Veranstaltungen 2020


Samstag, 11. Januar 2020, 17.00 Uhr

Kammerkonzert


Poesie des Klanges

Kammerkonzert anlässlich des 130. Jubiläums des ukrainischen Komponisten

Lewko Rewuzkyj

Es spielen:


Olga Glibovych – Violine,
Emanuel Matz – Violoncello und Yaromyr Bozhenko – Klavier


Moderation: Mariya Kautz
Musikwissenschaftlerin, Doktorandin der Universität zu Köln

Das Dasein unabhängiger Künstler in einem totalitären Regime ist gekennzeichnet durch Unterdrückung und existentielle Unsicherheit, da sie ständiger misstrauischer Beobachtung durch die Behörden ausgesetzt sind. So steht das Leben des ukrainischen Komponisten Lewko Rewuzkyj exemplarisch für viele Komponisten der Ukraine in der Sowjetzeit. Einerseits erhielt er höchste Auszeichnungen, andererseits lebte er als Komponist in der inneren Emigration. Seine besten Werke komponierte er in der frühen Schaffensphase, bis 1930. Später entstanden nur noch vereinzelte Kompositionen, die Rewuzkyj selbst als „gelungen“ empfand.

Die Biographie seines Kollegen Wasyl Barwinskyj ist auf eine andere Art tragisch. Barwinskyj ist bekannt als „Komponist ohne Noten“: Alle seine Handschriften wurden von KGB 1948 im Hof des Konservatoriums in Lviv verbrannt. Zehn Jahre waren er und seine Ehefrau Natalija im Gulag inhaftiert, in der Tauwetterperiode kamen sie frei. Sein restliches Leben widmete Barwinskyj der Rekonstruktion eigener Werke und der Suche nach seinen in der ganzen Welt verstreuten Kompositionen.

Im Kontext der europäischen Musikgeschichte hinterließen beide Komponisten großartige musikalische Meisterwerke, die es zu entdecken gilt. Ihre Musiksprache verbindet spätromantische und impressionistische Tonwelten mit modernen Anklängen. In der Interpretation von Olga Glibovych, Emanuel Matz und Yaromyr Bozhenko klingt diese Musik besonders – besonders authentisch.

Programm

Lewko Rewuzkyj:


Intermezzo für Violine und Klavier (1955)
Ballade für Violoncello und Klavier (1933)
Präludien op. 4, Nr. 1 Des-Dur und Nr. 2 fis-moll, aus: 3 Präludien op. 4 (1915); Bearbeitung für Klaviertrio von Yaromyr Bozhenko (2019)
Sonate für Klavier op. 1 h-moll (1912/1948-49)


Pause

Wasyl Barwinskyj:


Sonate für Violoncello fis-moll (1926)

Lewko Rewuzkyj, geb. 8.02./20.02.1889 in Irschawez bei Poltawa, Russisches Kaiserreich; gest. 30.03.1977 in Kyiv, UdSSR.

Er studierte am Konservatorium von Kyiv zunächst Klavier und dann, bis 1916, Komposition. Ab 1924 unterrichtete Rewuzkyj am Lysenko-Institut für Musik und Drama, 1935 wurde er Professor am Kyiver Konservatorium. Während der kriegsbedingten Evakuierung leitete er 1941 bis 1944 die Abteilung Komposition und Musiktheorie am Konservatorium in Taschkent. Am bekanntesten sind seine zwei Sinfonien, zwei Klavierkonzerte, vertonte Gedichte sowie Bearbeitungen von ukrainischen Volksmelodien. Rewuzkyj gilt als Kopf einer ganzen Komponistengeneration: Zu seinen Schülern zählten die begabtesten Musiker seiner Zeit wie Leonid Hrabowskyj, Platon Majboroda, Mykola Dremljuha, Witalij Kyrejko. Lewko Rewuzkyj starb 88-jährig in Kyiv.

