bühne adaptiert.

Fjodor Michajlowitch Dostojewskij wird am 11. November 1821 als Sohn eines Arztes in Moskau geboren. 1837 geht er nach St. Petersburg und absolviert eine Ingenieurschule. Nach ersten Veröffentlichungen wird er 1849 wegen Verlesung eines angeblich staatsfeindlichen Briefes zum Tode verurteilt. Die darauf erfolgte Scheinhinrichtung wird zur lebensbestimmenden Erschütterung. Zu vier Jahren Zwangsarbeit und vier Jahren Militärdienst in Sibirien “begnadigt“, darf er 1859 nach St. Petersburg zurückkehren. 1873 entstehen „Die Dämonen“. Darauf folgen u.A. Der Jüngling (1875) und Die Brüder Karamazov (1881), ein Riesenwerk, geschaffen nicht nur „unter der Geißel seiner Krankheit (Epilepsie) sondern auch unter den Stockschlägen von erniedrigenden Finanznöten, die ihn zwangen, mit unnatürlicher Schnelligkeit zu arbeiten“ (Thomas Mann). Fjodor Dostojewskij stirbt am 09. Februar 1881 und wird drei Tage später unter der Anteilnahme von mehreren zehntausend Menschen auf dem Tichwiner Friedhof des Alexander-Newski-Klosters in St. Petersburg beigesetzt.


Bernt Hahn ist freiberuflicher Schauspieler und Sprecher. Neben seinen zahlreichen Hörbüchern mit Texten von u.a. Alexander Puschkin, Joseph Roth, M. Gandhi und Bruno Schulz hat er „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ von Marcel Proust und „Jahrestage“ von Uwe Johnson in öffentlichen Lesungen vollständig vorgetragen.


Prof. Dr. Cristoph Garstka ist Slavist und Germanist. Seit 2016 ist er Professor für „Russische Kultur“ am Seminar für Slavistik / Lotman-Institut der Ruhr-Universität Bochum. Seine Forschungsinteressen umfassen Kulturgeschichte Russlands und der Sowjetunion, russisch-polnische Beziehungen in Geschichte und Kunst, Politik und Dichtung in Russland und das Leben und Werk von F.M. Dostojewskij. Christoph Garstka ist Vorsitzender der Deutschen Dostojewskij-Gesellschaft (http://www.dostojewskij-gesellschaft.de/)

Das Buch: https://www.fischerverlage.de/buch/fjodor-dostojewskij-boese-geister-9783596907311
© Fjodor M. Dostojewskij "Böse Geister " (Übersetzung: Swetlana Geier).
Leserechte mit freundlicher Genehmigung der S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main.

Die Lesungen werden in einem Drei-Wochen-Zyklus stattfinden

So., 30.01.22, 16.00 Uhr

PRÄSENZ UND ONLINE

„Putin unter Druck setzen!“

Vortrag und Gespräch mit dem Stabschef und Vertrauten von Alexej Nawalny

Leonid Wolkow

In Zusammenarbeit mit Freies Russland NRW e.V.

Moderation: Robert Baag, freier Journalist mit Osteuropa-Schwerpunkt
Konsekutives Dolmetschen ins Deutsche von Erika Rubinstein

Die Verhaftung des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny vor einem Jahr in Moskau markierte den Anfang einer beispiellosen Welle von Repressalien und Unterdrückungsmaßnahmen gegen die Zivilgesellschaft in Russland. Oppositionelle Politiker und Andersdenkende werden verhaftet, regimekritische NGOs, darunter international anerkannte und renommierte wie Memorial, werden zwangsaufgelöst. Die Zerschlagung von zivilgesellschaftlichen Strukturen entspricht im Inneren der aggressiven Außenpolitik Russlands und den zahlreichen Kriegen und Konflikten, die Russland im postsowjetischen Raum führt – in der Ukraine, in Belarus, und neulich in Kasachstan.

Nach Nawalnys Verhaftung wurden seine Büros und Stiftungen - der Fonds zur Bekämpfung von Korruption (FBK) und der Fonds zum Schutz der Bürgerrechte - als extremistische Organisationen eingestuft und verboten. Leonid Wolkow, der Nawalny-Büros in den Regionen leitete und sein Vertrauter bei den Präsidentschaftswahlen 2018 war (im Zuge dieser Wahlkampagne wurde Wolkow fünf Mal verhaftet und verbrachte insgesamt 95 Tage in Haft) lebt nun im Exil.

