Veranstaltungen 2021

Mi., 21.07.21, 19.00 Uhr

Eine unmögliche Geschichte
Als Politik und Bürger Berge versetzten

Online-Buchvorstellung

mit dem Autor und Ehrenvorsitzenden des Lew Kopelew Forums Fritz Pleitgen

Moderation: Thomas Roth, Vorsitzender des Lew Kopelew Forums,
ehem. Tagesthemen-Moderator

„Eine unmögliche Geschichte“, Herder Verlag, Freiburg 2021

»Nichts ist unmöglich, auch nicht das Gute«

Über 50 Jahre war Fritz Pleitgen Journalist. Nun zieht er Bilanz seines reichen Journalistenlebens. Er gehörte zu den wenigen Reportern, die über den Kalten Krieg zwischen Ost und West hautnah von beiden Seiten des Eisernen Vorhangs berichteten, der über vier Jahrzehnte Deutschland und Europa in zwei feindselige Militärblöcke teilte, die die Menschheit mit Atomkrieg bedrohten.

In seiner persönlichen und anekdotenreichen Rückschau beschreibt Fritz Pleitgen den Prozess der Deutschen Einheit packend, selbstkritisch und mit Humor als eine Zeit, in der Politik und Bürger über sich hinauswuchsen und Berge versetzten.
Fritz Pleitgen führt uns mit seinem Buch eindrucksvoll vor Augen, wie viel wir aus dem Aufbruch von damals für die Überwindung heutiger Schwierigkeiten lernen können.

Um an der Veranstaltung teilzunehmen, melden Sie sich bitte unter dem folgenden Link an:
https://us06web.zoom.us/meeting/register/tZEqcO-uqjsjHtOmITXtqDJmD8mn9ASOQZod

Nach der Registrierung erhalten Sie eine Bestätigungs-E-Mail mit Informationen über die Teilnahme am Meeting.

Die Veranstaltung wird live auf unserem YouTube-Kanal übertragen:

Dienstag, 16. Februar 2021, 20.00 Uhr

Online-Vortrag und Diskussion



Alexei Nawalny und die neue Protestwelle in Russland


Bild: „Freiheit für Nawalny!“ Ein Aufruf zur Protestaktion am 31. Januar 2021. Tausende folgten diesem Ruf und gingen auf die Straßen. Quelle: www.navalny.com


Online-Vortrag und Diskussion

mit

Ina Ruck, Leiterin des ARD-Studios in Moskau und

Sabine Adler, Osteuropa-Redakteurin und Journalistin, Deutschlandradio

Moderation: Thomas Roth
Vorsitzender des Lew Kopelew Forums e.V., ehemaliger Tagesthemen-Moderator

Die Vergiftung des russischen Oppositionspolitikers Alexei Nawalny und seine Verhaftung unmittelbar nach seiner Rückkehr aus Deutschland nach Russland am Flughafen Sheremetjewo haben in mehreren Städten Russlands eine große Protestwelle ausgelöst. Das Regime ging mit aller Härte gegen die Demonstranten vor, Tausende Menschen wurden verhaftet. Das Neue bei den Protesten: Nawalny ist es gelungen, die Menschen aus unterschiedlichen Kreisen der Gesellschaft zu mobilisieren. Viele von ihnen sind zum ersten Mal auf die Straße gegangen und verstehen sich nicht als Unterstützer Nawalnys, sondern wollen sich gegen die Korruption und die Unterdrückung in ihrem Staat zur Wehr setzen. Mit spektakulären Videos über Recherchen im Fall der eigenen Vergiftung durch russische Geheimdienste sowie den Bau eines geheimen Palastes an der Schwarzmeerküste, den er Putin zurechnet (letzteres wurde inzwischen mehr als 100 Millionen Mal auf Youtube abgerufen), ist es Alexei Nawalny gelungen zu zeigen, dass die alten autoritären Herrschaftspraktiken und die KGB Methoden der Einschüchterung im digitalen Zeitalter eindeutig der Vergangenheit angehören.