Wasyl Barwinskyj, geb. 1888 in Ternopil, Österreich-Ungarn, Kronland Königreich Galizien und Lodomerien; gest. 1963 in Lviv, Ukrainische SSR,


Barwinskyj gehört zu den Klassikern der ukrainischen Musik. Er begann Anfang des 20. Jh. zu komponieren; sein Stil ähnelt den anderen europäischen Komponisten dieser Zeit, wie Claude Debussy, Max Reger, Ferruccio Busoni. Gleichzeitig benutzte Barwinskyj in eigenen Werken gerne ukrainische Volksmelodien, die er mit den harmonischen und polyphonischen Klängen des 20. Jahrhunderts verband. Sein künstlerischer Beitrag für die Kammermusik ist bedeutend. Der Komponist hat Werke für unterschiedliche Ensembles geschrieben: Duos für Geige u. Klavier, Trios, Quartette, Quintette und Sextette. Aber seine musikalische Liebe galt Cello mit Klavier. Die Kammermusik von Barwinskyj war in den 1930er Jahren bekannt und wurde in Europa vielerorts gespielt. Seine Werke wurden von österreichischen, amerikanischen und japanischen Verlagen herausgegeben. Die Musik von Wasyl Barwinskyj wird nach und nach von immer mehr Pianisten, Ensembles, sowie Chören und Sängern entdeckt und aufgeführt.


UKB: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger



Dienstag, 28. Januar 2020, 18.00 Uhr

Filmvorführung und Gespräch mit dem Regisseur

Nicolas Miletitch


Auf den Erfolg unserer hoffnungslosen Sache!

Doku, Frankreich; 81‘; 2018; Sprache: russisch mit englischen Untertiteln;

Regie: Nicolas Miletitch u. Jewgenij Golinkin; Buch: Nicolas Miletitch; Kamera: Naira Dawlaschjan, Andrej Borodulin u.a.; Produzent: Nicolas Miletitch

Moderation: Maria Birger, Historikerin, Doktorandin an der Humboldt Universität zu Berlin, LKF-Beirat

Dies ist ein Film über sowjetische Dissidenten - eine nicht allzu große Gruppe von Menschen, die den Mut und die Kraft hatten, in den 1960er bis 1980er Jahren für Freiheit und Menschenrechte in der Sowjetunion zu kämpfen, als der KGB allmächtig war und die Proteste einzelner Aktivisten hoffnungslos schienen. Einige von ihnen sind auf der ganzen Welt bekannt: der Atomphysiker Andrej Sacharow oder der Schriftsteller Alexander Solschenizyn. Aber hinter ihnen standen Hunderte von anderen, die ihre Freiheit riskierten, Jahre in Arbeitslagern und psychiatrischen Anstalten einsaßen und ihren Glauben und ihre Ideale verteidigten. Russen, Ukrainer, Juden, Orthodoxe, Adventisten ... Sie gaben Untergrundzeitschriften heraus, waren Mitglieder verbotener religiöser Organisationen, kämpften für ihr Recht, ihre Ansichten offen zu äußern, und ihre Sprache und Kultur zu bewahren. Die Geschichten dieser Menschen bilden die Geschichte der Widerstandsbewegung, die Geschichte des Kampfes für die Freiheit in einem nicht freien Land.

„Im Grunde war unsere Welt sehr einfach konstruiert. Es gab Leute, die bereit waren, mit einer Gefängnisstrafe für eine solch flüchtige Sache wie das Selbstwertgefühl zu bezahlen. Und es gab diejenigen, die dazu nicht bereit waren. Das ist alles. Ich mache den Letzteren keine Vorwürfe. Der Mensch ist von Natur aus schwach “, sagt Dissident Sergei Kowaljow.

Heute sind sie und ihr Lieblingstoast "Auf den Erfolg unserer hoffnungslosen Sache!" größtenteils vergessen. Aber ohne sie hätte es vielleicht in den 1980er Jahren in der UdSSR keine historischen Veränderungen gegeben.

Im Film sind zu sehen: Alexander Lawut, Ljudmila Alexejewa, Sergei Kowaljow, Natalia Gorbanewskaja, Joseph Begun, Vater Gleb Jakunin, Juri Orlow, Rostislav Galetsky, Vera Laschkowa, Alexander Ogorodnikow, Arina Ginzburg, Alexander Podrabinek, Wassil Owsienko, Semion Gluzman und Nikolas Miletitch.

