Anatolij Pristawkin


Anatolij Ignatjewitsch Pristawkin (17.10.1931 in Ljuberzy bei Moskau – 11.07.2008 in Moskau), russischer Schriftsteller. Er stammte aus einer Arbeiterfamilie und verbrachte den Zweiten Weltkrieg als Waisenkind in verschiedenen Heimen, aus denen er mehrmals flüchtete. Nach dem Krieg studierte er an der Moskauer Flugzeugtechnischen Fachhochschule, die er 1952 absolvierte. Darauf folgte der Militärdienst und danach das Zweitstudium am renommierten Gorkij-Literatur-Institut, das er 1959 mit seinem ersten veröffentlichen Prosastück in der Zeitschrift „Junost“ („Die Jugend“) abschloss. Pistawkin ging für mehrere Jahre nach Sibirien, war Arbeiter bei diversen Großbau-Objekten und schrieb darüber Dokumentarprosa.

Erst in der Perestroika-Zeit veröffentlichte er seine Dokumentarerzählung „Schlief ein goldnes Wölkchen“, in der er über das Schicksal der Kinder in sowjetischen Heimen sowie über die Deportation des tschetschenischen Volkes – deren Zeitzeuge er als Kind war – berichtete. Daraufhin folgten mehrere Publikationen, mit denen Pristawkin seinen Beitrag zur Aufarbeitung der Stalin-Zeit leistete.


Erstes Wiedersehen nach der Ausbürgerung in München 1988 – dank Perestroika. Anatolij Pristawkin mit Raissa Orlowa und Lew Kopelew                                                                                                                    FSO 01-3


1991 wurde Pristawkin zum Vorsitzenden des Rates der unabhängigen Schriftsteller-Bewegung „April“. In der 1992 durch den russischen Präsidenten Boris Jelzin gegründeten Begnadigungskommission hatte er ebenfalls den Vorsitz übernommen. Dieser Kommission gehörten u.a. Mitstreiter wie Ales‘ Adamowitsch, Bulat Okudshawa und Lew Rasgon an. 2001 wurde die Begnadigungskommission von dem Präsidenten Wladimir Putin abgeschafft.


Anatolij Pristawkin in seiner Funktion als Vorsitzender der russischen Begnadigungskommission war im Januar 1993 ein Gast der bundesdeutschen Regierung in Bonn; eine günstige Gelegenheit, auch seinen Freund in Köln zu besuchen.                                                                                                                                     © klassen


Pristawkin war ein entschiedener Kritiker der sowjetischen Politik im Baltikum (1991) sowie aller hintereinander folgenden Kriege in Tschetschenien.

Sein literarisches Werk ist von international renommierten Slawisten in mehrere Sprachen übersetzt worden.


Bücher von Anatolij Pristawkin

Солдат и мальчик

Повести

«Советский писатель», Москва 1982
Der Soldat und der Junge

Erzählungen

Verlag „Sowjetischer Schriftsteller“, Moskau 1982


Повести и рассказы

«Художественная литература», Москва 1983
Dokumentarberichte und Erzählungen

Verlag „Schöngeistige Literatur“, Moskau 1983


Ночевала тучка золотая

Повести и рассказы

«Современник», Москва 1988
Schlief ein goldnes Wölkchen

Erzählungen

Verlag „Der Zeitgenosse“, Moskau 1988


Тихая Балтия

Латышский дневник

Издательство «Лиесма», Рига 1991
Stilles Baltikum

Das lettische Tagebuch

Verlag „Liesma“, Riga 1991

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