„Man muss Putin unter Druck setzen, damit er Nawalny und andere politische Gefangene wieder freilässt, und damit er zum politischen Dialog mit der Zivilgesellschaft zurückkehrt, statt zu Repressionen zu greifen. Und das geht, indem man gezielte personenbezogene Sanktionen wegen Geldern verhängt, die dem russischen Steuerzahler gestohlen wurden… Von dieser Position aus muss man mit ihm sprechen, eben aus einer Position der Stärke heraus. Dies ist, was Europa, die USA und Großbritannien jetzt tun können, um Putin tatsächlich aufzuhalten“, - sagte Leonid Wolkow in einem Interview mit der Deutschen Welle am 05.01.2021.

Mit Leonid Wolkow sprechen wir über die Lage der Zivilgesellschaft in Russland, über Alexej Nawalny, die Bedrohung des Putinschen Regimes für Russland und für die Welt, sowie darüber, was man in Deutschland und Europa für die Unterstützung der russischen Zivilgesellschaft tun kann.

Leonid Wolkow ist ein russischer Oppositionspolitiker und IT-Spezialist. Er hat zahlreiche Proteste und Wahlkampagnen organisiert. 2013 leitete er Alexej Nawalnys Wahlkampfzentrale bei der Bürgermeisterwahl in Moskau, 2017-2018 organisierte er seine Wahlkampagne bei den Präsidentschaftswahlen in Russland. Seit 2019 lebt er im Exil.

Mi., 26.01.22, 19.00 Uhr

NUR ONLINE

Wieder "Volksfeinde":
Warum wollen die russischen Behörden
Memorial beseitigen?

Filmvorführung und Gespräch mit der Mitbegründerin von Memorial Irina Scherbakowa

Mit dem Vorwort des Friedendnobelpreisträgers Dmitrij Muratov

Eine Dokumentation auf Russisch mit deutschen Untertiteln und anschließende Diskussion

Moderation: Maria Birger, Historikerin und LKF-Beirat


Memorial ist die älteste Menschenrechtsorganisation Russlands, die zu einem Symbol der Zivilgesellschaft geworden ist. Zurzeit wird die Organisation massiv unter Druck gesetzt: Zwei der wichtigsten Verbände sind vom Verbot bedroht – Memorial International und das Menschenrechtszentrum Memorial. Beiden Organisationen wird vorgeworfen, gegen das „Agenten-Gesetz“ verstoßen zu haben; das Menschenrechtszentrum wird darüber hinaus der Unterstützung von Terrorismus und Extremismus bezichtigt. Gerichte haben ein Verbot ausgesprochen, die Urteile sind aber noch nicht rechtskräftig.

Der Film „Säuberung der Erinnerung“ von Konstantin Goldenzweig wurde gedreht im Auftrag des Fernsehsenders "Dozhd", eines der letzten unabhängigen Medien in Russland. "Dozhd" hat mit jenen gesprochen, die ein paar Jahre vor dem Zusammenbruch der UdSSR zu der Bewegung gehörten, aus der Memorial hervorging. Wie hat eine kleine Gruppe von Dissidenten verbotene Erinnerungen an den Gulag gesammelt und aufbewahrt? Und was wird nun aus der Datenbank der Erschossenen und Verfolgten in der UdSSR, wenn die Organisation aufgelöst wird?

Der Film wird mit einem Vorwort des Friedensnobelpreisträgers Dmitrij Muratov eingeleitet. Im Anschluss findet eine Diskussion mit der Menschenrechtlerin und Mitbegründerin von Memorial Irina Scherbakowa statt.

Irina Scherbakowa ist eine russische Germanistin und Kulturwissenschaftlerin. Ihre Forschungsgebiete umfassen Oral History, Totalitarismus, Stalinismus, Gulag und sowjetische Speziallager auf deutschem Boden nach 1945, Fragen des kulturellen Gedächtnisses in Russland und der Erinnerungspolitik. Irina Scherbakowa ist Mitglied des internationalen Beirats der Stiftung Topographie des Terrors in Berlin, der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste und Vorstandsmitglied der Marion-Dönhoff-Stiftung.

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