Nicolas Miletitch wurde 1953 in Paris geboren. Seit 1977 arbeitet er bei der Nachrichtenagentur Agence France Presse. 1978-1981 war er Korrespondent von France Presse in Moskau, von wo aus er aufgrund seiner Verbindungen zu Dissidenten ausgewiesen wurde. Später leitete er das Büro der Agentur in Belgrad (1988-1994) und berichtete über den Fall des kommunistischen Regimes in Albanien und über die jugoslawischen Kriege. Aus Belgrad wurde Miletitch von Slobodan Milosevic ausgewiesen und ging nach Moskau, wo er das Büro der Agence France Presse leitete (1994-2001). Von 2006 bis Juni 2009 war er Chefredakteur der AFP. Von 2010 bis 2018 leitete er wieder das Büro der Agentur in Moskau.

Filmographie

2018 - Auf den Erfolg unserer hoffnungslosen Sache (zusammen mit Jewgenij Golynkin)
2008 - Die geheime Geschichte des Archipels Gulag (zusammen mit Jean Crépu)

UKB: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger


Donnerstag, 30. Januar 2020, 19.00 Uhr

Kammerkonzert

Ievgeniia Iermachkova

Bild: Maryna Chorna

Kammerkonzert


zwischen Krieg und Frieden


Bohdan Shalyha
Violine


Ievgeniia Iermachkova
Klavier


Programm:


Francis Poulenc
Sonate für Violine und Klavier (1943)  Allegro con fuoco - Intermezzo - Presto tragic

Sergey Prokofjew
Sonate für Violine und Klavier Nr.2 op.94a

Moderato - Scherzo. Presto
Andante - Allegro con brio


Lera Auerbach
Sonate für Violine und Klavier Nr.2 ‚den 11.September ’


UKB: 7,50 € / 5,00 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten, Rentner und ALG-II-Empfänger
Mitglieder der Anton Rubinstein Akademie Frei



Montag, 03. Februar 2020, 19:00 Uhr

Buchvorstellung und Gespräch mit dem Autor

Foto: Mike Wolff

Die Moskauer

Wie das Stalintrauma die DDR prägte

S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2019

Buchvorstellung und Gespräch mit dem Autor

Dr. Andreas Petersen


Gescheitert ist die DDR auch am stalinistischen Trauma. Der Historiker und Publizist Andreas Petersen erzählt, wie es dazu kam, und erkundet das Trauma der DDR-Gründergeneration um Pieck und Ulbricht.

Sie hatten in Moskau und der Sowjetunion die Jahre des Terrors erlebt, in denen Stalin mehr absolute Spitzenkader der KPD ermorden ließ als Hitler. Angst und Verrat wurden für die Exilanten aus Deutschland zum Schreckensalltag.

Ab 1945 übernahmen die zurückgekehrten „Moskauer“ die Führung in der sowjetisch besetzten Zone. Sie setzen sich durch gegen die KZ-Überlebenden und Westemigranten in der Partei. Die ersten Jahre waren Stalin-Jahre, Zweifel und Fragen waren in der neu gegründeten SED nicht erwünscht. Die „Moskauer“verheimlichten die sowjetische Realität, die Denunziationen, auch die eigenen, und wussten doch von ihren unschuldigen Mitgenossen in den Lagern, Gefängnissen und Erschießungskellern. Ein Mantel des Schweigens legte sich über den neuen Staat.

Fesselnd schildert Andreas Petersen dieses Gründungstrauma und seine Folgen – ein lebendiges Psychogramm der führenden SED-Funktionäre, das seine Auswirkungen auf die frühe DDR hatte. Darüber ist bis heute wenig bekannt. Ein aufrüttelndes Buch, das dazu beitragen kann, die Geschichte des zweiten deutschen Staates besser zu verstehen.

Pressestimmen:

„Das Buch von Andreas Petersen [...] sollte Pflichtlektüre in den Schulen und für DDR-Nostalgiker werden.“

Werner Schulz, Die Welt – Literarische Welt, 09.11.2019

„Andreas Petersen hat ein wichtiges, notwendiges Buch geschrieben. [...] Über die DDR und ihre Gründungsväter wird man nach der Lektüre dieses klugen Buches anders sprechen müssen.“

Jörg Baberowski, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.06.2019

„Das Ergebnis des Großen Terrors, das beleuchtet Petersen in dem akribisch recherchierten Buch [...], war eine von Stalin atomisierte, total ergebene und widerspruchslose Funktionärskaste.“

Gerd Nowakowski, Der Tagesspiegel, 27.03.2019

Dr. Andreas Petersen (* 1961 in Köln) ist ein deutscher Historiker, Buchautor und Leiter der Geschichtsagentur zeit&zeugen. Er studierte Allgemeine und Osteuropäische Geschichte an der Universität Zürich. Er war Mitarbeiter an der Freien Universität Berlin, Gründungspräsident des Forums für Zeitzeugen in Aarau und ist heute Dozent für Zeitgeschichte an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Er publizierte u. a. im Tagesspiegel, dem Tagesanzeiger und der Neuen Zürcher Zeitung.

