Iwan Switlytschnyj

FSO 01-3


Iwan Oleksijowitsch Switlytschnyj (20.09.1929 im Gebiet Lugansk – 25.10.1992 in Kiew), ukrainischer Literaturwissenschaftler und -kritiker, Lyriker, Übersetzer und Bürgerrechtler der ukrainischen oppositionellen Bewegung.


1947 absolvierte er die Schule mit Goldmedaille. Von 1947 bis 1952 studierte er Philologie an der Universität Charkow (heute Charkiw), schloss sein Studium mit Auszeichnung ab und promovierte Mitte der 1950er in Kiew an der renommierten Schewtschenko-Literatur-Hochschule, deren wissenschaftlicher Mitarbeiter er darauf wurde. 1963 wurde er wiss. Mitarbeiter der Ukrainischen Akademie der Wissenschaften.


Mitte der 1960er schloss er sich der oppositionellen Bewegung an, wurde zum ersten Mal 1965 verhaftet und verlor die Arbeitsstelle. 1972 wurde er erneut verhaftet und zu sieben Jahren Lagerhaft und anschließend fünf Jahren Verbannung verurteilt. 1983 wurde er schwerkrank freigelassen.


Lew Kopelew über die zeitgenössische ukrainische Lyrik und Iwan Switlytschnyj

Die „Autoren der 60er Jahre“ – das ist ein besonderes Kapitel der ukrainischen Kulturgeschichte. Die Lyriker Jewhen Swerstjuk, Iwan Switlytschnyj und Wassyl Stus gehören zu den bedeutendsten Vertretern der neuen ukrainischen Poesie, in all ihrer facettenreichen Einzigartigkeit. Sie sind tief verwurzelt in nationaler Überlieferung. Aber sie empfangen unvoreingenommen die ästhetischen und philosophischen Erfahrungen anderer ausländischer Literaturen; ihre Vorgänger und Lehrmeister finden sie nicht nur im eigenen Dichterlande, sondern auch in Rußland, Frankreich, England, Deutschland, Italien und anderen Ländern.


Sie bleiben den klassischen Traditionen auch darin treu, daß sie über alle routinierten und kanonisierten Regeln tapfer hinweg schreiten und den Gestalten und Geschehnissen ihrer Gegenwart mit neuen Ausdrucksmitteln gerecht werden wollen. ( … ) Iwan Switlytschnyj ist der unbändig leidenschaftliche – in Liebe, Zorn und Spott – Pathetiker und zugleich auch unermüdliche, enzyklopädisch gebildete Aufklärer. ( … ) Switlytschnyj kam nach sieben Jahren Lager und fünf Jahren Verbannung schwer krank, im Rollstuhl, nach Kiew zurück.


Der übermächtige totalitäre Staat will die Poeten mundtot machen. Aber ihr Wort lebt. Und in ihm, mit ihm, dank ihm – lebt die Ukraine.


Köln, Juni 1983  


Angst – ich bin dich losgeworden. Ukrainische Gedichte aus der Verbannung

Verlag Gerold & Appel, Hamburg 1983. Mit einem Vorwort von Lew Kopelew



Das obenstehende Foto schickte Iwan Switlytschnyj Lew Kopelew am 05.08.1978 aus der Verbannung und schrieb auf die Rückseite die


FSO 01-3

Widmung


Für den gütigsten Menschen,

den treuesten Freund,

den ehrbaren

Lew Sinowjewitsch
vom ganz ergebenen


I. Switlytschnyj
5.8.1978


Ust‘-Kan


Bücher von Iwan Switlytschnyj

Серце для куль i для рим

«Радянський письменник», Киȉв 1990

Das Herz für Geschosse und für Verse

Verlag „Sowjetischer Schriftsteller“, Kiew 1990


У мене – тiльки слово

Поезiȉ, Поеми, Переклади

«Фолiо», Харкiв 1994

Серiя: Украȉнська лiтература ХХ столiття

Ich habe nur das Wort

Lyrik, Poeme, Übersetzungen

Verlag „Folio“, Charkiw 1994

Reihe: Ukrainische Literatur des 20. Jahrhunderts

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