Doch es werden in Russland auch andere Stimmen laut: Nawalny sei nur gegen Putin, aber nicht gegen das Regime, er sehe Russland in der Zukunft als Imperium und seine politischen Ansichten seien alles andere als demokratisch und liberal. Viele seiner Interviews und Äußerungen sind umstritten. Inwieweit sind diese Behauptungen berechtigt? Wird Alexei Nawalny zum Symbol des neuen Russlands? Und warum hat das Putin-Regime so viel Angst vor ihm und vor den Protesten, die von ihm inspiriert wurden?

Darüber diskutieren Osteuropa-Journalistinnen und Russland-Expertinnen Ina Ruck und Sabine Adler mit dem Vorsitzenden des Lew Kopelew Forums, dem ehemaligen langjährigen ARD-Korrespondenten in Russland Thomas Roth.

Sabine Adler (geb.1963) ist eine ausgewiesene journalistische Kennerin Osteuropas. Sie berichtet seit Anfang 2015 von Berlin aus über diese Region für die drei Programme von Deutschlandradio. Viele Hörerinnen und Hörer kennen sie zudem als ehemalige Russland-, Polen- und Ukraine-Korrespondentin sowie als frühere Leiterin des Hauptstadtstudios von Deutschlandfunk, Deutschlandfunk Kultur und Deutschlandfunk Nova.

Ina Ruck (geb.1962) studierte Slawistik, Politikwissenschaft und Publizistik in Münster, Moskau, Wien und Oxford. Seit Mitte der 1990er Jahre arbeitete sie erst als Fernsehkorrespondentin und anschließend als Leiterin des ARD-Studios in Moskau. Von 2015 bis 2017 war Ina Ruck Leiterin des ARD-Studios in Washington. Seit 2017 leitet sie wieder das ARD-Studio in Moskau.

Um an der Veranstaltung teilzunehmen melden Sie sich bitte unter dem folgenden Link an:

https://zoom.us/webinar/register/WN_N5TZOW6rTfeGEZdz5EiTQA

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Liebe Mitglieder und Russland-Interessierte,

die aktuelle Lage in Russland ist sehr angespannt. Im ganzen Land gehen Menschen auf die Straße, um gegen Korruption und die unrechtmäßige Verurteilung des Oppositionellen Alexey Nawalny zu protestieren.

Seit Tagen werden russlandweit friedliche Demonstranten von der Polizei brutal misshandelt, in Gefängnissen festgehalten, mit absurden Strafen belegt.

Die NGO OVD-Info unterstützt seit Ende 2011 Personen, die in die Mühlen der russischen Justiz geraten und politisch verfolgt werden. Bei staatlichen Übergriffen, etwa bei Haussuchungen und vor allem bei öffentlichen Protesten stellt sie Hotlines zur Verfügung, damit Festgenommene mitteilen können, wo sie sich befinden und in welches Polizeirevier sie ggf. gebracht wurden. In all diesen Fällen leistet OVD-Info juristische Hilfe, besorgt Anwälte, und sorgt zeitnah für Öffentlichkeit. Dadurch ist OVD-Info inzwischen zur meist zitierten Quelle in westeuropäischen Medienberichten über Demonstrationen und Festnahmen in Russland geworden.

Wir glauben, dass es im Sinne Lew Kopelews wäre, die wertvolle Arbeit von OVD-Info zum Beispiel mit einer Spende zu unterstützen. Eine Möglichkeit, dies zu tun, gibt es hier:

https://donate.ovdinfo.org/en

Ihr Lew Kopelew Forum

Die Mitarbeiter von OVD-Info waren schon mehrfach bei uns im Lew Kopelew Forum, um Ihre Arbeit vorzustellen.