UKB: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger


Donnerstag, 27. Februar 2020, 19:00 Uhr

Filmvorführung

Ort: Filmforum, Museum Ludwig, Bischofsgartenstraße 1, 50667 Köln


Russlands Millenniumskinder

Ein Dokumentarfilm von Irene Langemann
Deutschland 2019, 90 Minuten

Filmvorführung und Diskussion

Eine WDR-Veranstaltung in Kooperation mit dem Lew Kopelew Forum e.V.,
der Filmsociety des Kunstsalon e.V. und Lichtfilm.

Russische Jugendliche, die an dem Tag und in der Zeit um die Jahrtausendwende geboren wurden, kennen nur den Ex-KGB Mann Wladimir Putin an den Schalthebeln der Macht. Doch ähnlich wie Gleichaltrige im Westen gehören sie zur Internetgeneration, haben Zugang zu Informationen, die in den staatlich gelenkten Medien Russlands keinen Platz haben.

Wie denkt und fühlt die Generation Putin? Wie möchte sie in dem scheinbar erstarkten, aber dennoch nicht stabilen Land leben? Von St. Petersburg bis Ostsibirien portraitiert der Film unterschiedliche Vertreter dieser Generation: Da ist der glühende Verehrer Putins, der es für richtig hält, dass die staatlich gesteuerte Propaganda einen Mythos um den ewigen Herrscher erschaffen hat. Die leidenschaftliche Aktivistin der Opposition hingegen hält Putin und seine Unterstützer für eine ‚kriminelle Bande‘, die mit verbrecherischen Methoden Reichtum angehäuft hat und das Volk verarmen lässt.

Thomas Roth, der Vorstandsvorsitzende des Lew Kopelew Forums und ehemaliger Leiter des Studios der ARD in Moskau schreibt über den Film:

Milleniumskinder - Ein Blick auf Russlands Zukunft

Ich erinnere mich noch gut an die „Milleniumsnacht“. Als Moskaukorrespondent auf Weihnachtsurlaub in Köln stand ich plötzlich im WDR Studio, da der russische Präsident Boris Jelzin im russischen Fernsehen überraschend seinen Rücktritt verkündete und einem gewissen Wladimir Wladimirowitsch Putin das Land übergab. Mit welchem Ergebnis wissen wir heute, 20 Jahre später, zumindest sehr viel besser als damals. Der spannende Film von Irene Langemann versammelt russische Jugendliche, die nur Wladimir Putin an der Macht erlebt haben. Es ist ihre Lebenszeit. Die Autorin und Regisseurin macht das, was alle guten Russlandfilme auszeichnet. Sie reist kreuz und quer durch dieses riesige Land und zeichnet einfühlsame Portraits dieser sehr unterschiedlichen Jugendlichen, durch die man enorm viel über dieses Russland lernt. Und vielleicht sogar ein Stück seiner Zukunft erahnt. Ein überaus sehenswerter Film.

„Russlands Millenniumskinder“ ist eine Produktion von Lichtfilm, in Co-Produktion mit WDR, gefördert von der Film- und Medienstiftung NRW.

Im Anschluss an die Filmvorführung gibt es ein Gespräch mit dem Filmteam (Moderation: Birgit Virnich) und einen kleinen Umtrunk.

Bitte melden Sie sich an unter der E-Mail-Adresse WDR.DOK@WDR.DE

Ausstrahlung WDR Fernsehen: „Russlands Milleniumskinder“, 11.03.2020 um 23:25 Uhr

Eintritt frei

Kontakt

Lew Kopelew Forum
Neumarkt 18
50667 Köln


Tel. (0221) 2 57 67 67
Fax. (0221) 2 57 67 68
info@83443f84f65d4ad2866380698a7bd154kopelew-forum.de  



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