Freitag, 05. März 2021, 18.00 Uhr

Online Wohltätigkeitskonzert

Der Flughafen von Donezk während der Kämpfe in den Jahren 2014-2015. Bild: Sergey Loiko


Trauern um die Opfer

Nodelmann Quartett

Online Wohltätigkeitskonzert
zur Unterstützung von ukrainischen Kriegsflüchtlingen
und Menschen in Kriegsgebieten


Trauern um die Opferin der Ukraine

Im Gedenken an diejenigen, die im Kampf und in den Kämpfen für die Unabhängigkeit der Ukraine 2014-2021 gestorben sind.

Gebet und Trauer, Schmerz und Katharsis - das ist die Musik von Threnody For The  Victims Of Ukraine, einem Werk des Komponisten Vladimir Genin, inspiriert von der geistlichen Hymne von Johannes Damaszener aus dem VIII. Jahrhundert, aufgeführt vom Nodelman Quartett, begleitet von einer Videomontage von Sergei Loiko, die speziell für dieses Projekt erstellt wurde.

Trauern um die Opfer des Stalinismus

Dmitry Schostakowitsch Streichquartett Nr. 8 in c-moll, Op. 110

Der 5. März 1953 brachte mit dem Tod Stalins für die Bevölkerung der Sowjetunion eine Wende. Er wurde zwar nicht überall einhellig mit Erleichterung aufgenommen – aber für die sowjetischen Dissidenten in der Sowjetunion wie im Exil wurde dieser Tag ein inoffizieller Feiertag.

Doch die Vergangenheit will bekanntlich nicht vergehen. Die Verurteilung Stalins sowie der Methoden des stalinistischen Regimes ist in Russland heute alles andere als selbstverständlich. Dazu kommt: gerade in letzter Zeit werden Proteste und Demonstrationen in vielen russischen Städten brutal unterdrückt. Die Drahtzieher von offensichtlichen Auftragsmorden werden nicht gefunden. Das äußerst rigorose Vorgehen der Polizei soll Proteste verhindern und die Menschen einschüchtern. Dies zieht auch die Nachbarländer in Mitleidenschaft, die nach dem Zerfall der Sowjetunion zu unabhängigen Staaten geworden sind.

Seit 2014 führt Russland einen unerklärten Krieg in der Ukraine, dem mittlerweile ca. 14.000 Menschen zum Opfer gefallen sind. Das größte Leid trägt die ukrainische Bevölkerung, die an der Frontlinie und in unmittelbarer Nähe zu den von Russland besetzten Gebieten Donezk und Luhansk wohnt. Diese Menschen zu unterstützen gehört zu den Aufgaben des Vereins Ukraine-Hilfe Berlin e.V., die die Kriegsverletzten und die Bevölkerung in Frontgebieten mit humanitärer Hilfe unterstützt.

Mit seinem Benefizkonzert TRAUERN UM DIE OPFER möchte der aus Russland stammende Musiker Misha Nodelman die Opfer des Krieges in der Ukraine unterstützen und ein Zeichen für „ein anderes Russland“ setzen. Im Programm sind die Threnody des russischen Komponisten Vladimir Genin – ein Klagelied für die Opfer des Krieges in der Ukraine -, sowie Dmitry Schostakowitsch Streichquartett Nr. 8 in c-moll, Op. 110. Die Musik wird untermalt mit Fotos vom Krieg in der Ukraine, die der Journalist und Fotograf Sergei Loiko in den Jahren 2014-2015 aufgenommen hat. Im Rahmen der Veranstaltung wird Sergei Loiko von seinem Projekt berichten. Das Gespräch findet auf Russisch statt. Die Spenden werden vom Verein Hilfe-Ukraine Berlin e.V. gesammelt und kommen den Kriegsverletzten, Kriegsflüchtlingen und den Menschen in Kriegsgebieten der Ukraine zugute.

Wenn Sie spenden möchten, benutzen Sie bitte den folgenden Link:

https://www.ukraine-hilfe-berlin.de/spende/


Bitte geben Sie in Verwendungszweck „Kriegsopfer“ ein.

Idee: Misha Nodelman

Projektbeteiligte: Vladimir Genin, Komponist (Russland – Deutschland), Sergei Loiko, Journalist und Fotograf (Russland – USA, Los Angeles Times), Pfarrer Maksym Strychar, Militärseelsorger der ukrainischen Armee in 2014-2017, Vorleser (Kyiv, Ukraine) Radio "Golos Nadii", NODELMAN QUARTETT: Misha Nodelman, Violine (Russland – Deutschland), Evgeny Selitsky, Violine (Russland – Deutschland), Andreas Kosinski, Viola (Deutschland), Mark Mefsut, Violoncello (Großbritannien-Deutschland).

Misha Nodelman (*1977) ist ein Meistergeiger, erster Konzertmeister der Neuen Philharmonie Westfalen und internationaler Preisträger. Seit 2006 unterrichtet er als Assistent bei Prof. Zakhar Bron in Köln. Der aus St. Petersburg stammende Musiker ist seit Jahren politisch aktiv und setzt sich für die Demokratisierung seiner Heimat Russland und für die Demokratiebewegungen in anderen Ländern Osteuropas ein.

Sergei Loiko (*1953) ist ein Schriftsteller, Kriegsfotograf und Journalist. Er wurde international bekannt durch sein Buch „Der Flughafen“ („Airport“) über die Gefechte um den ukrainischen Flughafen in Donezk, das er 2015 das veröffentlichte. 2017 folgte der Band „Der Flug“ („Flight“) über den Flug MH-17, den die von Russland unterstützten Separatisten über der Ostukraine abgeschossen. Loikos Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt und mit zahlreichen journalistischen Preisen ausgezeichnet.

Die Veranstaltung wird als Aufnahme auf dem YouTube Kanal von Misha Nodelman übertragen:


https://www.youtube.com/c/nodelman



Dienstag, 13. April 2021, 19.00 Uhr

Online-Vortrag und Diskussion


Bild: Demian Ogitak für Libertas Belarus


The Big Brother
Der Kreml und die Ereignisse in Belarus

Online-Vortrag und Diskussion

mit

Sabine Adler, Osteuropa-Korrespondentin und Journalistin, Deutschlandradio

Luzia Tschirky, Osteuropa-Korrespondentin und Journalistin des Schweizer Radio und Fernsehen (SRF)

Moderation: Katharina Heinrich
Osteuropa-Historikerin und Journalistin, LKF-Beirat

Neun Monate sind vergangen seit der historischen Präsidentschaftswahl in Belarus, die den belarusischen Präsidenten Aleksander Lukaschenko in den Augen des eigenen Volkes delegitimierte und ihn als einen reinen Machtusurpator bloßstellte. Die Wahlfälschung löste in Belarus eine bisher dort noch nie gesehene Protestwelle aus.

Drei mutige belarusische Frauen, die den Präsidenten Lukaschenko herausforderten – Swetlana Tichanowskaja, Maria Kolesnikowa und Veronika Tsepkalo - wurden inzwischen entweder ins Exil gezwungen oder verhaftet. Hunderttausende Menschen gingen auf die Straßen, doch die Massenproteste wurden brutal niedergeschlagen. Gewalt, Massenverhaftungen und Folter sind in Belarus in den letzten Monaten zum Alltag geworden.

Nicht mal den Vertretern der Presse bleibt diese Gewalt erspart. Luzia Tschirky, Korrespondentin des Schweizer Fernsehens, war Ende Januar 2021 mit ihren Freunden in Minsk unterwegs, als sie von der belarusischen Polizei festgenommen wurde. Nach Intervention der Schweizer Behörden wurde Luzia freigelassen, doch ihre Freunde blieben in Haft.

Wie gelingt es dem Diktator Lukaschenko trotz massiver Proteste an der Macht zu bleiben? Und wie lange noch? Worauf stützt er sich? Seit Beginn der Proteste bekommt Lukaschenko Hilfe aus Russland, zu der sich die russländische Regierung öffentlich bekennt. Bereits in den ersten Protesttagen warnte Präsident Putin die „westlichen Mächte“ davor, sich in die Ereignisse in Belarus einzumischen. Worin besteht das Interesse des Kremls in Belarus und welche Rolle spielt Moskau in den aktuellen Geschehnissen dort? Wie kann diese Situation ausgehen - für Lukaschenko, Belarus und den Kreml? Haben die internationale Gemeinschaft und die internationalen Organisationen, wie etwa die UNO, wirksame Instrumente, um Diktaturen zu beeinflussen, oder resignieren die Demokratien vor autoritären Staaten?

Darüber diskutieren die Osteuropa-Korrespondentin des Deutschlandradios

Sabine Adler, die die Situation in Belarus und Russland seit vielen Jahren beobachtet und darüber berichtet, und die Osteuropa-Korrespondentin des Schweizer Fernsehens Luzia Tschirky, die erst vor Kurzem aus Belarus zurückgekehrt ist.

Sabine Adler (geb.1963) ist eine ausgewiesene journalistische Kennerin Osteuropas. Sie reist seit Anfang 2015 von Berlin aus in diese Region für die drei Programme von Deutschlandradio. Viele Hörerinnen und Hörer kennen sie zudem als ehemalige Russland-, Polen- und Ukraine-Korrespondentin sowie als frühere Leiterin des Hauptstadtstudios von Deutschlandfunk, Deutschlandfunk Kultur und Deutschlandfunk Nova.

Luzia Tschirky (geb.1990) studierte Politikwissenschaft an der Universität Zürich. Bereits als Jugendliche sammelte sie die ersten Arbeitserfahrungen in Moskau als Delegierte der Europäischen Jugendpresse. Es folgten die Arbeit für das Moskauer Büro des „Spiegel“ und für die russischsprachige Redaktion von „Free Europe“ in Prag. Während der Maidan-Proteste in Kiew 2013-2014 war Luzia Tschirky als Berichterstatterin für die SRF tätig. 2019 übernahm sie die Korrespondenten-Stelle der SRF für Russland und die postsowjetischen Länder in Moskau.

Um an der Veranstaltung teilzunehmen melden Sie sich bitte unter dem folgenden Link an:

https://zoom.us/meeting/register/tJIsdumhqDgqEtOF43TsBpGza6v3cLtYApt9

Nach der Registrierung erhalten Sie eine Bestätigungs-E-Mail mit Informationen über die Teilnahme am Meeting.

Die Veranstaltung wird live auf unserem YouTube-Kanal übertragen:

https://www.youtube.com/channel/UCg9OWh2n2dRPDoOzwz-w6sg



Sonntag, 25. April 2021, 17.30 Uhr

Online-Veranstaltung
in Zusammenarbeit mit Goethe Institut St. Petersburg


ANDREJ SACHAROW UND DIE MENSCHENRECHTE
MARIA BIRGER UND SERGEJ LUKASCHEVSKIJ IM GESPRÄCH MIT GERMAN MOYZHES

Online-Veranstaltung

In diesem Jahr wäre er 100 Jahre alt geworden – ANDREJ SACHAROW (1921-1989), Physiker, Dissident und Friedensnobelpreisträger. Er war maßgeblich an der Entwicklung der sowjetischen Wasserstoffbombe beteiligt, machte aber später eindringlich auf die Gefahren des atomaren Wettrüstens aufmerksam. Seit den 1960er Jahren engagierte er sich in der Menschenrechtsbewegung in der Sowjetunion und trat u. a. 1968 mit seinem berühmten Memorandum „Gedanken über Fortschritt, friedliche Koexistenz und geistige Freiheit“ in Erscheinung. 1970 gründete er in Moskau gemeinsam mit Andrej Twerdochlebow und Walerij Tschalidse das Komitee für Menschenrechte und setzte sich unermüdlich für die Freilassung politisch Verfolgter ein. 1975 wurde ihm der Friedensnobelpreis verliehen. 1980 wurde er nach seinem Protest gegen den sowjetischen Einmarsch in Afghanistan nach Gorkij verbannt, bis ihn 1986 Gorbatschow nach Moskau zurückrief. 1988 wurde er in das Leitungsgremium der Akademie der Wissenschaften berufen, 1989 wurde er als Parteiloser in den Volksdeputiertenkongress gewählt, im selben Jahr wurde er Gründungsvorsitzender der Gesellschaft „Memorial“. Sacharow war unter anderem mit dem Germanisten Lew Kopelew (1912-1997) befreundet und war im Kontakt mit Heinrich Böll (1917-1985). Seit 1988 verleiht das Europäische Parlament einen „Sacharow-Preis für geistige Freiheit“.

HEINRICH BÖLL SCHRIEB ÜBER SACHAROW (1981): Es wird zu leicht vergessen, dass Sacharow seiner Ausbildung und Bildung nach von einer der Wissenschaften bestimmt ist, die man zu den exakten zählt, von der Physik, die man wohl als einen Zwilling jener anderen, ebenfalls exakten Wissenschaft bezeichnen kann, die man Mathematik nennt. Es ist diese Exaktheit, die ihn veranlasst hat, als einer der ersten ein Manifest über die Konzeption einer Welt-Ökologie zu verfassen. Und es ist ebenfalls diese Exaktheit, die ihn zum Verfechter der Menschenrechte gemacht hat. Er wirkt verträumt, gelegentlich fast abwesend – und doch ist er wach, ständig anwesend, liebenswürdig und – das ist nur scheinbar ein Paradox – ein sanftmütiger Kämpfer, dessen Härte die Unerbittlichkeit ist.

Sergej Lukaschevskij – Historiker, seit 2009 Geschäftsführer des Sacharow-Zentrums. Mitglied der Moskauer Helsinki-Gruppe. Er arbeitete im Programm „Geschichte der Dissidentenbewegung“ am Nationalen Forschungs- und Entwicklungszentrum „Memorial“ (1992-1998). Ferner leitete er die Programme für Menschenrechtsüberwachung der Moskauer Helsinki-Gruppe (1999-2004) und betreute das Demos-Zentrum für Menschenrechtsforschung (2004-2008). Lukaschevskij ist Autor von Artikeln über die Geschichte der Dissidentenbewegung, die Situation mit den Menschenrechten und der Zivilgesellschaft in Russland.

Maria Birger – Historikerin und Beiratsmitglied des Lew Kopelew Forums. Geboren in Moskau, aufgewachsen am Rhein. Birger studierte Geschichte und Slawistik an der Universität zu Köln. Zurzeit promoviert sie an der Humboldt-Universität am Lehrstuhl für osteuropäische Geschichte zum Thema „West-Östliche Erfolgsgeschichten? Vernetzung und öffentliche Inszenierung von westlichen Journalisten, Intellektuellen, Politikern und sowjetischen Dissidenten (1960-1980). Maria Birger engagiert sich seit Jahren ehrenamtlich im kulturpolitischen Bereich in Russland und in Deutschland.

German Moyzhes – Jurist und Unternehmer, geboren in Leningrad. Kindheit und Abitur in Frechen, Studium in Köln, St. Petersburg und Moskau. Seit Jahren ehrenamtlich aktiv in Deutschland und Russland, lebt er zurzeit in Russland und ist Beiratsmitglied im LKF.

Die Veranstaltung wird live aus St. Petersburg übertragen, die Übertragung erfolgt auf Deutsch und Russisch (nach Ihrer Wahl).

Die Übertragung läuft unter dem folgenden Link:

www.youtube.com/user/goethepetersburg


Keine Registrierung erforderlich




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